Keine Rettung für Schulsozialarbeit in Sicht

Keine Rettung für Schulsozialarbeit in Sicht

Die Schulsozialarbeit an den Grundschulen steht vor dem Aus. Der Grund: Ein Förderprogramm der Bundesregierung läuft aus. Doch der Jugendhilfeausschuss und der Kreistag versuchen, diese Arbeit, die gut angelaufen ist, weiterzuführen. Einen entsprechenden Antrag an die Landesregierung wies diese jedoch zurück. Nun wollen die Eltern eine Petition einreichen.

Wittlich. "Wir arbeiten toll zusammen", sagt die Schulleiterin der Grundschule Morbach, Frauke Lörsch, über die Schulsozialarbeiterin Nicole Weinand-Schweisthal. Ein Projekt der Diplom-Pädagogin ist beispielsweise die Ausbildung von Streitschlichtern. Das habe sich schon deutlich ausgewirkt. "Es gibt viel weniger Streit", sagt Lörscher.
Doch das, was jetzt an den Grundschulen in zwei Jahren aufgebaut wurde, steht möglicherweise schon wieder vor dem Aus. Die Schulsozialarbeit, die zuvor nur an Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen zu einem Drittel vom Kreis und zwei Dritteln vom Land finanziert wurde, konnte 2012 mit den Mitteln aus Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung auf Grund- und Förderschulen erweitert werden.
Der Kreis schaffte 2,67 Sozialarbeiterstellen an Grundschulen, 0,6 Stellen an Förderschulen und 0,5 Stellen zusätzlich an einer Realschule plus. Dass die Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket allerdings von Anfang an auf zwei Jahre begrenzt waren, war bekannt.
Das Land hatte seine Förderung der Schulsozialarbeit für Realschulen plus und IGS zurückgefahren, so dass der Kreis nun auch für Grundschulen Geld aus den Bundesmitteln beisteuern musste. Wie es jetzt weiter- gehen soll, ist noch offen. Aber es gibt viele Bemühungen, die Schulsozialarbeit auch an Grundschulen zu erhalten. Wie Pressesprecher Alfons Kuhnen bestätigt, hat der Kreistag auf Antrag der SPD und der CDU eine Resolution an den Bund und das Land geschickt.
Darin heißt es, dass die Bedeutung der Schulsozialarbeit insbesondere in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe. "Bund und Land sind gefordert, Anschlusskonzepte vorzulegen, die es ermöglichen, die gewonnenen Erfahrungen und Erfolge der Schulsozialarbeit weiterzuführen."
Antwort bisher nur vom Land


Eine Antwort auf die Resolution gibt es bisher nur vom Land. Und die ist wenig vielversprechend: Ministerin Alt bestätigt zwar die Bedeutung dieser Arbeit und verspricht zudem, die Förderung wieder auf den Stand 2011, also vor Einführung der Bundesförderung, aufzustocken. Das heißt aber, dass die Arbeit an den Realschulen plus und den IGS künftig wie vor der Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel vom Kreis finanziert wird. Aber "Leider sieht das Land aufgrund der notwendigen Einsparungen zur Einhaltung der Schuldenbremse keine Möglichkeit, die wegfallenden Bundesmittel aus dem Landeshaushalt zu kompensieren." Im Klartext: Für die Sozialarbeit an den Grundschulen wird es dann kein Geld mehr geben. Betroffen sind sieben Grundschulen mit 3,77 Stellen, insgesamt verteilt auf fünf Schulsozialarbeiterinnen, teilt die Kreisverwaltung mit. Die Gesamtschülerzahl der Grundschulen im Schuljahr 13/14 beträgt 1282.
Derweil versuchen die betroffenen Schulen, die Sozialarbeit weiterzuführen. Wie Martina Steffen, Leiterin der Grundschule Wittlich-Bombogen, auf Anfrage bestätigt, haben die Eltern eine Unterschriftensammlung initiert. Eine Petition an Ministerin Alt wird derzeit vorbereitet. Die Leiter der Wittlicher Grundschulen haben darüber hinaus den Kontakt zum Landrat und zu den führenden Politikern der Parteien aufgenommen.
Auch für Martina Steffen ist die Schulsozialarbeit an Grundschulen unverzichtbar. Sie weist darauf hin, dass viele Kinder auf eine ganztägige Betreuung angewiesen sind. Auch der hohe Migrantenanteil unter den Schülern berge Konfliktpotenzial. "Die Schulsozialarbeiter können als neutrale und vertrauliche Ansprechpartner sowohl für Eltern als auch Kinder zur Verfügung stehen, um zu beraten und zu vermitteln."

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