Klangvolumen mit Möhrenbündel

PIESPORT. Mit einer festlichen Glockenweihe und dem öffentlichen Anschlagen des neuen Geläutes hat die Piesporter Pfarrei St. Michael am Wochenende das Ende ihrer glockenlosen Zeit gefeiert.

In ihr endgültiges Zuhause konnten die fünf neuen Glocken zwar noch nicht einziehen, denn die Sanierung des Glockenturmes der Piesporter Pfarrkirche St. Michael wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch hielt das neue Geläute in einer feierlichen Glockenweihe bereits offiziell Einzug. Am Fuß des Altar-Raumes in massiven, aufwändig geschmückten Gerüsten hängend, zeigten sich die Glocken von ihrer besten Seite. Und das in einer festlich herausgeputzten Kirche, in der sich die Vesper-Besucher bis zur Eingangstür drängten. Eine der fünf Glocken, die ihrer Größe nach den Heiligen Michael, Maria, Sebastian und den zwölf Aposteln, Franz Xaver und Donatus sowie Anna geweiht sind, weist eine Besonderheit auf, wie Pfarrer Matthias Biegel erläuterte. Die Erzengel-Glocke ist 1900 Kilo schwer und hat einen Durchmesser von 151 Zentimetern. In Erinnerung an einen auf die Zeit des 30-jährigen Krieges zurückreichenden Streit, bei dem es um die Nutzung einer Viehweide ging, ziert sie auf der Rückseite ein Bündel Möhren. Es ist ein Sinnbild für die anschließenden Querelen der Dörfer Emmel, Müstert und Piesport, bei denen der Anbau von Möhren eine wesentliche Rolle spielte. Die Streitereien brachten den Piesportern den Namen "Mortepänz", versuchsweise übersetzt mit Möhren-Durchtriebene, ein.Selbst Zweijährige schlagen zu

Verständlich daher, dass es die Kirchgänger beim abschließenden öffentlichen Anschlagen der Glocken verstärkt zu den Möhren zog. Selbst Zweijährige wie Sebastian und Hannah nutzten die Gelegenheit. "Ich bin am Glockenhauen", rief Hannah begeistert ihrer Oma zu und tat dabei ihr Bestes, jedem Klangkörper einen Ton zu entlocken. Die Harmonie der Glocken hatte zuvor Glockengießer Hermann Schmitt erklärt, indem er einem der bronzenen Schwergewichte Prime, Quinte, Terz und Oktave entlockte. Dabei vergaß er nicht das Engagement der Piesporter Bürger zu erwähnen, die ihm in Brockscheid beim Holz machen und Ausgraben der Glocken geholfen hatten: "So was habe ich auch noch nicht erlebt." Neben der aktiven Hilfe hatten die Gläubigen auch nicht mit Spenden geknausert, so dass - abgesehen von etlichen größeren Beträgen - die beiden kleineren Glocken komplett von der Frauengemeinschaft sowie dem Heimat- und Wanderverein gestiftet wurden. Er sei schon beim Guss der kleinsten Glocke dabei gewesen, erzählte Jörg Trönsmann. Auch die noch nicht lange zurückliegende Weihe einer Glocke im Nachbarort Minheim hatten sich wie Monika Welter aus dem Ortsteil Niederemmel viele nicht entgehen lassen. Neben der Weihe hatte Helga Frankenberger das Gießen einer Glocke im August vorigen Jahres direkt vor der Kirche beeindruckt. So etwas hatte sie zum ersten Mal erlebt. Die Weihe von Glockengeläuten wie in Piesport ist selten. Bei den fünf Glocken von St. Michael handelt es sich, wie Bruder Michael, Glockensachverständiger vom Bistum Trier, erläuterte, um das größte zusammenhängende Geläut an der Mosel."Glocken waren noch nie so billig"

"Es gibt nur wenige Geläute, die klangtiefer sind", betonte er. Eine Gefahr, dass der Beruf des Glockengießers einmal aussterben könnte, sieht der Sachverständige nicht. Sicher, vor 150 Jahren habe es viele Glockengießer gegeben. Aber nur wenige hatten davon gelebt, obwohl sie von einem Geläute wie diesem mitunter drei oder vier Jahre ihr Auskommen sicher hatten. Zu dem aktuellen Anschaffungspreis von im Schnitt etwa zehn Euro pro Kilogramm sagte Bruder Michael: "Glocken waren noch nie so billig wie heute."

Mehr von Volksfreund