Kommunalaufsicht kippt "Kinder-Rabatt"

Kommunalaufsicht kippt "Kinder-Rabatt"

HEIDENBURG. Die Ortsgemeinde Heidenburg hat sich in diesem Jahr zwei größere Projekte vorgenommen: den Ausbau von Innerortsstraßen und den neuen Rasenplatz. Eine schlechte Nachricht brachte Ortsbürgermeister Dietmar Jäger in den Gemeinderat mit: Familien mit Kindern darf die Gemeinde kein günstigeres Bauland mehr verkaufen.

"An Kindern und Jugendlichen wollen wir nicht sparen", erklärte der Heidenburger Ortsbürgermeister Dietmar Jäger in der Ratssitzung. Gezwungenermaßen tut die Gemeinde es doch. Denn die Kommunalaufsicht untersagte nach Rücksprache mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) der Kommune, Familien mit Nachwuchs 50 Cent "Rabatt" pro Quadratmeter Bauland pro Kind zu gewähren. Wie bisher zahlen ortsansässige Bauherren 31 Euro pro Quadratmeter, Ortsfremde 33 Euro, doch der Nachlass fällt weg. In junge Heidenburger wird dennoch investiert: Knapp 50 000 Euro kostet die Gemeinde die Unterhaltung des Ganztagskindergartens, 4800 Euro mehr als im Vorjahr. In den Vermögenshaushalt sind weitere 18 000 Euro eingestellt, unter anderem für die Verbesserung der Infrastruktur. Die größte Investition ist mit 348 000 Euro der Ausbau von Teilen der Ortsstraßen Stallergarten, Schulstraße, Feilenswies sowie die Kreuzung Unterst-wies/Fellerfahrt. Michael Suska von der Verbandsgemeinde Thalfang rechnet mit 70 000 Euro Zuschüssen aus dem Investitionsstock des Landes, 167 000 Euro werden durch Beiträge der Anlieger finanziert, der Rest bleibt an der Gemeinde hängen. Wenn die Zuschussgenehmigung vorliegt, lädt Jäger zur Einwohnerversammlung ein. Der zweite dicke Brocken ist die "Zukunftsbeständige Ausrichtung der Sport-, Spiel- und Freizeitanlage". Der Heidenburger Tennenplatz wird für 185 000 Euro in einen Rasenplatz umgebaut, "weil der Sportplatz wie die Kirche ins Dorf gehört". Mit der Bewilligung für das Modellprojekt (der TV berichtete) rechnet Jäger spätestens im März. Das habe Innenminister Karl Peter Bruch zugesagt. Man hofft auf eine 70-prozentige Förderung. VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo ging in der Sitzung davon aus, dass das Projekt in diesem Jahr fertig gestellt wird: "Ob man dann schon darauf spielt, ist eine andere Frage." Insgesamt beläuft sich der Vermögenshaushalt auf knapp 700 000 Euro, im Verwaltungshaushalt sind Einnahmen von 701 000 Euro und Ausgaben von 862 000 Euro vorgesehen. Der Haushalt weist ein Defizit von 160 500 Euro auf. Darin ist der Fehlbetrag von 2004 (rund 94 000 Euro) enthalten. "Man soll die Dinge nicht zweimal beweinen", mahnte Jäger. Für ihn ist der "echte" Fehlbedarf in Höhe von 65 000 Euro maßgeblich, da rein rechtlich der Fehlbetrag aus dem Vorvorjahr hinzuaddiert wird. Man habe geprüft, wie das Defizit zurückgefahren werden könne. Die Möglichkeiten seien begrenzt. Die freiwilligen Leistungen in Höhe von 12 000 Euro könne man nicht senken, "ohne die Struktur, ja die Kultur unseres Dorfes kaputtzumachen". Was die Finanzmittel angeht, will Jäger "nicht mit den Wölfen heulen", sondern vielmehr die Chancen nutzen, Heidenburg fit zu machen für die künftigen Herausforderungen. Ärgerlich ist für den Ortsbürgermeister die fast 100-prozentige Erhöhung der Stromkosten für die Straßenbeleuchtung von 7,68 auf 14,49 Cent pro Kilowattstunde. Steuern, Entgelte und Gebühren bleiben unverändert. Der Schuldenstand soll sich zum Ende dieses Jahres auf 677 000 Euro erhöhen. Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet.

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