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Keltensiedlung zwischen Salmtal und Dreis: Wie man die Spuren entdeckt

Streifzug : Ein Berg, der mehr ist als er scheint

Die Eifel ist einst von Kelten besiedelt gewesen. Doch von deren Kultur und Bauten ist nur noch wenig erhalten. Eine Spurensuche rund um den Burgberg.

Nicht alles, was bemerkenswert ist, ist leicht zu bemerken. Manch Geheimnis erschließt sich erst beim zweiten, dritten, vierten Blick. Oder eben gar nicht. „Wer nicht weiß, wonach er suchen soll, wird keine keltischen Spuren entdecken“, prophezeite uns der Spangdahlemer Hobby-Historiker Günter Leers schon, bevor wir den Streifzug rund um den Burgberg antreten. „Sie können da stundenlang wandern“, sagt der Spangdahlemer, „und trotzdem nichts erkennen.“ Und der Fachmann sollte, so viel sei an dieser Stelle verraten, Recht behalten.

Unsere Wanderung beginnt diesmal an einem unüblichen Ort. Und zwar an der Landstraße 50 zwischen Salmtal und Dreis. Denn dort entspringt einer der vielen Pfade, die den Burgberg hinaufführen. Weil es dort allerdings keine Parkplätze gibt, empfiehlt es sich, das Auto an der Salmtaler Kita abzustellen. Und die paar Meter zu Fuß zurückzulegen. Dann schnell die Straße überquert und ab in den Meulenwald.

Was wir dort suchen, ist diesmal mehr als die kurze Auszeit vom Arbeitsalltag. Kollegin John und ich sind auf der Suche nach den Resten einer keltischen Burg, die dem besagten Berg den Namen gegeben hat. Das Problem: Viel ist von dieser Siedlung nicht mehr übrig.

Gleich zu Beginn des Weges verstehen wir aber schon, warum die Kelten ihre Festung gerade hier errichtet haben. Denn es geht derart steil bergauf, dass sich sicher manch ein Feind abschrecken ließ. Oder beim Angriff schlappmachen musste. Auch wir kommen ordentlich ins Schnaufen auf den endlosen Serpentinen, die sich den Hügel hinauf schlängeln. Kilometerlang folgen wir dem Schild „Aussichtspunkt Burgberg“. Dass Teile des Weges extrem matschig sind und wir mit den Schuhen einsinken, macht es nicht leichter und den Pfad übrigens auch für Kinderwagen nicht komfortabel.

Auch, wer dazu neigt, sich zu verirren, muss vorsichtig sein. Denn die Beschilderung auf dem weitläufigen Wegenetz am Burgberg lässt, gelinde gesagt, zu wünschen übrig. Da kann es schon mal passieren, dass man an einer Gabelung mit vier Abzweigungen steht, und man nicht mehr weiß, wo es langgeht. Dass umgekippte Bäume die Strecke blockieren oder ein Pfad im Nichts endet.

Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken, liebe Leser. Denn wer einmal oben ankommt, wird belohnt. Mit einer grandiosen Aussicht über Salmtal und die Felder, aus denen in der Ferne die Klausener Wallfahrtskirche hervorragt. Sogar zwei Panoramabänke laden zum Verweilen ein. Und wer ganz mutig ist, kann auch über einen etwas versteckten Pfad im Südwesten einen früheren Steinbruch finden. Imposante Sandsteinfelsen ragen dort heute noch aus dem Dickicht heraus. Formationen, wie man sie sonst aus der Teufelsschlucht in der Südeifel kennt. Doch sie sind nicht nur eindrucksvoll, sondern auch geschichtsträchtig.

Hobbyhistoriker Leers erklärt, dass hier im 19. Jahrhundert Steine für den Bau der Mosel-Bahnstrecke geschlagen wurden. Aus dem Sandstein wurde wohl auch der erste Eisenbahntunnel im Moselstädtchen Cochem gebaut. Die Spuren der Kelten sind da schon schwerer auszumachen. Selbst ausgebildete Archäologen haben im 19. und 20. Jahrhundert wohl nicht die wahren Ausmaße der Festung entdeckt, die sich womöglich einmal über weite Teile des Bergs erstreckt hat.

Es ist aber auch kein Wunder. Denn richtige Burgmauern sind keine mehr sichtbar.  Die ehemaligen Befestigungen, konstruiert wohl aus Geröll und Holz, bilden heute nur noch Waldgräben.

Zerstört von den Römern und dann überwuchert, ist der Wall nur noch an den Löchern erkennbar, wo früher die Holzstruktur befestigt war. Allzu gerade Kanten und glatte Plateaus lassen erahnen, wo nicht die Natur, sondern der Mensch im Spiel war. „Die Natur zieht keinen total waagerechten Strich“, erklärt Leers. Hier und da glaubten wir denn auch, Reste der Burg zu entdecken. Wirklich sicher waren wir uns aber nie.

Ein schöner Streifzug war es trotzdem, der sich auch als sechs Kilometer langer Rundweg gehen lässt, indem man vom Aussichtspunkt mit den zwei Panoramabänken wieder rechts den Wald hinunter läuft. Versuchen Sie es doch mal. Und vielleicht kommen Sie den Kelten dabei ja ein Stück näher.

 Kurze Pause nach steilem Aufstieg: Bei so einer feinen Aussicht will man gar nicht mehr aufstehen.
Kurze Pause nach steilem Aufstieg: Bei so einer feinen Aussicht will man gar nicht mehr aufstehen. Foto: TV/Christian Altmayer

Im Sommer wird Günter Leers wieder Vorträge zum Thema Kelten bei den Volkshochschulen in  Speicher und Kyllburg  halten. Die Termine werden noch bekanntgegeben. Zudem plant Günter Leers geführte Wanderungen zu keltischen Relikten in Hosten und Gindorf.