Analyse : Das ist nicht die letzte Generation

Die Jugend in unserem Land ist in den vergangenen Monaten durch Attacken auf Kunstwerke und Blockaden auf Straßen ein wenig in Verruf geraten. Zu Unrecht, findet TV-Redakteur Hans-Peter Linz.

Kartoffelbrei-Attacken auf Kunstwerke, Festklebe-Blockaden auf Straßen: Die Jugend steht momentan in einem nicht immer  vorteilhaften Licht. Zumindest wird das von manchen so wahrgenommen.

Trotz des hehren Ziels all dieser Bemühungen gelten die dazu gewählten Mittel  vielen als fragwürdig. Man möchte fast schon meinen, dass die Jugend in Anbetracht all der Krisen dieser Welt bereits kapituliert hat, sich auf den kommenden Weltuntergang einstimmt und glaubt, die  letzte Generation zu sein.

 Aber ganz so pessimistisch sind junge Menschen nun doch nicht, auch wenn ihnen manche Einzelaktionen einen solchen Anschein geben.

Es gibt viele motivierte Jugendliche, die mit  Optimismus in die Welt hinausgehen wollen und dennoch die Probleme dieser Welt im Blick haben.

Das zeigte ein Besuch einer „Speed-dating“-Aktion des hiesigen Rotary-Clubs im Cusanus-Gymnasium in Wittlich, zu der sich interessierte Schülerinnen und Schüler  der Oberstufe anmelden konnten.

An runden Tischen konnten sie sich in einer Art Job-Börse über 30 verschiedene Berufe informieren, zu denen jeweils Vertreter der entsprechenden Branchen anwesend waren. Knapp 90 Interessierte nahmen teil, die sich jeweils für zwei Berufe anmelden konnten. In zwei Runden konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen und sich über die Berufe erkundigen.

Die Teilnahme war äußerst lebhaft, und es wurden kluge Fragen gestellt. Im Bereich Journalismus wollten die Jugendlichen zum Beispiel wissen, welche Voraussetzungen man für den Beruf mitbringen muss, waren aber auch daran interessiert, wie eine Redaktion funktioniert, ob man Themen frei wählen kann und vieles weitere.

Sie machten sich auch Gedanken darüber, wie Nachrichten sich im Internet verbreiten, wie man verlässliche Informationen von Fake-News oder Gerüchten unterscheiden kann.

Sie wollten wissen, was der schönste Moment im Redakteursleben bisher war und waren erstaunt, dass für einen Lokalredakteur die Begegnung mit dem zweiten Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin, ein solcher Moment war. Andere erkundigten sich, wie man mit sensiblen Themen umgeht, zum Beispiel mit den Lebensgeschichten von Asylbegehrenden.

Allesamt durchweg wache, optimistische junge Menschen – gebildet, selbst reflektiert und wissbegierig – die gerade dabei sind, die ersten Weichen für ihr Leben zu stellen. Sie wollen Auslandserfahrungen sammeln, sich in die Gesellschaft einbringen und ihren Weg gehen, wohl wissend, dass die Krisen dieser Welt bewältigt werden müssen.

Übrigens gab es auf der Job-Börse den meisten Zuspruch bei der Polizei mit 20 Anmeldungen, gefolgt von Marketing/Vertrieb,  Architektur, Medizin, Rechtswissenschaften, Lehramt, Journalismus und Betriebswirtschaft.