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Kommentar zum Wegzug der Cusanus-Hochschule

Meinung : Die Chance liegt in der Philosophie

Nach dem Wegzug der Cusanus-Hochschule von Bernkastel-Kues stellt sich die Frage: Ändert sich überhaupt etwas in der Cusanus-Stadt?

Bernkastel-Kues blieb nur für kurze Zeit ein Hochschulstandort. Ursprünglich ganz im Sinne des berühmtesten Sohns der Stadt, des Philosophen Cusanus, gegründet, hat die gleichnamige private Hochschule nach nur wenigen Jahren einen fundamentalen Richtungswechsel vollzogen.

Das kommt nicht von ungefähr. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind nun einmal aktuelle Themen der Zeit. Das Präsidium hat sich daher für eine klar definierte Denkschule in der Ökonomie entschieden, die in dieser Klimawandel-bewegten Zeit bei jungen Menschen auf hohes Interesse stoßen dürfte.

Das passt tatsächlich nicht mehr so ganz zum Geist von Cusanus, der in seiner Philosophie immer wieder betonte, dass „der freie Geist sich selbst bewege“. Das war auch der Grundgedanke der Gründer der Schule, die sich schon 2014 zusammen fanden, um „ideologiefrei und unabhängig“ zu forschen. Ebenfalls wichtig war es ihnen, dass die Fächer Ökonomie und Philosophie gleichrangig vertreten seien, um sich zu bereichern und eine Alternative zur gängigen Lehre zu schaffen. Insofern ist der Umzug der Schule konsequent. Sie hat ihre Transformation vollzogen und kann in Koblenz einen Neustart machen.

Was bleibt Bernkastel-Kues nun übrig? Das ehrgeizige Projekt, eine kleine, private Hochschule zu gründen, ist gescheitert. Das müssen sich die Gründer offen eingestehen. Die Zeiten haben sich seit 2014 geändert. Grüne Denkschulen sind in den Wirtschaftswissenschaften offenbar gefragt.

Ist der Verlust für die Moselstadt gravierend? Wohl kaum. Die Beteiligung an den öffentlichen Veranstaltungen der Hochschule war zwar immer gegeben, aber sie speiste sich doch eher aus einem überschaubaren Klientel. Indes bleibt aber ein Samenkorn übrig, an dem Cusanus gewiss seine Freude gehabt hätte: Das Fach Philosophie ist seit diesem Jahr an der bereits bestehenden Bildungseinrichtung „Kueser Akademie für europäische Geistesgeschichte“ angeschlossen worden. Und genau in diesem Fach liegt das eigentliche Zukunftspotenzial für Bernkastel-Kues, denn die Zeit der Philosophen wird gewiss wieder kommen. Wenn geklärt ist, wie gewirtschaftet wird, dann stellt sich die Frage, warum gewirtschaftet wird. Und diese Frage können nur die Philosophen beantworten.

Damit schließt sich übrigens der Kreis - denn die ursprüngliche Idee zur Cusanus-Hochschule kam einst aus den Reihen der Kueser Akademie.

hp.linz@volksfreund.de