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Königin und Fürstin beim Moselweinbautag

Weinbau : Leibhaftige Fürstin adelt den Moselweinbautag

Mehr als 500 Besucher hören in Bernkastel-Kues unter anderem Neues zum Thema Pflanzenschutz. Ein besonderes Projekt erfährt eine Ehrung durch die Vereinten Nationen.

Es ist nicht so, dass die Gesichter der Winzerinnen und Winzer von Sorgenfalten durchzogen sind. Aber wenn die einen Wunsch frei hätten, wäre der ganz eindeutig und existenziell: „Mal wieder ein schönes Gemisch beim Wetter, wenige Extreme und damit auch weniger schlaflose Nächte“, sagt Andrea Thielen aus Minheim. „Kein Wetter wie im Jahr 2017“, sagt Werner Rosch aus Leiwen. „Keinen Frost, keinen Hagel aber genügend Wasser“, fügt er an. „Einfach mal wieder normales Wetter“, sagt Mario Schwang aus Piesport.

Das Wetter und seine Auswirkungen ist eines der wichtigsten Themen beim Moselweinbautag 2018 in Bernkastel-Kues. Ein extremes Jahr mit frühem Austrieb, späten Frösten, zu viel Trockenheit und zu viel feucht-warmer Hitze liegt hinter den Winzern. Der September war kühler als im Durchschnitt. Für die Winzer war das gut. „Das Wetter hat uns vor schlimmeren Folgen bewahrt“, sagt Eric Lentes, Pflanzenschutzexperte beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR). Der Klimawandel schreite voran. Die Folgen seien nicht kalkulierbar. Man müsse zum Beispiel auch in Zukunft mit früheren Ernten rechen als bisher geglaubt. Sätze wie „ich war noch nie vor Oktober in der Traubenlese“ oder „ich fahre im September noch in Urlaub“ müssten Vergangenheit sein. „Das Zeitfenster wird immer kleiner“, ergänzt Kollege Markus Scholtes. Moselweinbaupräsident Rolf Haxel spricht vor 500 Zuhörern von einem „extremen Jahr 2017“ mit besonderen Dimensionen: der frühesten Ernte seit vielen Jahren und einer historisch niedrigen Erntemenge.

Wie immer beim Moselweinbautag sind auch  Weinmajestäten vor Ort: Weinkönigin Kathrin Hegner aus Waldrach und eine ihrer Prinzessinnen, Alina Scholtes aus Trittenheim. Sie haben ihr Amt nur auf Zeit. Da sieht bei Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn anders aus. Sie ist eine richtige Fürstin vom Rhein. Was macht sie auf dem Weinbautag? Sie ist  Botschafterin der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Dekade für biologische Vielfalt.

Die Region Mosel ist darin mit dem Projekt „Steillagenweinbau schafft Vielfalt – Das Moselprojekt“ vertreten und  nun ausgezeichnet worden. „Das Projekt hat  die Jury begeistert“, sagt die Fürstin. Als Besitzerin eines über die Grenzen bekannten Schmetterlingshauses ist sie besonders über die Bedeutung der Falter in diesem Projekt froh. Aber auch die Begrünung von Rebzeilen sei eine wichtige Aufgabe.

Wie berichtet kümmern sich etwa 30 Winzer an der Mosel darum, Fauna und Flora in den Weinbergen und in der unmittelbaren Umgebung zu erhalten beziehungsweise wieder neuen Lebensraum zu geben. Projektleiterin ist Anne Buchsbaum-Sehn. „Wir sind mächtig stolz über diese Auszeichnung. Davon profitieren nicht nur Tiere und Pflanzen sondern auch die Menschen“ sagt Michael Horper, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau.

 Volles Haus beim Weinbautag in Bernkastel-Kues. Kein Platz war mehr frei in der Mosellandhalle, auch die Parkplätze waren voll belegt. TV-Foto: Klaus Kimmling
Volles Haus beim Weinbautag in Bernkastel-Kues. Kein Platz war mehr frei in der Mosellandhalle, auch die Parkplätze waren voll belegt. TV-Foto: Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling
 Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (Zweite von rechts) und Weinbaustaatssekretär Andy Becht (rechts) zeichnen das Moselprojekt aus.
Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (Zweite von rechts) und Weinbaustaatssekretär Andy Becht (rechts) zeichnen das Moselprojekt aus. Foto: Beckmann/Beckmann, Clemens

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