Keine Leerstelle in der Mitte

ARENRATH. Die Gemeinde will durch die Schließung von offenen Bauflächen innerhalb des Orts neue Bewohner anziehen, ohne zur Ortskernflucht beizutragen.

Das Problem kennen viele Gemeinden. Um zu wachsen, müssen sie offene Bauflächen anbieten. Doch gleichzeitig wollen sie verhindern, dass ihr Ortskern ausstirbt, während sich Zuzieher in Neubaugebieten am Ortsrand ansiedeln.US-Amerikaner als Neubürger

Die Gemeinde Arenrath hat nun einen Plan beschlossen, bei dem beide Anliegen berücksichtigt werden sollen. "Die Mobilisierung von Lücken" nennt sich das Vorhaben: Anstatt großflächige Neubaugebiete zu erschließen, will die Gemeinde Einzelflächen innerhalb des Orts und am Ortsrand als Bauflächen anbieten. Sechs Grundstücke sind derzeit unter Betrachtung, sagt Ludwig Schmitz, erster Beigeordneter im Gemeinderat und stellvertretender Ortsbürgermeister. "Wir wollen die vorhandenen Bauflächen, die Lücken, schließen", sagt er. Arenrath habe in der Vergangenheit bereits Anfragen nach Bauflächen gehabt, konnte aber nichts bieten. Besonders junge Familien und eventuell US-Amerikaner, die nach ihrem Militärdienst in Deutschland bleiben möchten, wolle die Gemeinde anziehen. Große Wohnbauprojekte zur Vermietung an US-Amerikaner seien nicht geplant. Zwei Grundstücke würden vermutlich von der Gemeinde gekauft, die anderen von Privatbesitzern und der Kirche zur Verfügung gestellt. Die Kirchengrundstücke würden allerdings nur verpachtet werden. Obwohl die Kirche sich bereit erklärt hat, ihre Grundstücke zu verkaufen, beschloss die Gemeinde, dass dies unfair gegenüber den derzeitigen Pächtern wäre. Bislang waren Kirchengrundstücke von einem Kauf ausgeschlossen. Im Rahmen der diesjährigen Erweiterung des Flächennutzungsplans der Verbandsgemeinde hatte die Ortsgemeinde ursprünglich vorgehabt, Bauflächen in Richtung Herforst und Binsfeld anzubieten. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass dort ausgebeutete Kiesflächen vorherrschen, in denen der Boden teilweise bis zu zehn Meter hoch aufgefüllt, jedoch nicht verdichtet wurde. Eine Bebauung sei dort in den meisten Fällen kaum möglich, sagt Schmitz. In die anderen Richtungen bliebe nur, komplette Neubaugebiete zu erschließen. Hierfür müsste die Gemeinde in einen Ausbau der Infrastruktur investieren. Dies bezeichnete Schmitz als "nicht so klug". "Diese Kosten kommen nicht rein, weil ja auch ein Leerstand in der Ortsmitte zu befürchten ist", sagt er. Im Moment gebe es noch kein Problem mit leer stehenden Häusern in Arenrath. Entwicklung schwer vorherzusehen

Da der Ort keine besondere Infrastruktur vorweisen kann, sei die Entwicklung über die nächsten Jahre allerdings schwer abzusehen. Vor allem im Ortskern gebe es viele allein stehende, ältere Personen, so dass ein möglicher Leerstand, wie er in anderen Dörfern bereits vorherrscht, nicht von der Hand zu weisen sei. "Ein Überangebot wäre kontraproduktiv", sagt Schmitz.

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