Klein, aber international

SEHLEM. 2008 wird Sehlem genau 1000 Jahre alt. Der expandierende Ort im unteren Salmtal überlegt, wie das Jubiläum gebührend gefeiert werden kann.

Sehlem - ein Ort expandiert. 1906 waren es 530 Bewohner, heute sind es 840. Besonders im zu Ende gehenden 20. Jahrhundert hat sich die Einwohnerzahl merklich erhöht. Nun sind die Sehlemer aufgerufen, zur Gestaltung des 1000-Jahr-Jubiläums im Jahre 2008 ihre Ideen einzubringen. Ortsbürgermeister Norbert Mehrfeld will bei einem Bürgertreffen am kommenden Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus erfahren, wie sich die Sehlemer die Gestaltung des Jubiläums vorstellen, und wer Interesse an einer Mitarbeit hat. "Wir wollen es angehen, mal schauen, wie die Reaktion ist", so der Ortsbürgermeister im Gespräch mit dem TV. Die 1000-jährige Ortsgeschichte liest sich durchaus spannend. Sie beginnt mit der ersten schriftlichen Erwähnung als "Seleheim" im Jahr 1008. Erst zweieinhalb Jahrhunderte später erscheint Sehlem erneut in der Geschichtsschreibung: 1250 hatten die Herren von Esch das Patronatsrecht in der Pfarrei Sehlem, also das Recht, den Pfarrer zu benennen. Sehlem war über Jahrhunderte hinweg ein Teil der Herrschaft Esch beziehungsweise Teil des späteren kurtrierischen Amts Esch. Kirchlich lief es umgekehrt. Die Pfarrei Sehlem war zuständig für die Escher Gemeindemitglieder, wie dem Pfarrvisitationsprotokoll von 1569 zu entnehmen ist. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Pfarrei Sehlem die Orte Esch sowie (bis 1803) die Filialen Dörbach und Salmrohr. Die Kirche erwies sich als zu klein. Ein Neubau folgte 1581.Neue Kirche mit altem Turm

250 Jahre später waren die "Seitenmauern dieses Kirchenschiffes stark ausgewichen, und das Kreuzgewölbe drohte trotz jüngerer Strebpfeiler einzustürzen". Die alte Pfarrkirche wurde 1837 abgerissen und die jetzige gebaut, wobei der Turm von 1581 erhalten blieb. Der Ort Sehlem kam 1684 zum kurtrierischen Amt Wittlich. 1785 wird der Ort wie folgt beschrieben (Auszug): "Sehlem liegt 1/2 Stunde von Salmrohr im Escher Tal, ist 80 Häuser stark, hat einschließlich Waldungen einen Gemarkungsumfang von etwa vier Stunden, gleichwohl wenig gutes Ackerland. Entlang dem unterhalb des Ortes vorbeifließenden Salmbach liegen beträchtliche Wiesengründe. Die Gemeindewaldungen sind in gutem Stande." Interessant an diesem Bericht sind die Hinweise, dass Sehlem gewissermaßen international agieren musste. Denn das Dorf lag im Kurtrierischen, damals ein souveräner deutscher Kleinstaat, während große Teile der Gemarkung zum Herzogtum Luxemburg gehörten, das bis an die Salm, teilweise bis an die Lieser reichte. Daher dann auch der Hinweis: "Durch den Ort zieht die Straße in das Luxemburgische und ist da eine Zollstation." Der Bericht geht auch auf finanzielle Probleme ein. "Die Einwohner sind sehr verarmt und mit Schulden belastet. Der Mangel an eigenen Ländereien und die hohen Pachtabgaben tragen zwar zu diesem Umstand bei, doch ist auch die Trägheit und Nachlässigkeit bei mehreren die Hauptursache. Die Gemeinde ist überdies mit schweren Fronden belegt." Dies hat sich zwei Jahrhunderte später enorm gewandelt. Sehlem ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und expandierte sowohl von der Einwohnerzahl wie auch von der Ansiedlung gewerblicher Betriebe und Dienstleistungsunternehmen. Allein in den 1990er Jahren vergrößerte sich das Gewerbegebiet zwischen dem Ortskern und dem Bahnhof zusehends, so dass zwischen dem Dorf selbst und dem am Waldrand liegenden Bahnhof eine beinahe geschlossene Bebauung entstand.