Keine Wunderheil-Methode

DÜSSELDORF. Die Delfin-Therapie kann keine Wunder bewirken, aber in vielen Fällen die Entwicklung von Patienten günstig beeinflussen. Das bestätigt Kay Evers, Geschäftsführer von "Dolphin Aid e.V.", ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Düsseldorf und inzwischen rund 300 Mitgliedern.

Wie vielen Menschen hat Ihre Organisation bislang zu einer Delfin-Therapie verholfen?Evers: Seit der Gründung des Vereins Dolphin Aid vor zehn Jahren halfen wir 1400 Menschen bei der Realisierung einer Delfin-Therapie, im vergangenen Jahr waren es allein 349. Die Hilfe Suchenden stammen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den europäischen Nachbarländern. Warum hat sich der Verein gegründet?Evers: Der Sohn unserer Vorstandsvorsitzenden Kirsten Kunert erlitt im Alter von zwei Jahren einen Ertrinkungsunfall. Er konnte reanimiert werden, befand sich allerdings seit der Zeit im Wachkoma. Im Oktober 1995 erwachte er während einer Delfin-Therapie. Was dem Sohn widerfuhr, das soll auch für andere möglich sein, beschloss die Mutter. Was ist das Besondere an einer Delfin-Therapie?Evers: Die Delfin-Therapie ist keine Wunderheil-Methode. Sie ersetzt nicht die Schulmedizin, sondern sie wirkt wie ein Katalysator. Zum Beispiel: Bei einem Kind, das nicht in der Lage ist zu sprechen, bleiben acht logopädische Behandlungen erfolglos. Nach einer Delfin-Therapie von zwei Wochen spricht es die ersten Worte. Und zwar nicht zuerst Mama oder Papa, sondern den Namen des Delfins. Seit wann gibt es diese Therapie und wer hat sie entwickelt?Evers: Die Therapie gibt es seit knapp 30 Jahren. Entwickelt hat sie Dr. David Nathanson, der das Zentrum "Dolphin Human Therapy" (DHT) in Key Largo betreibt. Sie hilft insbesondere bei Patienten, die an Autismus, an Morbus Down leiden oder im Wachkoma liegen, doch auch bei vielen anderen Krankheitsbildern. Aber ich betone: Mit der Delfin-Therapie können wir die Krankheiten nicht heilen. Sind in jedem Fall Verbesserungen zu verzeichnen? Evers: Es gibt natürlich spektakuläre Erfolge, wie die Erweckung von Tim Kuhnert aus dem Wachkoma beweist. Oftmals sind es aber für uns Gesunde kaum merkliche Veränderungen, die aber für die Menschen, die das erkrankte Kind täglich erleben, Quantensprünge darstellen. Insofern gehen wir in jedem Falle von einer Verbesserung der Lebenssituation des behinderten Kindes aus. Sind die Erfolge nachgewiesen?Evers: Wir wissen, dass die Therapie wirkt, aber wir wissen noch nicht warum. Bei einem wissenschaftlichen Symposium in der Universität München wurde 2003 das Ergebnis einer Studie vorgestellt, an der mehr als 140 Patienten teilgenommen hatten. Im Rahmen dieser Studie wurde die medizinische Wirksamkeit der Delfin-Therapie nachgewiesen. Wir sind auch Anlaufstelle für viele Wissenschaftler und Doktoranden. Wegen der Erfolge setzen wir uns dafür ein, dass die Therapie von den Krankenkassen anerkannt und in ihren Leistungskatalog übernommen wird. Wie teuer ist die Therapie?Evers: Als Richtwert für die Kosten geben wir für das DHT in Key Largo rund 12 000 Euro an. Darin enthalten sind neben der eigentlichen Therapie der Aufenthalt für eine vierköpfige Familie, Flug und Leihwagen. In den Genuss der Behandlung kommen im übrigen auch die anderen Familienmitglieder. Denn schließlich ist eine Familie mit einem schwer kranken oder behinderten Kind einer besonderen Belastung ausgesetzt. Wir wollen der ganzen Familie helfen. Daher werden von Anfang an Eltern und Geschwister in den Therapieprozess einbezogen. Bekannt sind diese Therapien vor allem in Florida und Curaçao. Gibt es keine Zentren in Europa?Evers: Mittlerweile gibt es ein zweites Behandlungszentrum in Curaçao, bei dem bei gleicher Konstellation wie in Florida die Kosten mit rund 8500 Euro kalkuliert werden. Leider gibt es in Europa keine Einrichtung, die unseren Zertifizierungsrichtlininen entspricht. Wir würden es aber sehr begrüßen, wenn wir mit einem entsprechenden Partner ein eigenes Therapiezentrum in Europa betreiben könnten. Doch momentan ist das noch nicht der Fall. Wir sind jedoch in Vorbereitung eines Therapiezentrums in Deutschland, das der Rehabilitation zur Vor- und Nachbereitung einer Delfin-Therapie dienen soll. Das Interview führte TV-Redakteurin Ilse Rosenschild.