Kinderbeuern sagt Nein
Kinderbeuern · Die drei Alftalgemeinden Bengel, Kinderbeuern und Bausendorf ziehen in vielen Dingen an einem Strang. Doch jetzt schert Kinderbeuern aus. Der Grund ist eher banal. Die Gemeinde verweigert dem Gewerbeverein Alftal das Anbringen von eigens angeschafften Plakatanhängern für Lichtmasten. Die beiden anderen Orte haben kein Problem damit.
Kinderbeuern. Es geht um 70 mal 90 Zentimeter große Mastanhänger, Marke "Hangfix". Sie dienen dazu, Papierplakate an einem Mast oder einer Laterne zu präsentieren. Der Gewerbeverein Alftal, in dem Einzelhändler und Handwerker aus den drei Gemeinden Bausendorf, Kinderbeuern und Bengel organisiert sind, will solche Anhänger im Alftal anbringen. "Damit können wir attraktiv werben und verhindern ein wildes Plakatieren", sagt Gewerbevereinsvorsitzender Robert Müller. Man habe sich Gedanken gemacht und "eine umweltverträgliche und optisch ansprechende Lösung gefunden". Für Mitglieder des Gewerbevereins ist der Service kostenlos. Aber auch andere Ortsvereine und die drei Gemeinden sollen, wenn sie ihre Werbeplakate für Veranstaltungen in die Vorrichtung stecken, nichts bezahlen. Zurzeit wirbt an den Straßenleuchten Robert Müller für sein Möbelhaus.
Rund zwei Dutzend Stück Hangfix befinden sich inzwischen an den Laternenmasten entlang der B 49 - in Bausendorf und Bengel, aber nicht in Kinderbeuern. Der Gemeinderat hat dies abgelehnt. Warum - das will Ortsbürgermeister Heinz Christen nicht sagen und verweist auf den Beschluss in nichtöffentlicher Sitzung. Und wie steht er selbst zu dem Ansinnen des Gewerbevereins? Christen: "Eine persönliche Stellungnahme gebe ich dazu nicht ab."
In einem Schreiben der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf an den Gewerbeverein heißt es: "Die zur Diskussion gestellten Mastanhänger verunstalten nach Meinung des Ortsgemeinderates Kinderbeuern das Gesamtbild der B 49. Die Bestückung ist umständlich." Außerdem werde die Werbewirksamkeit eines nur 0,63 Quadratmeter großen Plakats entlang der Bundesstraße infrage gestellt.
Der Kinderbeuerner Unternehmer Reinhold Raskob, Mitbegründer des Gewerbevereins im Januar 2001, ist über den Ratsbeschluss ziemlich verärgert und sagt: "Das ist sehr frustrierend. Ich bin sehr enttäuscht und frage mich, ob die Arbeit im Gewerbeverein Alftal noch Sinn macht."
Bengels Ortsbürgermeister Walter Debald ist für die Initiative des Gewerbevereins. "Das ist besser, als wenn überall wild plakatiert wird. So sieht das ordentlich aus."
Alles genau nach Vorschrift
Die Werbeaufhänger entsprechen übrigens den zahlreichen Vorschriften. Geregelt ist unter anderem "die lichte Mindesthöhe über dem Gehweg bis zum Plakat" (2,50 Meter), die maximale Größe der "Windangriffsfläche" (0,6 Quadratmeter) und die Verwendung ausschließlich korrosionsbeständiger Materialien. Und: "Die Befestigung muss mit einem Kantenschutz versehen sein, um Beschädigungen der Leuchtträger zuverlässig zu verhindern."
Die Verbandsgemeinde hat dazu auch die Genehmigungen der Straßenverkehrsbehörde und des RWE eingeholt.