Kindertagesstätten bieten auch Eltern ein Zuhause

Trier · Es ist ein bundesweites Pilotprojekt: Kindertagesstätten in Wittlich, Trier, Hermeskeil, Niederprüm und Gillenfeld (VG Daun) sollen auch zum Lebensmittelpunkt für die Eltern werden und ihnen Hilfen für den Alltag bieten.

Trier. Im Elterncafé diskutieren die Mütter über Masern und Windpocken, am Mittagstisch lernen sie die Freunde ihrer Sprösslinge kennen, und im Anschluss bietet ein Berater des Jugendamtes eine Sprechstunde an. So könnte der Tag in einer der fünf Kitas in der Region Trier aussehen, die am neuen Projekt Mittel.Punkt - die Familienkitas teilnehmen. Mit dabei ist unter anderem die städtische Kindertagesstätte (Kita) Bombogen in Wittlich.
Das Programm, das derzeit anläuft, hilft den Einrichtungen, ihr Angebot weiterzuentwickeln und die Kinder so gut wie möglich zu fördern. Gemeinsam mit Eltern sowie beispielsweise Vereinen und Grundschulen gestalten sie Bildungsprojekte und schaffen Unterstützungsangebote für Eltern wie Beratung, Koch- und Sprachkurse. "Denn wir wollen mit dem Angebot alle Mütter und Väter erreichen, auch solche, die besonderer Unterstützung bedürfen", erklärt Carolin Schmidt von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, unter deren Federführung das Projekt läuft, zusammen mit der Nikolaus-Koch-Stiftung. So sei die Kita in Bombogen unter anderem ausgewählt worden, da viele Kinder mit Migrationshintergrund sie besuchen und die interkulturelle Kommunikation gefördert werden soll.
"Viele Eltern kommen mit ihren Problemen zu den Erziehern", berichtet Schmidt.
Angebote wie die Schuldnerberatung daher in die Kita zu holen, könne helfen und die Wege verkürzen. Nach Erfahrung von Claudia Justen, Leiterin der Kita in Bombogen, öffnen sich viele Eltern - gerade solche mit einem anderen kulturellen Hintergrund - eher im vertrauten Umfeld der Kita.
Eines der Ziele ist, die Eltern in Workshops über die Entwicklung von Kindern und gesunde Ernährung zu informieren. "Dabei steht das gemeinsame Erleben mit den Kindern im Vordergrund."
Die katholische Kindertagesstätte Emmaus in Gillenfeld will zudem Logopäden oder Ergotherapeuten einladen, um Therapiemöglichkeiten anzubieten. Zudem können Eltern am Mittagessen teilnehmen - künftig vielleicht auch Senioren.
"So lernen die Eltern die anderen Kinder und die Kinder andere Eltern kennen", erklärt Kita-Leiterin Erika Werner. Zum Konzept gehören außerdem Elterncafés, in denen sich Mütter und Väter austauschen können. "Die Eltern sollen sich ebenso wie die Kinder hier zuhause fühlen."
Die fünf Kitas erhalten je bis zu 2000 Euro. Zudem werden sie von Praxisbegleitern unterstützt und nehmen an Fortbildungen teil. Auf halbjährlichen Netzwerktreffen tauschen die Pädagogen der Mittel.Punkt-Einrichtungen ihre Erfahrungen aus. Die Pilotphase läuft bis Ende 2011, eine Verlängerung ist anvisiert.

Teilnehmer: Integrative Kindertagesstätte Leuchtturm Trier, städtische Kindertagesstätte Wittlich-Bombogen, katholische Kindertagesstätte Adolph Kolping in Hermeskeil, katholische Kindertagesstätte St. Marien in Prüm-Niederprüm, katholische Kindertagesstätte Emmaus in Gillenfeld. uq