Keine Panik im Sturm

Das diesjährige Pfingstzeltlager am Kueser Werth werden rund 800 Pfadfinder aus sieben Ländern wohl nicht vergessen. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der seit 1932 aktiven "Moselfranken"-Pfadfinderschaft Sankt Georg Bernkastel musste der Platz wegen eines Unwetters evakuiert werden.

Hunderte junger Pfadfinder haben auf Einladung der seit 75 Jahren aktiven „Moselfranken"-Pfadfinderschaft über Pfingsten ihre Zelte am Moselufer in Bernkastel-Kues aufgeschlagen. TV-Foto: Ursula Schmieder

Bernkastel-Kues. Wenn Hunderte Jugendliche eine Zeltstadt bevölkern, wird es in aller Regel etwas chaotisch. Glücklicherweise trifft das aber nicht auf die Camper zu, die am Wochenende am Hafen von Bernkastel-Kues ihre Zelte aufgeschlagen haben. Als der Platz am Pfingstsamstag wegen des Unwetters vom DRK-Ortsverein Bernkastel-Kues evakuiert wird, bricht laut Norbert Schmitt von der Pfadfinderschaft Sankt Georg Bernkastel nicht etwa Panik aus unter den rund 800 Teilnehmern. "Eigentlich ist das unser Wetter"

Dabei war ein Mädchen durch herumfliegende Teile verletzt worden. Die Platzwunde konnte allerdings ambulant behandelt werden. Dennoch stellen sich laut Schmitt selbst die Kleinsten geordnet an, um in einen der Busse zu steigen, die binnen kürzester Zeit 600 Sieben- bis 14-Jährige in die Turnhallen des Gymnasiums und der Verbandsgemeinde bringen. Nur die Älteren bleiben vor Ort, um nach dem Rechten zu schauen. Für Profi-Pfadfinder wie Schmitt sind solche Ereignisse nicht allzu ungewöhnlich. "Da haben wir schon anderes erlebt", denkt er etwa an internationale Lager in Norwegen. "Deshalb nehmen wir das gelassen", so Schmitt, der aber dennoch einräumt: "Es hat uns dieses Mal gut erwischt." Der voraussichtliche Totalschaden zweier Großzelte im Wert von 7000 bis 10 000 Euro ist für die Georgspfadfinder schon ein herber Verlust.Als am Morgen nach dem Unwetter alle wieder auf den Platz zurückkehren, rückt das aber erst einmal in den Hintergrund. Schließlich hatten die Bernkasteler vom "Stamm der Moselfranken" an Pfingsten ihr 75-jähriges Bestehen feiern wollen. Das eingespielte Team um Norbert Schmitt ist im Grunde ein Familienbetrieb. Schon Vater und Onkel der Brüder Norbert, Klaus und Karl Schmitt waren engagierte Pfadfinder gewesen. Daher scheint es nur folgerichtig, dass auch Norberts Frau Rosi und die Kinder Thomas und Kerstin heute dabei sind. Sogar Schwiegersohn Stefan Schmitt tanzt weder vom Engagement noch vom Namen her aus der Reihe. Norbert, seit 1957 dabei, schätzt bei den Pfadfindern die Freundschaft. Bruder Klaus, 1962 als Wölfling angetreten, hält den Moselfranken allein schon der Jugend zuliebe die Treue. "Was ich erfahren habe durch die Pfadfinderschaft, das will ich auch weitergeben". Laut Neffe Thomas, Lagerleiter und "Stammesführer", haben sich an Pfingsten Teilnehmer aus Spanien, Italien, Luxemburg, England, Österreich und den Niederlanden getroffen. Die weiteste Anreise habe wohl eine Gruppe aus Tirol gehabt. Dass das Wetter an Pfingsten nicht immer mitspielt, ist für Onkel Klaus nicht neu: "Eigentlich ist das unser Wetter."Immerhin hatte sich die Sonne bei der offiziellen Eröffnung alle Mühe gegeben. Begleitet von der Bernkasteler Bürgerwehr haben weit gereiste Gäste zum Jubiläum gratuliert. Landrätin Beate Läsch-Weber würdigt die "hervorragende Lebensschule", die Fairness, Gemeinschaftssinn und Selbstdisziplin lehre. Pfadfinder zu sein, bedeute viel mehr als Abenteuer oder "Pfade zu finden". Für Verbandsbürgermeister Ulf Hangert ist das soziale Engagement "im Geist des Begründers" nach wie vor aktuell. Zwar seien die Werte nicht mehr selbstverständlich, aber mehr denn je unverzichtbar. Stadtbeigeordneter Wolfgang Pastor spricht von 90 Prozent der Bernkasteler Jugendlichen, die Pfadfinder gewesen seien. Das Engagement des "wertvollen Vereins" reiche von den ersten Mittelaltermärkten über das große Zeltlager auf der Bärenhalde bis zur Gründung des Fanfarenzugs "Landshuter Ritterschaft" oder der Gruppe des Herolds.