Klavierspiel als Königsdisziplin, Mikrofon als Lehrer
Berlin/Wittlich · Der Musiker Christoph Adams stellt am Samstag, 12. Dezember, im Casino Wittlich ab 20 Uhr auf Einladung des Jazzclubs seine neue CD in einem Solo-Konzert vor. Er wird überwiegend Standards interpretieren.
Berlin/Wittlich. Warum das Mikrofon ein "wunderbar erbarmungsloser Lehrer" sein kann und was das live spielen für ihn bedeutet: Darüber spricht der aus Wittlich stammende Musiker Christoph Adams im TV-Interview. Die Fragen stellte Redakteurin Sonja Sünnen. Der Musiker spielt, das Publikum hört: Was ist denn wohl ein besonderer Live-Moment, und zwar wie zu dem Konzert angekündigt in einer Bar-Piano Atmosphäre? Was könnte im Casino in dieser Hinsicht Feines passieren?Christoph Adams: Eine Live-Situation ist immer etwas anderes als eine Aufnahme, weil man ja nur einen Versuch hat. Ein Konzert ist auch etwas anderes als eine Situation in einer Bar. Einmal werden alle Nuancen exponiert, das andere Mal werden sie unter Umständen verschluckt, weil es zu laut ist. Es kommt aber auch vor, dass die Leute irgendwo hingehen um eigentlich ein bisschen zu plaudern oder ein Bier zu trinken, dann aber still werden und der Musik zuhören. So etwas ist natürlich eher selten, ich mag aber am meisten, wenn die Leute unkonditioniert sind. Letztendlich sind das alles aber nur äußere Kriterien, die zwar einen Einfluss haben, jedoch einen sekundären. Ausschlaggebend ist die Intention des Musikers, der spielt. Die Ernsthaftigkeit und Integrität des Musikers macht den Inhalt der Musik aus. Und dieser versucht natürlich die äußeren Umstände so weit wie möglich auszublenden, um sich auf des Wesentliche zu konzentrieren, was natürlich nicht immer gelingt. Aber ob Aufnahme, Konzert oder Hintergrund, man sollte doch versuchen, das Bestmögliche rauszuholen, die Intention sollte doch immer die gleiche sein.Ein Song, der die Welt umspielt hat, der als Standard gilt, den noch einmal sich anzueignen und wieder neu freizugeben: Wonach haben Sie ausgewählt von den anderen, was haben Sie selbst dazugetan?Adams: Oje, da müsste ich jetzt weit, weit ausholen. Mal sehen, ob es auch ohne geht. Es geht mir nicht darum, mir etwas anzueignen und neu freizugeben, sondern eher darum, etwas im Wesen zu erfassen und darüber in real time zu reflektieren. Klare, sinnige Gedankengänge zu durchdenken, das ist Identität genug. Neues herstellen zu wollen halte ich nicht für einen guten Ansatz. Ich lehne mich an, so wie das jeder macht, der weiß, was er tut. Und vielleicht gelingt es mir ja hier und da einmal eine kleine neue Perspektive anzubieten. Ich habe während der vergangenen Jahre das Glück gehabt, regelmäßig Solo Piano zu spielen und mich aufnehmen zu können. Etwas, das ich früher in Wittlich schon gemacht habe, dann aber lange Zeit keine Gelegenheit mehr dazu hatte. Es gibt in meinen Augen keinen besseren Lehrer als das Mikrofon. Es ist wunderbar erbarmungslos. In dem Zusammenhang habe ich festgestellt, dass es wichtig ist, sich klar zu machen, wobei man sich am besten fühlt. Ich musste mir eingestehen, dass ich, wenn ich alleine am Klavier sitze, seit jeher am liebsten Standards spiele und nicht meine eigenen Stücke. Eigentlich keine neue Erkenntnis, nur dachte ich früher, irgend etwas würde da nicht stimmen bei mir. Heute ist mir das egal. Der ,Smokin' Piano Joint', so wie dieses Projekt heißt, das in dem Zusammenhang entsteht, soll eine Serie von Einspielungen werden, an denen ich meine Entwicklung beobachten will. Angefangen habe ich vor zwei Jahren. Davon musste ich mich ein Jahr sofort ins Trainingslager schicken. Darüber hinaus habe ich viel experimentiert, wie man einen Flügel am besten mikrofoniert. "Songin' Along” heißt die erste CD der Reihe, bei der die Auswahl der Stücke, wie der Titel vermuten lässt, keine Bedeutung haben. Es sind Stücke, die mir über die Jahre gute Weggefährten waren. Die nächste und übernächste CD, die schon fast fertig sind, werden jedoch unter einem Motto stehen. Wie ist es mit der Stimme als Instrument … werden Sie im Casino auch singen?Adams: Leider ist der ,Smokin' Piano Joint' auf das Klavier beschränkt. Das wird jetzt wahrscheinlich viele Leute dazu bewegen, doch lieber zu Hause zu bleiben. Aber so ist es nun mal. So gerne ich auch singe, Stücke schreibe und mit anderen Leuten spiele, ist doch das Klavierspielen meine persönliche Königsdisziplin und mein Zugang zur Musik.Vielleicht fällt Ihnen ja auch dazu was ein: Wäre Wittlich, die Heimat, ein Lied …?Adams: Ich werde auf jeden Fall mal ein Lied über Wittlich schreiben. Ich hab auch schon die ein oder andere Idee. Vorher muss ich aber noch ein paar andere Sachen abarbeiten. sosExtra
Der gebürtige Wittlicher Christoph Adams lebt mittlerweile in Berlin. Der 50-Jährige arbeitet als Jazz Pianist, Sänger, Komponist, Arrangeur, Band Leader und Protagonist eigener Projekte. Neben Jazz hat er sich mit lateinamerikanischer, brasilianischer Musik und auch zeitgenössischer Pop Musik auseinandergesetzt. In seinem aktuellen Solo Projekt ,Smokin' Piano Joint' gehe es ihm, so ein PR-Text, "einfach nur um den schlichten Versuch, gute Songs improvisatorisch gut zu erschließen." Wer will, überzeugt sich davon im Casino Wittlich.sos