1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Kommentar zum Streit über die Mosel als Weltkulturerbe

Weltkuturerbe : Übers Knie gebrochen

Die Einzelpfahl-Erziehung ist mit Sicherheit eine historische Form des Weinanbaus, bei der jeder Rebstock einzeln behandelt werden muss, aber sie ist nicht die wirtschaftlichste. In Zeiten des Klimawandels und des zunehmenden Wettbewerbs ist es mehr als fragwürdig, den Winzern in den betroffenen Lagen mit derartigen Vorschriften ihren wirtschaftlichen Handlungsspielraum dermaßen einzuschränken.

Der Ärger ist daher völlig verständlich. Es stellt sich einerseits die Frage, ob denn wirklich diese Form der Bewirtschaftung die einzige Besonderheit des Moseltals ist. Und es stellt sich andererseits die Frage, warum nicht schon wesentlich früher viel mehr Akteure mit eingebunden wurden. Der Verein wurde vor mehreren Jahren gegründet und es war genug Zeit - auch vor der Corona-Krise – mit öffentlichen Veranstaltungen, Wettbewerben und sonstigen Aktionen Ideen zusammen zu tragen, wie man sich sinnvollerweise für den Eintrag in die Unesco-Liste bewirbt. Diese Chance, die Winzer und die übrigen Bewohner des Moseltals mit einzubinden, wurde verspielt. Stattdessen wurde kurz vor Einsendeschluss eine Entscheidung übers Knie gebrochen. Es bleibt ohnehin fragwürdig, ob die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe wirklich die Attraktivität des ohnehin weltbekannten Moseltals wesentlich steigern würde.

Sollte das Thema also in den nächsten Wochen in den zuständigen Gremien keine Zustimmung erhalten, würde sich der Schaden wahrscheinlich noch in Grenzen halten.

hp.linz@volksfreund.de