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Konstantin geht, doch Leonardo bleibt noch

Konstantin geht, doch Leonardo bleibt noch

Leonardo da Vinci, sein Leben und sein Werk standen im Mittelpunkt einer Soirée im Traben-Trarbacher Stadthaus "Alter Bahnhof", wo zurzeit die Maschinen des großen Meisters ausgestellt sind. Vor ausverkauftem Haus hielt Historiker Lukas Aufgebauer einen kurzweiligen und anregenden Vortrag über das italienische Multitalent.

Traben-Trarbach. Während Konstantin in Trier langsam ans Kofferpacken denken muss - die Ausstellung schließt in Kürze - wird Leonardo noch bis zum 25. November an der Mosel verweilen und weitere Besucher in seinen Bann ziehen. Weit mehr als 3000 Gäste haben die einzigartige Schau in Traben-Trarbach bisher gesehen, und in seinem unterhaltsamen Referat wusste Historiker Lukas Aufgebauer Interessantes aus dem Leben des künstlerisch und wissenschaftlich tätigen Universalgenies und seiner Zeit zu berichten.1452 als unehelicher Sohn eines Notars und einer Bauerntochter geboren, hatte Leonardo offensichtlich eine glückliche Kindheit, in der sich schon sein Interesse an technischen Dingen zeigte. "In der Renaissance wurde das Wissen in die Öffentlichkeit getragen", sagte Aufgebauer. Das gebildete Bürgertum in ganz Europa hatte Zugriff darauf. Der starke Bezug zum Jenseits im Mittelalter wich dem Interesse am Diesseits, der neuen Wertschätzung für die Natur und einer"Explosion der Vielfalt und Technik", sagte der Historiker. "In diese Zeit wird Leonardo hineingeboren", und schon früh war ersichtlich, dass er künstlerisch hochbegabt war. Als 17-Jähriger zog er 1469 nach Florenz, das große Wirtschaftszentrum in Norditalien. Etwa fünf Jahre lernte er im Atelier von Andrea Verocchio, einem vielseitig begabten Künstler. Der junge Leonardo befasste sich mit Steinmetz- und Bilderhauerarbeiten, dem Bronzeguss, Zeichnen, Malerei und dem Anrühren von Farben. Einzig die damals sehr gefragte Technik der Fresko-Malerei erlernt er nicht. Bis 1482 hielt sich Leonardo in Florenz auf und arbeitete mit Verocchio zusammen, bis der Mailänder Hof einen Künstler-Ingenieur suchte. Der 30-Jährige bewarb sich bei Ludovico Sforza mit seiner Brücken-Konstruktion - u sehen auch in Traben-Trarbach - nach Mailand und war künftig auch für das Kriegswesen mit verantwortlich. Das Schlagen von Brücken gehörte dazu wie der Festungsbau. In Mailand war Leonardo allerdings auch als Hofmaler tätig und entwarf bewegliche Bühnenbilder. Viel Beifall für freien Vortrag

18 Jahre blieb er am Hofe von Sforza, dann begannen seine Wanderjahre, die ihn zum Kriegsfürsten Cesare Borghia führten. Als "Mensch voller Widersprüche" charakterisierte der Referent Leonardo. Er habe für Kriegsherren gearbeitet, andererseits aber den Krieg als unmenschlich verabscheut. 1505 kehrte er nach Mailand zurück, war beim Papst in Rom angestellt und 1517 übersiedelte er nach Frankreich an den Hof von Franz I. auf Schloss Cloux in Amboise, wo er zwei Jahre später starb.Erläuterungen zu ausgewählten Gemälden und Exponaten der Austellung rundeten den mit viel Beifall bedachten Abend ab. Lukas Aufgebauer überzeugte mit seinem verständlichen, freien Vortrag, der ohne technische Hilfsmittel auskam. Die Ausstellung im Alten Bahnhof Traben-Trarbach kann montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr besichtigt werden.