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Kinder- und Jugendpornografie auf dem privaten Rechner haben einem 82-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land eine Anklage vor dem Amtsgericht eingebracht.

Justiz : Pornos auf dem Heimcomputer - 82-Jähriger aus der VG Wittlich-Land vor Gericht

Kinder- und Jugendpornografie auf dem privaten Rechner haben einem 82-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land eine Anklage vor dem Amtsgericht eingebracht.

Der Angeklagte erscheint mit seinem Verteidiger Oliver Gipp und zudem mit seinem Sohn. „Ich hätte auch etwas zu der Sache zu sagen“ erklärt der Sohn gleich zu Beginn, woraufhin er von Richterin Silke Köhler als Zeuge belehrt wird. Dann hat Oberamtsanwalt Thomas Grawemeyer mit der Anklage das Wort. Dem Rentner wird der Besitz und Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie vorgeworfen. Auf seinem heimischen Rechner seien mindestens 40 kinderpornografische und 45 jugendpornografische Dateien – Fotos und Videos – gefunden worden.

Ob er sich dazu äußern wolle, fragt die Richterin. Der Angeklagte will sprechen und geht gleich in die Offensive. „Ich weiß nicht genau, wie das auf meinen Rechner kam. Ich habe die Dateien direkt in den Papierkorb (Computer-Löschprogramm) gezogen“, sagt der Rentner. Er wisse, dass der Besitz solchen Materials strafbar sei und würde so etwas nie auf seinen Rechner legen und schon gar nicht weiterleiten.

Dann richtet sich der Fokus auf eine nicht anwesende Frau X, eine Arbeitskollegin der Ex-Frau des Angeklagten. Die war eines Tages mit einem USB-Stick ihres Mannes zum Sohn des Angeklagten gekommen und hatte ihn gebeten, da „mal reinzuschauen“. Sie vermute, dass sie ihr Mann betrüge und noch andere Dinge treibe. Vielleicht verrate der Inhalt des Datenspeichers etwas.

Der Angeklagte: „Als sie den USB-Stick dann in den Rechner eingeführt haben, bin ich mit den Enkeln vorsichtshalber nebenan in die Küche gegangen.“

Der Sohn schildert den Vorgang  aus seiner Sicht: „Ich habe erst abgelehnt, dann den Stick doch eingeführt und den Ordner geöffnet. Da waren halt Sauereien drauf. Wollte nichts damit zu tun haben und bin auch nicht weiter drauf eingegangen.“ Den Stick habe Frau X wieder mitgenommen.

Danach zog der Angeklagte nach eigenen Angaben den Ordner in den Papierkorb seines Rechners. Die Sache sei damit erledigt, habe er gedacht. Was aber viele nicht wissen: In den Papierkorb gezogene Dateien sind nicht wirklich vernichtet, sondern bleiben zunächst auf der Festplatte, bis sie später bei Speicherplatzbedarf überschrieben werden. Und an dem Punkt kommt die bisher einzige Zeugin dieses Verfahrens – eine Bekannte der Frau X – ins Spiel. Ihr gegenüber habe X den Verdacht geäußert, dass der Angeklagte noch eine Kopie des Stick-Inhalts auf seinem Rechner aufbewahre. Den Stick selbst soll Frau X im WC runtergespült haben. Die Zeugin schaltete die Polizei ein, die dann den Rechner und das Smartphone des Angeklagten unter die Lupe nahm. Das Smartphone war sauber, doch ein Experte der Polizei fand auf der Festplatte des Rechners die besagten Dateien und der Stein kam ins Rollen.

Ein schriftliches Gutachten des Computerexperten liegt vor – doch es kommt an diesem Verhandlungstag nicht mehr zum Tragen. Stattdessen stellt Oberamtsanwalt Grawemeyer den Antrag, den Experten und Frau X als Zeugen zu hören. Das halten auch Richterin Köhler und Verteidiger Gipp für sinnvoll. Nur der Termin macht Probleme, denn der Computerfachmann scheint sehr gefragt zu sein. Dann wird das Verfahren vorläufig vertagt. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Es kann August oder sogar September werden.