Kirmes-Klassiker wieder zu haben

Wittlich · 1950 wurden sie erfunden und für Kirmes-Traditionalisten ein Muss: Die Säubrenner-Plaketten. Erst rund und hölzern, dann auch mal aus Kunststoff oder gar Pappe, mal in Wappenform, mal eckig baumelten die Plaketten zum Volksfest im August am Revers, bis in den 90er Jahren die Tradition einschlief. Gerhard Schleidweiler wagte 2007 eine Neuauflage mit Erfolg.

Lila, Rot und Braun sind die Farben der Säubrennerkirmes-Plaketten. Der Verkaufserlös ist für Wittlicher Kindergärten bestimmt. TV-Foto: Klaus Kimmling

Wittlich. Es gibt sie nur in Wittlich und nur im Sommer. Sie passen in Hosentasche oder Geldbeutel, gehören aber ans Revers des traditionsbewussten Besuchers der Wittlicher Säubrennerkirmes: die klassischen Plaketten zum größten Volksfest der Region. 2500 Stück gibt es in diesem Jahr: tausend rote, tausend braune und 500 in Lila.
Eine Art Erkennungszeichen


"Wittlicher Säubrennerkirmes 2011" ist in Goldschrift auf die hölzernen runden Scheibchen mit Kordelloch und Schnürchen gedruckt. Mittendrauf hängt ebenso gülden ein Schweinepaar kopfüber über einem Feuerchen: Das ist in Miniatur das klassische Motiv zum langen Festwochenende im August, das einst Hanns Scherl geschaffen hat und das meterhoch auch die Fahnen schmückt, die viele Wittlicher alljährlich hissen.
Ähnlich sind die gut sichtbar getragenen Plaketten eine Art Erkennungszeichen des sozusagen inoffiziellen Kirmes-Fan-Clubs und nicht nur Souvenirs, sondern auch Sammlerstücke geworden.
Dass es die seit fünf Jahren wieder jeden Sommer gibt, ist Gerhard Schleidweiler zu verdanken, der 2007 erstmals wieder 3000 Plaketten auf eigene Faust herstellen ließ und für den guten Zweck unters Kirmesvolk brachte: Die Idee kam an, der erste Erlös ging an Wittlichs vier Kindergärten, denn seither dient die Aktion den jüngsten in Wittlich und Umgebung. Zuletzt wurde das Kinderhaus Sonnenschein unterstützt, 2011 werden es die Kindertagesstätte Lüxem und der Flußbacher Kindergarten sein.
Es gibt die Plaketten in Schleidweilers Haarstudio Gerhaard in der Himmeroder Straße, wo auch Fleischerei Illigen und Äschatskaul beim Verkauf mithelfen. Ebenso sind die "Kirmes-Taler" im Alten Rathaus, Salon Krebs, Carpe Diem, Vinothek, Wäscherei Krämer und bei Ursula Dümler erhältlich. Ein Stück kostet zwei Euro, drei kosten fünf Euro. An der Kirmes selbst, die am Freitag, 19. August, beginnt, kann man sich noch an den Ständen der Wittlicher Winzer mit der aktuellen Ausgabe eindecken. Rund 2100 Euro konnte Gerhard Schleidweiler seit 2007 im Durchschnitt jedes Jahr spenden, immer kam das Geld Kindern zugute. Er selbst ist längst privat ein begeisterter Sammler der historischen Stücke und Fan der Kirmes sowieso. Dabei hat er einen Motiv-Favoriten: "Das schönste war das gelbe, wappenförmige mit rotem Aufdruck von 1967", sagte er anlässlich seiner ersten Wiederauflage 2007. Damals ließ er auf gut Glück 3000 Stück in Rot, Blau und Grün herstellen und setzt seither jedes Jahr auf farbliche Abwechslung zum Beispiel das erstmalige Lila. Warum? Ganz einfach: "Weil es eine Modefarbe ist." sos