Kirchenvorplatz von St. Markus in Wittlich soll umgestaltet werden

Bauprojekt : Eingriff am Herzen der Stadt

Der Kirchenvorplatz von St. Markus in Wittlich soll erneuert und dabei umgestaltet werden. Zwei Varianten sind im Gespräch und dabei ein barrierefreier Durchgang zwischen Kirch- und Karrstraße.

Mit einem sensiblen und dem – aus der Geschichte der Stadt gesehen – wahrscheinlich historisch bedeutendsten Platz der Säubrennerstadt hat sich der Bauausschuss der Stadt Wittlich in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt: Es geht um die Umgestaltung des Vorplatzes der katholischen Kirche St. Markus im Herzen der Stadt. Das zwischen Kirch- und Karrstraße gelegene Areal sei in die Jahre gekommen und an der Grenze zur Verkehrssicherheit, sagte Lothar Schaefer, Werkleiter der Stadt Wittlich. Deshalb hat der Bauausschuss das Büro BGH-Plan beauftragt, einen Vorentwurf zur Neugestaltung zu erarbeiten. Christoph Heckel, Geschäftsführer BGH-Plan, stellte dem Gremium erste Skizzen für die Neugestaltung vor. „Der bauliche Zustand ist mangelhaft. Die Stufen sind kaputt und das Pflaster abgenutzt. Deshalb besteht zur Wahrung der Verkehrssicherheit Handlungsbedarf“, lautete auch Heckels Einschätzung. Nun stelle sich die Frage, sagte Schäfer, „ob man ihn nochmal so baut, wie er ist, oder baut man ihn anders?“ Wie Bürgermeister Joachim Rodenkirch anmerkte, könne man mit der Städtebauförderung des Landes dabei eventuell einen großen Wurf landen. „Bei der Ausarbeitung eines Vorentwurfs haben wir uns gefragt“, so Heckel, „wie das Zusammenspiel zwischen Kirchenvorplatz, Kirch- und Karrstraße aussehen könnte.“ Insbesondere die derzeitigen Höhenunterschiede des Platzes zu den beiden flankierenden Straßen fordert die Planer heraus. Zur Kirchstraße sind es 110 Zentimeter und in Richtung der Karrstraße beträgt der Höhenunterschied vom Kirchplatz über die Treppen hinab zur Straße gar 2,2 Meter. „Im ersten Entwurf und der Planungsvariante Nummer eins haben wir den Ansatz verfolgt, direkt unten zu bleiben. Dabei könnte ein barrierefreier Durchgang zwischen Karrstraße und Kirchstraße entstehen. Vor der Kirche solle so ein relativ kleiner Kirchvorplatz, der auf einem Sockel neben dem Durchgang liegen und mit Sandstein verkleidet werden soll, entstehen. Auf diesem rund einen Meter hohen Sockel komme der Kirchenvorplatz, obwohl er dabei deutlich kleiner würde, besser zur Geltung. Ihr Gotteshaus sollen die Kirchgänger dann über einen barrierefreien Zugang von der Kirchstraße her erreichen. Neben dem Fußgängerdurchgang entstehe mit dem Kirchenvorplatz auf dem Sockel somit ein „geschützter Bereich, der den Kirchgängern vor und nach den Messen als Gesprächsort dienen soll. Der Sockel vor der Kirchtür werde etwa drei bis vier Meter breit. Rodenkirch: „Ich würde sagen, die Kirche bekommt dadurch eine herausragende Position.“

Bei der zweiten von BGH-Plan erarbeiteten Variante würde die Größe des Kirchenvorplatzes in der aktuellen Dimension erhalten bleiben. Rampen von der Karr- und Kirchstraße würden die Treppenstufen ersetzen und als Aufgänge zum Kirchplatz dienen. Einen Durchgang zwischen Karr- und Kirchstraße sieht diese zweite Planungsvariante nicht vor. Sie fand in der Diskussion des Bauausschusses nur wenige Befürworter: „Ich würde dafür tendieren“, sagte Stephan Lequen (Grüne), weil nur dann ein Platz entsteht. Bei der ersten Variante verliert der Kirchplatz, weil er zur Verkehrsfläche verkommt.“ Ein Pfarrfest würde sich auf einem schmalen Kirchplatz auf einem Sockel nicht mehr darstellen lassen, meint Lequen. Michael Scheid (FWG): „Ich würde mich für die zweite Variante entscheiden, denn sonst verkommt der Kirchenvorplatz zur Durchgangsfläche.“
Die Ausschussmitglieder von CDU und SPD sprachen sich jedoch größtenteils für die Variante mit Zweiteilung, einem Durchgang im Unterbereich und einem Vorplatz oberhalb auf einem Sockel, aus. „Ich tendiere zur ersten Variante, da sie die Kirche besonders hervorhebt und die Durchlässigkeit zwischen Kirch- und Karrstraße ist auch sehr gelungen“, sagte Jan Salfer, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Joachim Gerke von der SPD erklärte, er wolle in dieser Angelegenheit dem Bürgerwillen folgen, „aber die zweite Variante finde ich langweilig und Nummer eins dagegen pfiffig, wobei ich mir auch eine gebogene Mauer entlang des Sockels des Vorplatzes vorstellen könnte“. Horst Kirch (SPD): „Die zweite Variante mit großer Fläche ist langweilig und macht keinen Spaß. Die kleinteilige Gestaltung des ersten Vorschlags bietet mehr Gelegenheiten für Gespräche vor und nach dem Kirchgang.“

Foto: Christian Moeris. Foto: TV/Christian Moeris

Einen Entschluss fasste der Bauausschuss noch nicht, da man sich erst in der Vorplanung befindet. Bürgermeister Rodenkirch bedankte sich bei den Ausschussmitgliedern für das erste „Stimmungsbild“. Die Gestaltung des Vorplatzes solle in Absprache mit der Kirchengemeinde und den Bürgern, die in einem Workshop Ideen einbringen sollen, weiter vorangebracht werden. Rodenkirch: „Wir wollen einen Konsens mit der Kirchengemeinde finden und durch die Bürgerbeteiligung ein völlig transparentes Verfahren, in dem der Bürgerwille Beachtung findet.“

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