Kinder regen zum Nachdenken an
"Wir brauchen Verständnis in der Öffentlichkeit", sagt die Bundesvorsitzende der Deutschen Heredo-Ataxie- Gesellschaft (DHAG), Marina Stüber. Unter dem Motto "Räder, die bewegen" hat sie für Kinder eine Bobbycar-Führerscheinprüfung organisiert, an der 15 Malborner Kinder teilnahmen. So sollte auf eine seltene Krankheit und die Betroffenen aufmerksam gemacht werden.
Malborn. (doth) Bei der 35-Jährigen brach die Krankheit 1998 aus. Seitdem ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Sie steht der DHAG mit Sitz in Stuttgart seit 2004 vor. "Mit der Aktion des Bobbycar- Führerscheins für Kinder will ich zeigen, wie aktiv Behinderte sein können, und dass sie durchaus in der Lage sind, für die Gesellschaft Nützliches zu leisten", begründet die gelernte Erzieherin ihre Idee.
Es geht dabei um mehr Sicherheit für die Kleinen auf ihren Miniautos. In einer "Fahrstunde" absolvierten die Sechs- bis Elfjährigen einen Parcours, auf dem sie den Gleichgewichtssinn trainierten und zeigten, wie gut sie Hindernissen ausweichen können. Danach gab's das begehrte Dokument mit Stempel, Foto und Unterschrift. Außerdem bekam jeder Führerscheinneuling Süßigkeiten und einen Luftballon. Bei der Organisation und dem Aufbau halfen Stübers Ehemann Franz- Josef und Sohn Jonas (8). Paul Lukas Weinig aus Malborn ist begeistert: "Ich finde das cool. Jetzt habe ich es schriftlich, dass ich Bobbycar fahren kann". Jan Schmitt erklärt: "Ich sammle solche Führerscheine. Das hier ist mein fünfter."
Susanne Nguyen, Mutter von Führerscheinneuling Dustin, findet die Aktion gut: "Damit kann man wunderbar auf die Situation von Behinderten aufmerksam machen." André Lein, Vater von Teilnehmerin Lucy-Sophie, hält die Aktion für perfekt: "So wird ein Anliegen erst einmal publik, und die Menschen werden für diese seltene Krankheit sensibilisiert."
Die Eltern nahmen Infoblätter mit, in denen über die Krankheit, die sich in mangelnder Koordination und fehlerhaftem Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen äußert, informiert wird.
Rund 1000 Mitglieder hat die DHAG bundesweit. Es ist also eine sehr seltene Krankheit, und deshalb auch wenig erforscht. Erschwerend kommt hinzu, dass Ärzte nicht selten "Multiple Sklerose" bei den Betroffenen diagnostizieren. Außerdem gibt es eine hohe Dunkelziffer bei dieser Erbkrankheit, die nicht immer ausbricht. Marina Stüber kommt gut in ihrem Leben klar. "Ich bin in meine Familie eingebettet, die mir umfassend hilft", sagt sie und unterschreibt weiter fleißig Bobbycar-Führerscheine.
Extra Die DHAG-Bundesvorsitzende Marina Stüber gibt unter Telefon 06504/ 2004 gerne Auskunft. Der Bundesverband hat seine Geschäftsstelle in der Hofener Straße 76 in 70372 Stuttgart und ist unter Telefon 0711/5504644, Fax 0711/8496628, E-Mail dhag@ataxie.de und im Internet unter www.ataxie.de zu erreichen.