Kollegium, Kardiologie, Kulturen

Wittlich · Auf Einladung der Casinogesellschaft sprach der gebürtige Wittlicher Dr. Ernst J. Fischer über sein Lebenswerk. Darin spielen Kunst, Medizin, Mittel- und Südamerika, seine Frau Irmingard und die Kindheit in Wittlich eine große Rolle.

Dr. Ernst J. Fischer. TV-Foto: Christina Bents

Wittlich. Das Wittlicher Casino ist Ernst J. Fischer bestens vertraut. Bereits als Sechsjähriger hat er dort vor 85 Jahren seinen ersten Kinderkarneval gefeiert. Der 91-Jährige hat auf Einladung der Casinogesellschaft Wittlich im Rahmen der Reihe "berühmte Wittlicher erzählen ..." gesprochen. Schon nach den ersten Sätzen merkten die Zuhörer, dass dieser Mann es gewohnt ist, vor anderen Menschen zu sprechen. Flüssig, präzise und vor allem spannend erzählte er von seiner Kindheit in Wittlich, vom Geruch des Bodens in der Volksschule, von Schlittenfahrten durch die Stadt, Hausschlachtungen und wie er versuchte "Hinkelchen zu sähen", indem er Hühnerfedern in ein Beet gestochen und gegossen hat. Nach der Volksschule ist er zum Aloisiuskolleg in Bad Godesberg gewechselt. Nach dem Abitur studierte er den "mit Leidenschaft angestrebten Beruf Medizin", berichtet Fischer. Sein Vater hatte gehofft, er würde den renommierten Georg-Fischer Verlag übernehmen. Er gab ihm den Rat, nicht zur Armee zu gehen. "Das hat mein Leben entscheidend beeinflusst", betont der Mediziner. Als Arzt machte Karriere, baute in Geldern am Niederrhein eine Klinik auf, die er mehrere Jahrzehnte lang leitete. Während eines Kongresses für Kardiologie in Buenos Aires hat sich ihm die Welt der Kunst eröffnet. 17-mal hat er Mittel- und Südamerika besucht. "Ich bin meinem Wissensdurst gefolgt". Immer mit dabei war seine Frau Irmingard, mit der er inzwischen 66 Jahre verheiratet ist.
Die rund vierzig Besucher im Casino hörten aufmerksam seinen Ausführungen zu. Die mündeten in der Feststellung, dass man nicht verlernen soll, zu staunen und seine Ideale zu verfolgen, auch nicht im hohen Alter.
Mit Wittlich verbindet er immer noch die unbeschwerte Kindheit. Er interessiert sich für das Wittlicher Kulturleben, hat noch Familie und Verwandte vor Ort und geht gerne wandern und fährt Rad. Auch seine vier Kinder sind Eifelfans und kommen regelmäßig in die Kreisstadt.
Für die Zukunft plant die Casinogesellschaft eine Reihe, bei der sich Menschen vorstellen, die in Wittlich leben und aus einem anderen Land stammen. chbGeboren wurde Dr. Ernst J. Fischer 1919 als viertes Kind des Verlegers Georg Fischer in Wittlich. Die Familie lebte in der Koblenzer Straße. Zunächst besuchte er die Volksschule in Wittlich, dann ging er zum Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Nach dem Abitur studierte er in Greifswald. 1944 heiratet er in Würzburg. In Essen war er Oberarzt und trat anschließend in Geldern seine Chefarzttätigkeit an. Dort begann er 1961, das Krankenhaus neu aufzubauen. In mehrjähriger Planungsarbeit mit aufwendigen Studienreisen in moderne medizinische Zentren, unter anderen in die USA. "Lebendige Medizin betreiben" ist Devise Dr. Fischers. Fischer interessiert sich sehr für die Kunst Süd- und Mittelamerikas, vor allem die Schönheit und die Botschaften der getöpferten Plastiken faszinieren ihn. Die Schau "Der Glanz peruanischer Hochkulturen - 3000 Jahre Peru", in der Galerie im Alten Rathaus stammt aus seiner Sammlung. chb