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König bestimmt die Vorfahrt auf der Mosel

König bestimmt die Vorfahrt auf der Mosel

Es war Sache des preußischen Königs und wurde als "Allerhöchste Kabinetts-Order" bezeichnet. Das Ausweichen der Schiffe auf der Mosel und die Engstellen im Raum Bernkastel sind 1836 per Amtsblatt geregelt worden.

Bernkastel-Kues. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen unterzeichnete am 18. Februar 1836 eine Verordnung über das "Ausweichen der Schiffe auf der Mosel" mit Bekanntgabe derjenigen Flussstellen, wo das Ausweichen "beim Auf- oder Abwärtsfahren stattfinden soll". 1836 war die Mosel ein naturnahes Gewässer, schmaler als heute, das nicht eigens für die Erfordernisse des Schiffsverkehrs ausgebaut war. Das kam erst im 20. Jahrhundert. Daher gab es viele Stellen im Mosellauf, die so eng oder so seicht waren, dass zwei Schiffe nicht aneinander vorbeifahren konnten.

DORF GESCHICHTE(N)



Der Anhang zur Kabinetts-Order listet diese Stellen für die Moselteile auf, "deren beide Ufer" zu Preußen gehörten. Das waren im Regierungsbezirk Trier zwischen Wasserbillig und Reil insgesamt 24 (siehe Extra).

In diesen Engstellen kam es häufig zu Auseinandersetzungen über das Vorfahrtsrecht, wie die Kabinetts-Order berichtet: "Um den bisher oft vorgekommenen Streitigkeiten über das Ausweichen der Schiffe auf der Mosel vorzubeugen", erachtete es der König für nötig, ein hochoffizielles Regelwerk mit neun Paragrafen zu erlassen. Bereits in Paragraf 1 kam man zur Sache: Vorfahrt hatte das zu Berg fahrende Schiff. Diese Regel galt nur, wenn "sich die Schiffsführer ansichtig werden, ehe eins der beiden Schiffe sich innerhalb der engen Fahrstelle befindet." Ist aber bereits ein Schiff in der engen Fahrstelle, egal ob zu Berg oder zu Tal fahrend, hat das andere Schiff zu warten.

Seinerzeit gab es noch keine Dampfschiffe auf der Mosel und erst recht keine motorgetriebenen Gefährte. Die Schiffe wurden getreidelt, indem Pferde mittels langer Leinen vom Ufer aus die Schiffe zogen. Dies verursachte beim Aneinandervorbeifahren zweier Schiffe kein Problem, weil die Leinen jeweils vom anderen Ufer aus gelegt waren. Aber beim Überholen waren die Leinen im Weg. Daher regelte die Kabinettsorder auch diesen Fall, indem Paragraf 2 sagt, dass stromaufwärts fahrende, langsamere Schiffe beim Überholtwerden die Leinen fallen lassen müssen und "die vom Ufer entferntere Bahn zu suchen" haben. Damit war sichergestellt, dass der Überholende seine Leinen weiterhin benutzen konnte. Viele weitere Ausnahmen von den Grundsatzregeln wurden bekannt gegeben. Als wenige Jahre später Dampfschiffe auf der Mosel eingesetzt wurden, erließ die Bezirksregierung eine neue Regelung zum Überholen. Diese wird vom TV in einer der nächsten Dorfgeschichten veröffentlicht.

EXTRA

ENGSTELLEN



Engstellen im Mosellauf zwischen Trittenheim und Reil waren 1836 laut Kabinetsorder "am Layenberg unterhalb von Trittenheim, auf Zweibächen unterhalb Neumagen, längs dem Dorfe Müstert, an den Inseln gegenüber dem Dorfe Wintrich, an Dusemond, längs Lieser, der Graacher Kellerei gegenüber, längs Altmachern, längs Ürzig, am Kripsorth unterhalb Kinheim, an den Enkircher Leyen und bis an das Dorf Kewenig und an den Reuler Layen unterhalb dem Dorfe Reul (Reil)" ger