Klein, aber alles andere als abseits des Geschehens

Klein, aber alles andere als abseits des Geschehens

RORODT. Der Blick in kleine Gemeinden kann aufschlussreich sein. Wie sehr, stellt das 51 Einwohner zählende Rorodt unter Beweis. Dessen Bürger praktizieren seit mindestens 175 Jahren eine erfolgreiche, gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Und sie gehen mit der Zeit, was die eigene Internet-Präsenz und die fortschrittliche Pflanzenkläranlage zeigen.

Der kleinste Ort in der Verbandsgemeinde Thalfang übt auf Ansiedlungswillige eine auffällige Anziehungskraft aus. In den vergangenen Jahrzehnten hat es schon einige in das nahe der Bundesstraße 327 gelegene Rorodt gezogen. Daher gesellen sich zu den 51 Bürgern, die in dem Dorf ihren festen Wohnsitz haben, fast zehn mit einem Nebenwohnsitz.Viele Neubürger kommen aus großen Städten

Zum Beispiel die Düsseldorferin, deren Eltern schon in den 60ern aus Mannheim her kamen. Oder der bereits ebenso lang mit dem Ort verbundene Jagdpächter. Andere Neubürger kommen aus Frankfurt, Köln oder Saarlouis. Was alles in allem dafür spricht, dass Rorodt irgendwie doch mitten drin und keineswegs abseits des Geschehens liegt. "Wenn wir auch klein sind - wir liegen relativ zentral", stellt Bürgermeister Hermann Klein fest. Auch von der Verkehrsanbindung her sei das Dorf "nicht aus der Welt". Bus-Anbindungen, die in anderen Gemeinden oft zu wünschen übrig lassen, sind in Rorodt laut Klein super. Als eine der zwölf Gemeinden, die vor 175 Jahren den Zwölf-Gemeindewald ersteigerten, hat der Ort selbst weder Kirche oder Friedhof noch Schule oder Kindergarten. "Das ist alles in Thalfang", erklärt der Bürgermeister.Selbst die Märker Kirmes sei immer "die Kirmes der ganzen Mark" gewesen. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte es zwar mal eine schulische Loslösung von Thalfang gegeben. Doch war dies nur vorübergehend. Stattdessen hat das Dorf einen eigenen Glockenturm, dem derzeit eine Generalsanierung bevorsteht. Und neuerdings eine eigene Pflanzenkläranlage. Diese wird modernsten Anforderungen gerecht und lohnt sogar einen Besichtigungs-Abstecher. Auch medientechnisch zeigt Rorodt sich absolut zeitgemäß. Verfügt die Gemeinde doch dank eines ihrer Neubürger über eine eigene Internet-Seite. Das nächste Projekt, das die Gemeinde angehen wird, ist die Erneuerung des etwa 20 Jahre alten Bushaltehäuschens. "Bei der letzten Baumaßnahme von Straße und Kanal wurde es versetzt, und das ist ihm nicht so gut bekommen", erläutert Klein.Realisierbar sind solche Vorhaben in erster Linie dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Bürger. Aktuell geht auf dieses Konto die im vorigen Jahr durchgezogene Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses in der ehemaligen Schule. "Das haben wir alles in Eigenleistung gemacht", betont der Bürgermeister stolz. Zusätzlich sind an Geldern um die 15 000 Euro geflossen. Mittel, die der "Zweckverband der 12 Gemeinden des ehemaligen Amtes Tronecken" beisteuerte.Gemeinschaftshaus in Eigenleistung renoviert

Die 60 Sitzplätze des Hauses werden laut Klein vor allem bei runden Geburtstagen, dem Heckenfest oder dem "Deuselbach-Rorodter-Treffen" benötigt. Bei der Ausrichtung dieses Festes wechseln die beiden Gemeinden sich jährlich ab. Im Keller des Dorfgemeinschaftshauses haben die Jugendlichen sich vor Jahren einen Jugendraum ausgebaut. Neben der innerdörflichen Gemeinschaft halte die Jugend vor allem zu Riedenburg, Wolzburg und Deuselbach Kontakt. Einziger Verein im Ort ist derzeit die Freiwillige Feuerwehr. "Die sind sehr engagiert, da haben wir im Moment eine starke Truppe", lobt der Bürgermeister die Floriansjünger.Zum Einkaufen oder dem Arztbesuch orientieren sich die Bürger in zwei Richtungen. Die Leute würden zum Teil in das acht Kilometer entfernte Thalfang, zum Teil zehn Kilometer nach Morbach fahren, so Klein. Ebenso neutral gehen die Rorodter die anstehende Bodenordnung an. Nach Aussage des Bürgermeisters wird die Flurbereinigung begrüßt. Diejenigen, die damit zu tun haben, hätten 100prozentig zugestimmt.

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