1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Keines der 700 Handys soll je klingeln

Keines der 700 Handys soll je klingeln

Im Fall eines Amoklaufs sollen Lehrer und Schüler im Landkreis schneller gewarnt, und es soll schneller Hilfe herbeigeholt werden. Deshalb hat der Landkreis rund 700 Notfall-Mobiltelefone für Lehrer angeschafft. Seit einigen Tagen sind die Geräte einsatzbereit.

Wittlich/Bernkastel-Kues. Ob im Keller der Berufsbildenden Schule in Wittlich oder im Chemieraum am Gymnasium Traben-Trarbach oder in einem Klassenraum in der Integrierten Gesamtschule Morbach: Im Fall einer Notlage soll in jedem der rund 1100 kreiseigenen Schulräume Hilfe mit den neuen Notfall-Mobiltelefonen herbeigerufen werden können. Dazu sind unter anderem alle Räume daraufhin untersucht worden, ob dort Handys funktionieren.
Verhaltensregeln für den Notfall



Der Landkreis lässt sich die Ausstattung der kreiseigenen Schulen 125 000 Euro kosten. Ursprünglich sollte das Projekt nur 80 000 Euro kosten. Nach Auskunft der Pressestelle des Landkreises waren bei dieser Summe unter anderem die Kosten für das Ausmessen der Schulräume in Höhe von 22 000 Euro vergessen worden. Wozu das Geld ausgegeben wird, macht Willi Günther deutlich. Er ist Direktor der Berufsbildenden Schule Bernkastel-Kues. In seiner Schule mit rund 70 Lehrkräften und täglich durchschnittlich 800 Schülern hat ein 16-köpfiges Kriseninterventionsteam Verhaltensregeln für den Fall der Fälle vorbereitet.
Günther und seine Kollegen sind froh über die neuen Mobiltelefone, mit denen die Lehrer Alarm geben können. "Das ist eine sinnvolle Ergänzung zu unseren bisherigen Vorkehrungen", sagt der stellvertretende Schulleiter Peter Kampka. Die sehen vor, dass im Fall eines Amoklaufs die Schulklingel eine Minute lang schellt.
Ruhe bewahren, Deckung suchen


In einer Schule, in der das Klingelzeichen abgeschafft wurde, wird das für Aufmerksamkeit sorgen, sind die Pädagogen in Bernkastel-Kues sicher. Dann heißt es, Ruhe bewahren, Deckung suchen und auf die Polizei warten.
Die neuen Mobiltelefone sollen darüber hinaus dafür sorgen, dass im Notfall alle anderen Mitglieder der Schulgemeinschaft sowie die Polizei und andere Behörden informiert werden. "Innerhalb von zwei Sekunden nach dem Drücken des Alarmknopfs klingeln die anderen Mobiltelefone", sagt Günther.
Die Geräte unterscheiden sich von handelsüblichen Mobiltelefonen nur durch einen roten Knopf auf der Rückseite. Wird der lange genug gedrückt, geht die Alarmkette los.
Die Handys werden jeden Morgen an die Lehrer ausgegeben und nach Schulschluss wieder auf einen dafür vorgesehenen Wagen zurückgebracht. Den hat die Kreisverwaltung eigens bauen lassen. Ziel dieser Vorgehensweise ist nach Worten des Direktors, dass keines der Geräte verlorengeht.
Meinung

Gut für das Sicherheitsgefühl
Wären Amokläufer bei klarem Verstand, würden sie sich von Vorkehrungen wie den Notfall-Mobiltelefonen von ihrem Tun abhalten lassen. Doch mit dem klaren Denken ist es nicht so weit her, sonst würden sie nicht Amok laufen wollen. Vor diesem Hintergrund haben die Handys für die Schulen wohl auch den Sinn, ein Sicherheitsgefühl zu erzeugen. Die Vertreter des Landkreises waren offensichtlich dazu bereit, sich dieses Gefühl mehr als 100 000 Euro kosten zu lassen. Das ist ein stolzer Preis vor dem Hintergrund, dass wie in Bernkastel-Kues sich wohl auch alle andere Schulgemeinschaften bereits Gedanken gemacht haben um den Fall der Fälle. Denn spätestens seit Winnenden ist klar, dass es jede Schule treffen kann. Die Mobiltelefone sind deshalb eine gute Idee. Nur vielleicht ein wenig des Guten zu viel. h.jansen@volksfreund.de