Keine Pause im Fachhandel

Vielleicht ist es ein Luxusproblem. Dreiviertel des Jahres brummt die Stadt Bernkastel-Kues. Im Winter fällt da die Diskrepanz natürlich auf. Dabei laufen nicht alle Geschäfte im Sparmodus. Die Inhaber betreiben dann Kundenpflege.

Bernkastel-Kues. Die genauen Zahlen liegen erst nächste Woche vor. "Doch es steht bereits fest: 2015 war von den Gäste- und Übernachtungszahlen her das bisher beste Jahr für die Stadt Bernkastel-Kues und die Verbandsgemeinde", sagt Jörg Lautwein, der Leiter des Mosel-Gäste-Zentrums. Das heißt: Es gab mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen.
Davon profitieren nicht nur Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Restaurants sondern auch der Einzelhandel. Der muss in der Urlauberhochburg Bernkastel-Kues noch einmal unterteilt werden: in den Fachhandel und in die Geschäfte, die in großem Maße von Urlaubern und Tagesgästen leben.
Letztere haben im Winter zumindest zeitweise geschlossen. Frank Hoffmann, Vorsitzender des Werbekreises, hat dafür Verständnis. "Im Winter brauchen wir keine Geschäfte, die Schlüsselanhänger mit dem Bild der Burg anbieten", sagt er. Denn es fehle die entsprechende Klientel. Für Hotels, Restaurants und Cafés gilt das auch. Dort haben Besitzer/Pächter und Personal nach einer langen Saison, manchmal ohne Ruhetag, mal eine längere Pause nötig.
Diese Auszeiten gönnt sich der Fachhandel nicht. Es gibt eine Reihe von Geschäften (Mode, Schuhe, Schmuck, Bücher, Optik, Kosmetik etc.), die keine Winterruhe kennen. Natürlich sei die Stadt im Winter wesentlich weniger frequentiert, berichten Waltraud Griebler (Modegeschäft Zeitlos) und Elisabeth Kunze (Modegeschäft Novita). Gerade dann könne ein Abstecher nach Benkastel-Kues aber Sinn machen.
Geschultes Personal


"Wir haben dann mehr Zeit für die Leute und haben auch viele Stammkunden", sagt Waltraud Griebler. Beide Geschäftsfrauen setzten in dieser Zeit auch auf Aktionstage, zu denen Modenschauen gehören. Die Stärke in der Stadt sei, dass in vielen Fachgeschäften auch die Inhaber selbst am Ort des Geschehens sind, heben sie hervor. So entstehe eine besondere Kundenbindung. "Und wir haben geschultes Personal", betonen sie.
Uneingeschränkt positiv sei, dass die Märkchenaktion des Werbekreises bis Ende Januar läuft. "Das haben wir gemacht, weil so lange auch die Eisbahn noch geöffnet hat", erläutert Frank Hoffmann.
Uneinheitliche Öffnungszeiten


Angedacht war auch den Januar über in einem Zelt auf dem Karlsbader Platz in größerem Stil Winter-und Auslaufware zu verkaufen. Die Kosten für Zelt und Beheizung hätten die Händler übernehmen müssen. "Das war zu teuer", sagt Waltraud Griebler. Das heiße nicht, dass es eine solche Aktion in Zukunft nicht geben könne, sagt Frank Hoffmann. In der nächsten Mitgliederversammlung werde über eine mögliche Anschubfinanzierung durch den Werbekreis geredet.
Ein kurzer Rundgang durch die Stadt macht allerdings den Schwachpunkt deutlich: die Öffnungszeiten - fünf Geschäfte, fünf unterschiedliche Spannen. Von 10 bis 18 Uhr, von 11 bis 17 Uhr, von 10 bis 15 Uhr und so weiter. "Daran müssen wir arbeiten, wir brauchen zumindest Kernöffnungszeiten", sagt Frank Hoffmann.
"Wenn wir das hinbekommen und auch mehr Aktionen bieten, bin ich sicher, dass wir die Wintermonate beleben können." Und wenn dann auch noch ein Café mehr aufhabe, sei das auch von Vorteil, sagt Elisabeth Kunze. Derzeit habe im Stadtteil Bernkastel nur eines geöffnet und das sei zeitweise überlaufen.