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Kindertagesstätte Maring-Noviand hat nun eine eigene Gruppe im Wald

Erziehung : Matschen, toben, lernen – Kita Maring-Noviand hat neue Gruppe im Wald

Die Natur hat schon lange eine große Rolle im Konzept der Kindertagesstätte Maring-Noviand gespielt. Die Vorschulkinder haben nun eine eigene Gruppe im Wald. Es ist die einzige in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Ein paar Kinder schleppen einen Ast aus dem Wald auf die Lichtung unterhalb der Noviander Schutzhütte und balancieren darüber. In Windeseile stellt sich fast die gesamte Gruppe der Füchse an dem neuen Spielgerät auf, um es auch zu probieren. Ein Junge hält ein Mädchen an der Hand und hilft ihr so, das Gleichgewicht zu halten.

Die Erzieherinnen Sabine Oster und Kerstin Simon sehen sich das Spektakel an. „Hier kommt keine Langeweile auf“, sagt Kerstin Simon. Auch wenn sich in der neuen Waldgruppe der Kindertagesstätte Sonnenbaum in Maring-Noviand praktisch keine gekauften Spielzeuge finden, die Fünf- und Sechsjährigen finden immer wieder etwas, womit sie sich beschäftigen können. Drei Jungen und zwei Mädchen haben in einer Schüssel Erde und Wasser zu einem dünnen Brei vermischt. Zweige dienen als Pinsel, mit denen sie ihre „Farbe“ auf eine Schieferplatte malen. „Kinder lernen durch ihr Spiel, durch ihr Tun. Das hier ist eine tolle Erfahrung für sie“, erklärt Kerstin Simon.

Seit knapp einem Jahr sind die angehenden Schulkinder der Gruppe „Die Füchse“ im Wald. „Wir haben alle Jahreszeiten mitgemacht“, erzählt Kerstin Simon. „Mit der Kleidung steht und fällt alles“, ergänzt ihre Kollegin Sabine Oster. Die muss funktionell sein und muss auch dreckig werden dürfen. „Wenn die Kinder so richtig eingematscht sind gibt es ja Waschmaschinen“, sagt sie lachend. Auch wenn es mehr zu waschen gebe, „die Eltern sind begeistert.“ Wenn die Kinder abends nach Hause kommen, sind sie dreckig, müde und haben immer viel zu erzählen.

Letztendlich hat Corona den letzten Ausschlag für die Etablierung einer Waldgruppe in der Maring-Noviander Kita geführt, erzählt Ortsbürgermeister Klaus Becker. Die Kita ist die einzige der 18 Einrichtungen in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues mit permanenter Waldgruppe. In der Natur zu lernen ist schon seit 2005 ein großes Thema in Noviand, ergänzt Kita-Leiterin Andrea Klink. Regelmäßige Ausflüge in den Wald und eine Waldwoche der gesamten, momentan von 65 Kinder besuchten Kita einmal im Jahr gehörten seitdem dazu.

Seit des ersten Corona-Lockdowns im vergangenen April wurde die Idee einer festen Waldkindergartengruppe vorangetrieben, erzählt Klaus Becker. Hintergrund war laut Andrea Klink auch, dass man den künftigen Schulkindern, die als geschlossene Gruppe im Wald sind, trotz Corona ermöglichen wollte, ihr letztes Kindergartenjahr möglichst komplett zu absolvieren. Mit Buchstaben und Zahlen machen sich die Kinder vertraut, indem sie Holzstücke legen. Die Anlaute werden zusammen mit den Baumarten gelernt: „B“ bei Buche, „F“ bei Fichte.

Ihren ersten Herbst und Winter haben die 15 Waldkinder nun hinter sich. Einen mittleren vierstelligen Betrag habe die Ortsgemeinde als Träger investiert. Hauptsächlich, um Strom-, Wasser- und Telefonleitungen in das Freiluft-Domizil am Noviander Hüttenkopf zu verlegen. Die Schutzhütte und ein Container können bei schlechtem Wetter genutzt werden.

Aber eigentlich spielen die Kinder immer draußen. Ein Mädchen klettert auf einen der großen Steine, die auf der Lichtung stehen und springt auf den weichen Waldboden. „Das macht mir am meisten Spaß“, sagt es lachend und klettert wieder hoch.