Kleiner Kämpfer mit großem Willen

Wenn eine Nachricht ein ganzes Leben verändert: Lucas Hoewer aus Wittlich leidet an Leukämie. Den Kampf gegen die Krankheit hat er tapfer aufgenommen, und er hofft darauf, endlich wieder richtig toben zu können.

Sie halten fest zusammen: Familie Hoewer ist seit Lucas' Krankheit noch fester zusammengewachsen. TV-Foto: Constanze Junk

Wittlich. "Ich wünsche mir einen Tag, an dem ich alles machen und essen darf, was ich will", sagt Lucas Hoewer. Seit dem 30. Oktober 2007 steht die Diagnose, die sein ganzes Leben verändert hat, fest: Leukämie, Hochrisiko-Gruppe. Bereits sechs Behandlungs-Blöcke der Chemo-Therapie hat der 13-jährige Junge aus Wittlich hinter sich. Die Behandlung schlägt gut an. Ein zweimonatiger Zusatzblock und 24 Bestrahlungen folgen.

Alles hat mit einem harmlosen Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt angefangen. Lucas hatte geschwollene Lymphdrüsen. Als sich diese nach einer zweiwöchigen Antibiotikum-Behandlung nur noch verschlimmert hatten, suchte Mutter Anette mit ihm den Hausarzt auf. Bereits am nächsten Tag kam die Krebs-Diagnose. "Ich habe das erst nicht geglaubt", sagt Lukas rückblickend. "Ich dachte, ich doch nicht." Noch am selben Tag musste Lucas ins Trierer Mutterhaus, bekam nur sechs Tage später die erste Chemo-Therapie. In den ersten Monaten seiner Krankheit hieß es noch, er müsste eine Knochenmarkspende bekommen. Eine passende Spenderin war schnell gefunden: Schwester Joline. Aber bisher war die Spende nicht nötig.

Im Unklaren über seine Krankheit hat man Lucas im Krankenhaus nicht gelassen. Er hat alles anschaulich erklärt bekommen. Der 13-Jährige weiß Bescheid, was mit seinem Körper passiert. Er kennt alle Gründe für fallende oder steigende Werte und kann jeden Ablauf der Behandlung nachvollziehen. "Die Angst zu sterben, habe ich jetzt noch", erzählt er. Aber Lucas kämpft - und weiß seine Familie als sicheren Halt im Hintergrund. Täglich versucht seine Mutter, für ihn da zu sein. Hat sie keine Zeit, besucht ihn sein Vater. Sie sind stolz auf die Willenskraft ihres Sohnes. "Ich weiß nicht, wo er die Kraft hernimmt", sagt seine Mutter.

Die Quelle für seine Kraft sieht Lucas genau bei ihr und dem Rest seiner Familie. "Sie geben mir Halt." Besonders sein älterer Bruder Markus, der seit seinem fünften Lebensjahr an Mukoviszidose leidet, hilft ihm, mit der Krankheit umzugehen.

Von seinen alten Schulkameraden interessiert sich niemand mehr für Lucas. "Sie ignorieren mich", erzählt der Junge, "und haben mir geschrieben, meine Krankheit sei ansteckend." Aus der Schule hat er nur noch Kontakt mit seiner ehemaligen Lehrerin, die ihn zu Hause unterrichtet hat, so oft es ging. Auch wenn ihm der Einzelunterricht viel Spaß bereitet hat, so hofft er, im nächsten Februar wieder die Schulbank drücken zu können. Doch was Lucas noch wichtiger ist, ist einfach mal wieder ausgelassen "draußen rumflitzen" zu können - wie früher.