Keine Lust auf schwere Jets

BERNKASTEL-KUES. Die Stadt Bernkastel-Kues ist am Planfeststellungsverfahren "Flugplatz Hahn" nicht beteiligt. Gleichwohl bezog der Stadtrat am Donnerstagabend Position.

Der Stadtrat Bernkastel-Kues lehnt eine Verlängerung der Startbahn auf dem Flugplatz Hahn wegen der nicht abzuschätzenden Risiken für den Tourismus und den Kurbetrieb ab, schließt aber eine positive Stellungnahme nicht aus. Dafür müssten aber Garantien auf den Tisch: So darf es zwischen 22 und 6 Uhr keine Sichtanflüge über dem Stadtgebiet geben. Tagsüber muss eine Standardflughöhe von 5000 feet (1633 Meter) eingehalten werden. Auf dem Hahn startende schwere Frachtmaschinen dürfen die Stadt gar nicht überfliegen. Diesem Antrag stimmten CDU, FDP und UBU zu. SPD und Grüne stimmten dagegen - allerdings aus unterschiedlichen Gründen. So begrüßt die SPD die Forderung nach Garantien, verbindet damit aber nicht die Ablehnung der Startbahnverlängerung. Die Grünen lehnen die Verlängerung ab, glauben aber, dass Einschränkungen im Flugbetrieb über der Stadt zu Lasten der umliegenden Gemeinden gehen. Stadtbürgermeister Wolfgang Port legte dem Gremium ein umfangreiches Papier vor. Hintergrund der neuen Diskussion sei, dass drei Tage, nachdem der Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues im November 2003 den Planfeststellungsbeschluss zur Startbahnverlängerung unter Auflagen gebilligt habe, die Flugrouten geändert wurden. Für Port wird die Stadt dadurch mehr belastet.Port: Passagierflugzeuge sind kein Problem

"Mit dem heutigen Stand kann man leben", sagte Port. Die Passagierjets überflögen die Stadt in einer Höhe von 1700 bis 2200 Metern, ganz moderne Flieger sogar in 2800 Meter Höhe. Er befürchtet aber, dass nach einer Verlängerung der Startbahn voll beladene große Frachtmaschinen erst eine Höhe von circa 1180 Metern erreichen, wenn sie die Stadt überfliegen, und die russischen Antonows dann noch nicht einmal 1000 Meter hoch sind. "Das kann nicht gut sein für Kur und Tourismus", sagte Port. Der Stadtbürgermeister glaubt, dass der Betreiber des Flughafens mit gutem Willen die Garantien geben kann. "Das kostet kaum Geld und ist mit keinem großen Aufwand verbunden", sagte Port. Gerhard Lenssen ging grundsätzlich an das Thema heran. "Wir sehen heute nur noch Risiken und kaum mehr Chancen." Die Entwicklung von "Flüsterjets" sei in vollem Gange. Gleichzeitig biete sich Bernkastel-Kues als idealer Wohnort für die Leute an, die auf dem Hahn arbeiten. "Wenn wir die Entwicklung heute verhindern, ist sie gestorben", befürchtet Lenssen. Robert Wies (FDP) glaubt, dass die Fakten sowieso schon "unveränderbar festgeschrieben" sind. "Die Verlängerung der Startbahn wird kommen", sagte er: "Nur durch Kommunikation ist noch etwas zu erreichen." "Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte", sagte Frank Hoffman (CDU). Genau wie Fraktionskollege Ernst Schreiner sieht er durch schwere Frachtjets eine "große Bedrohung für Tourismus und Kur". Gertrud Weydert (Grüne) zeigte sich "fast sprachlos" über Ports Vorlage: "Vor einem Jahr hätten wir uns nicht erträumt, dass Sie uns so was vorstellen." Nicht zur Sprache kam, dass die VG-Verwaltung vor genau einem Jahr eine Vorlage erarbeitet hatte, in der dem Stadtrat wegen möglicher Lärmbelästigung eine Sitzung nahe gelegt und gleich ein Beschlussvorschlag mitgeliefert wurde, der dem aktuellen Votum des Rates ähnelte. "Leider wurde das Thema damals nicht auf die Tagesordnung gesetzt", sagte Büroleiter Heiner Nilles dem TV .