Dörfer: Kommunalreform: Hängepartie macht Dörfern zu schaffen

Dörfer : Kommunalreform: Hängepartie macht Dörfern zu schaffen

Wie läuft es in Horath, Gräfendhron und Merschbach? Der TV fragte bei den Ortsbürgermeistern nach.

„Eine weitreichende Entscheidung hat der Ortsgemeinderat in seiner Sitzung am 14. November über die Zukunft der Hochwaldhalle getroffen“, freut sich der Horather Ortsbürgermeister Egon Adams. Nach großen Diskussionen in einer Einwohnerversammlung und eines runden Tisches über die Sanierung der Hochwaldhalle beziehungsweise über den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses hat der Ortsgemeinderat eine Grundsatzentscheidung getroffen: Die Kommunalpolitiker haben beschlossen, eine neue Halle/Dorfgemeinschaftshaus inklusive eines Anbaus für die Feuerwehr zu errichten. Damit könnte die jahrelange Suche der Verbandsgemeinde Thalfang nach einem Grundstück für den Neubau für die Brandschützer zu Ende sein. Allerdings bleibt die Entscheidung des Verbandsgemeinderates zu diesem Thema abzuwarten.

Möglich wurde das durch die Kraft der Natur. Adams: „Die Windkraft hat sich ohne Frage positiv auf die Gemeindekasse ausgewirkt. Die Liquiditätskredite aus den vergangenen Jahren konnten getilgt werden, und für die Zukunft sind positive Haushaltsergebnisse prognostiziert.“ Es sei eine lebhafte Diskussion über die Verwendung der freien Haushaltsmittel entstanden.

Die Pläne in Horath gehen aber noch weiter: Der Ortsgemeinderat hat entschieden, an dem Projekt des Landkreises „Zukunfts-Check-Dorf“ teilzunehmen. Damit hat sich eine kostengünstige Möglichkeit eröffnet, das Dorferneuerungskonzept aus 1985 fortzuschreiben. Es besteht die Möglichkeit, Horath bürgernah als attraktiven Standort für Arbeiten, Leben und Wohnen so zu positionieren, dass alle Generationen davon nachhaltig profitieren können.

Was Adams besorgt macht, ist die Anzahl der Geburten und damit der Kindergartenkinder in Horath. Sie sei sehr niedrig. Zu Beginn des Kindergartenjahres 2019/2020 liegt die Zahl der angemeldeten Kinder deutlich unter der Mindeststärke für eine Kindergartengruppe. In Gesprächen mit dem Landesjugendamt und der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich soll nach einer Lösung gesucht werden, um den Kindergartenbetrieb weiter aufrecht zu erhalten.

Im Februar 2017 hat sich der Ortsgemeinderat auf Grundlage einer Bürgerbefragung für den Anschluss an die Gemeinde Morbach entschieden. Im Sommer dieses Jahres hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die über einen Einwohnerantrag den Anschluss an die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues erreichen will. Eine erneute Entscheidung im Ortsgemeinderat soll im Dezember fallen. Adams geht davon aus, dass die Umsetzung der Kommunalreform für die VG Thalfang so schnell nicht kommen wird.

Traurig stimmt sein Amtskollege aus Gräfendhron, Hans-Günther Steinmetz, der fehlende Fortschritt bei der Reform von seiten der Landesregierung: „Wir wollen seit 2012 zu Morbach.“ Denn die Finanzlage in seinem Dorf wird immer prekärer: „Wenn wir die Kreis- und Verbandsgemeindeumlage bezahlt haben, ist bereits Ebbe in der Kasse.“ Pflichtaufgaben wie der Kindergartenbeitrag, Reparaturen von Straßen und Wirtschaftswegen oder die Bezahlung des Gemeindearbeiters sind immer nur mit höheren Schulden zu bewältigen. „1500 bis 2000 Übernachtungen in unserer Fremdenverkehrsgemeinde sind zwar ein Wirtschaftsfaktor, wirken sich jedoch nicht positiv für die Gemeindekasse aus“, bedauert Steinmetz, der sich über zwei neue Erdenbürger in seinem Dorf besonders freut. Er selbst weiß noch nicht, ob er bei der Kommunalwahl 2019 wieder antreten wird.

Die kürzeste Antwort auf die TV-Anfrage liefert die Merschbacher Ortsbürgermeisterin Iris Hornberg. Sie freut sich über den Ausbau des Internets mit schnellem Glasfaserkabel und will die Neugestaltung des Dorfplatzes sowie des Friedhofs anpacken. Auch Merschbach profitiert finanziell von Windrädern. „Vieles kann jetzt umgesetzt werden, beispielsweise die Sanierung der Brücke im Ort und ein Außenanstrich von Gemeindehaus und Kapelle.“