Kinder an der Kelter

ÜRZIG (mü) Entrappen, mahlen, keltern - munteres Treiben herrschte bei der Traubenverarbeitung unter den 33 Kindern und Begleitern der Wuppertaler Waldorf-Schule "Rudolf-Steiner" im Weingut Schnepp in Ürzig.

"Wir pflücken die Trauben von den Stielen ab", erklärt der elfjährige Kevin Bergmann, und fügt hinzu: "Sonst wird der Traubensaft ziemlich bitter". Richtig professionell geht es am Arbeitsplatz im "Weingut von Ürzig" zu. Die Trauben werden entrappt und für die Kelter vorbereitet. "Da kommt er in die Presse, denn da wird der richtige Saft gemacht", sagt Kevin. Insgesamt 33 Kinder der Klasse fünf der Waldorf-Rudolf-Steiner-Schule aus Wuppertal-Barmen sind gemeinsam mit einem Lehrer, sieben Müttern und zwei Vätern nach Ürzig ins Weingut von Karl-Ernst und Fine Schnepp gekommen. "Schuld" ist die zehnjährige Enkelin der beiden, Jana Gladbach, die die Waldorfschule besucht. In der fiktiven Winzergenossenschaft werden die entrappten Trauben der imaginären Weingüter "Von Ürzig", "Steiner", "Ürziger Würzgarten" und "Ürziger Süßwein" gemahlen und gekeltert. Die Kinder reißen sich darum, per Hand die Kelter zu bedienen. Der naturtrübe Saft läuft langsam in den Behälter. "Auf der Apfelwiese haben wir schon Äpfel und Birnen geerntet und Saft daraus gemacht", schwärmt Jana. Genau wie sie findet die elfjährige Viktoria Gofferje die Idee sehr gut: "Es macht riesigen Spaß." Für ihren Vater Manfred ist es eine völlig neue Erfahrung. "Bislang habe ich Wein nur getrunken, das war immer sehr angenehm", sagt er und lacht. Und Mutter Ute Begemann meint: "Wir haben uns förmlich darum gerissen, mitzukommen." Die Erntehelfer schlafen auf dem ehemaligen Heuspeicher in Schlafsäcken. "Wir haben uns dick eingemummelt und mit Wollmütze gepennt", erzählt Mutter Ursula Gladbeck lachend. Fine Schnepp sei die allerbeste Köchin, lobt Thomas Ploch, Lehrer der Rudolf-Steiner-Schule. "Sie hat lauter gute Sachen für uns gekocht, die wir nicht mal aussprechen können", und schwärmt dabei von "Mählkließ" und "Gräwes". Interessant und abwechslungsreich waren die drei Tage an der Mosel allemal. Mit Karl-Ernst Schnepp durften die Kinder Traktor fahren. "Das gefällt denen", sagt er mit einem verschmitzten Lachen. Zur Traubenlese für alle Kinder habe es zwar nicht gereicht, aber es wurden gerade so viele Trauben gelesen, dass "die Kinder entrappen, Maische machen und selbst Süßmost für den eigenen Verzehr machen konnten", sagt er. "Es war richtig schön und erlebnisreich!", freut sich auch Thomas Ploch, der sich überrascht von der Landschaft an der Mosel zeigt. Ploch ist die "Urbildlichkeit der Verrichtungen" wichtig, weil es zugleich bildend und erziehend sei. Klar, die Kinder hätten im Klassenzimmer vom Weinbau gehört. Aber wichtiger sei das "Hineinstaunen - das ist eine Sache, die den Kindern eigen ist".

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