Keine Spur von Wittlich

WITTLICH. Sie ist handlich, bunt und informativ – die Broschüre, die von Studenten für Studenten die schönsten Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten der Region vorstellt: Trier natürlich, aber auch Prüm, Bitburg, Manderscheid, Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach. Doch keine Spur von der Kreisstadt.

Wer Wittlich für den Nabel der Welt wenn auch der kleinen Städte hielt, erblasst, blättert er durch die bunte Broschüre "Registriert - Wir haben den Plan". Wo ist Wittlich? Nirgends! Nur als Punkt auf dem Maare-Mosel-Radweg ist die Stadt verewigt: Kein tolles Freibad, kein Meistermann-Museum, keine ehemalige Synagoge. Ob Stichwort Natur, Sport, Events, Kultur, oder einfach Orte: Wittlich? Fehlanzeige! Stadtratsmitglied Klaus Petry, der beobachtet hat, wie das Heft "zu Hunderten" in der Uni-Mensa verteilt wurde, hat deshalb an die Stadt geschrieben: "Das Wirtschaftszentrum Wittlich mit dem kulturellen Leuchtturm in Rheinland-Pfalz, dem Georg-Meistermann-Museum, sucht man vergebens!" Die Nichtbeachtung Wittlichs in einer Broschüre, die von Studierenden für Studierende gemacht wurde udn in einer Auflage 10 000 erschienen ist, sollte Konsequenzen haben, so Petry, der die Nichtbeachtung der Stadt als lohnendes Ausflugsziel als Zeigen der "roten Karte" auffasst: "Hier muss Besserung eintreten, sowohl im städtischen, kulturellen Angebotsbereich mit Breitenwirkung, als auch in seiner werbewirksamen Umsetzung." Jedenfalls lässt das, was sie über die Stadt in Erfahrung brachten, die Studenten offensichtlich kalt. Projektleiter Frank Schaal erklärt auf TV-Nachfrage: "Die Broschüre wurde inhaltlich komplett von den Studenten organisiert. Sie haben selbst Prospekte bestellt, zum Teil die Region bereist und evaluiert, was sie interessant finden oder nicht." Die Vorgabe sei gewesen: "Ihr seid selbst die Zielgruppe und müsst herausfinden und auswählen, was in die Broschüre hereinkommt." Die attraktivsten Ziele sollten dann punktuell Geschmack auf die Region machen. Im Internet unter www.trier-unterwegs.de haben die Studenten ihr Projekt dokumentiert. Dort ist nachzulesen, dass sie sämtliche Tourist-Informationen/-Organisationen und -Gesellschaften angeschrieben haben. Nichts für junge Leute dabei

Zu ihrer Erfahrung mit der Mosel-Eifel-Touristik, die die Stadt und die Verbandsgemeinde Wittlich-Land betreut, steht: "Die angeforderten Unterlagen sind nach der ersten Anforderung nicht angekommen. Nach einem weiteren Anruf kamen die Unterlagen nach zwei Tagen an." Sie umfassten: Einkaufen in Wittlich, Broschüre, Rundfahrten, Broschüre; Ausflüge, Broschüre; Kulturinfo, Broschüre; Weihnachtsmarkt, Flyer; Urlaub mit dem Fahrrad, Faltblatt und Veranstaltungen, Faltblatt sowie die Mosellandzeitung. Offensichtlich war nichts für junge Leute dabei. Hans-Georg Metzen von der Moseleifel-Touristik sagt: "Wir bedauern sehr, dass die Region Moseleifel nicht mit aufgenommen wurde. Wir können leider nicht nachvollziehen, nach welchen Kriterien hier eine Auswahl getroffen wurde und würden uns freuen, in der nächsten Auflage vertreten zu sein." Alle Anfragen wurden in kürzester Zeit bearbeitet und versendet. Für die Stadtverwaltung Wittlich nimmt Pressesprecher Ulrich Jacoby Stellung: "Es ist ein Unding, dass im Fachbereich VI Geographie/Geowissenschaften die Stadt Wittlich als solche und die Möglichkeiten, die Wittlich auch im touristischen Bereich bietet, unbekannt sein sollen. Wittlich als das mit Abstand größte Mittelzentrum der Region mit seiner sehenswerten Altstadt und den weit über die Stadt hinaus bekannten Veranstaltungen (Säubrennerkirmes, wechselnde Kunstausstellungen, Jazzclub) darf in einer solchen Broschüre nicht fehlen. Es ist verständlich, dass wir hierüber verärgert sind."

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