Klinik: Zwei Millonen Euro Gewinn

Rund 19 500 Menschen waren 2010 als Patienten im Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich. Die Klinik an zwei Standorten ist großer Arbeitgeber im Kreis und die Adresse für alle, die medizinische Hilfe brauchen. Der Stadtrat Wittlich hat den Großbetrieb nun besichtigt.

Bernkastel-Wittlich. Der eine schiebt ihn, der andere sitzt im Rollstuhl. Beide nicken belustigt den Damen und Herren zu, die ihnen den Weg frei machen: Die Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter fallen auf, als sie sich im Krankenhaus-Eingang sammeln. Erste Erkenntnis der Lokalpolitiker: Die Einrichtung hoch über Wittlich zieht viele Menschen an: Der Besucher-Parkplatz ist fast voll.

Kein Wunder bei den Fakten, die ihnen dann Krankenhausdirektor Peter Schon, der seit Januar von der Controllerin Ulrike Schnell unterstützt wird, präsentiert: Rund 19 500 Fallzahlen, sprich Patienten, zählte die Einrichtung 2010 plus die unbekannte Zahl der Besucher. Die bekannten Zahlen des Großbetriebs sprechen für sich, bewusst sind sie den meisten nicht (siehe Extra). "Das ist ja einer der größten Arbeitgeber", merkt ein Stadtrat an, der vielleicht zuvor eher an Dr. Oetker, Dunlop & Co gedacht hat, wenn es um den Wirtschaftsstandort Wittlich geht. Doch die Stadt ist auch "Gesundheitsstandort" sozusagen. Was in der Regel jeder als selbstverständlich begreift, dass die Kreisstadt eine moderne Klinik hat, ist das nicht.

Riesenproblem ist der Fachkräftemangel



Peter Schon zeigt Balkendiagramme von den Jahren 2002 (Start des Verbundes mit Bernkastel-Kues) bis 2010. Jeder Laie sieht: um 2004 schrumpfen die Balken fast aller Abteilungen: weniger Patienten, sprich geringere Fallzahlen. Unter anderem Folge der Doerfert-Affäre: Der Trierer Ex-Manager der Caritas-Träger-Gesellschaft (ctt) hatte Geld veruntreut, dem Ruf der ctt-Kliniken geschadet.

Peter Schon nimmt kein Blatt vor den Mund: "Damals war die Situation nahe an der Zahlungsunfähigkeit." Jetzt stimmen die Zahlen wieder, dank einer erfolgreichen Strategie: Spezialisieren, Schwerpunkte aufbauen und kooperieren, etwa mit dem Brüderkrankenhaus in Trier.

Der Ärztliche Direktor, Chefarzt Thomas Zimmer, Innere Medizin, teilt mit. "Bei dem, was wir anbieten, können wir uns zum Teil mit Universitätskliniken messen."

Ein Beispiel für die Qualitätssteigerung durch Vernetzung besichtigen die Stadträte: das Herzkatheterlabor, das allein 820 000 Euro gekostet hat. "Ich hab' mit dem Herzen nix zu tun, noch", sagt ein Stadtrat, nachdem allen kurz und präzise erzählt wurde, wie dort Patienten am Herz behandelt werden.

Auch die Klinik selbst wird untersucht. Sie ist neben drei weiteren landesweit ausgesucht für ein Modellprojekt, erklärt Krankenpflegedirektor Joachim Mohr nicht ohne Stolz. Geprüft wird, welches Personal welcher Berufsgruppen wie optimal eingesetzt werden kann, um die Prozessabläufe zu verbessern, denn: "Ein Riesenproblem ist der Fachkräftemangel bei Ärzten und Pflegern."

In Wittlich finden sie ein modernes Haus. Chefarzt Thomas Zimmer startete den Rundgang mit einer ausladenden Geste: "Hier sehen Sie gleich die 14 Millionen Euro-Investition." Ein Teil davon trägt zu wieder guten Fallzahlen bei: Die neue Schlaganfall-Einheit hatte 537 Patienten im Jahr 2010.

Weitere Infos unter www.verbund-krankenhaus.deExtraDas Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich hat 1313 Beschäftigte, davon 830 Vollzeitkräfte. Die Personalkosten 2010 schlugen mit 44,17 Millionen Euro zu Buche, die Sachkosten mit 22,77 Millionen Euro. Bei einem Umsatz von 70,21 Millionen Euro betrug der Gewinn rund zwei Millionen Euro. Insgesamt hat die Klinik 513 Betten, davon 412 in Wittlich und 101 in Bernkastel. Seit 2002 arbeiten die beiden Standorte als Verbund. Neu ist eine intensive Kooperation mit dem Trierer Brüderkrankenhaus. Investitionen der Vergangenheit in Wittlich: 750 000 Euro (Eigenmittel) für die zentrale Patientenaufnahme 2005, und von 2005 bis 2009 14,6 Millionen Euro (12,46 Millionen Euro vom Land, Rest Eigenmittel) für einen Operationstrakt, die Intensivabteilung mit Schlaganfalleinheit (Stroke-Unit), Zentralsterilisation, Aufwachraum. Zuletzt gab es zwei Millionen Euro vom Konjunkturprogramm II ergänzt durch 500 000 Euro Eigenmittel für den neuen internistischen Funktionsbereich mit Herzkatheter-Labor.