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Konzert Villa Musica in der Synagoge Wittlich

Konzert : Künstler aus Israel zu Gast: Kraftvoll, leidenschaftlich und verzweifelt sprach die Musik zu den Besuchern

In Wittlich spielten Professoren der der Buchman-Mehta School of Music der Universität Tel Aviv und Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz — zu verdanken einer Kooperation mit dem Musikkreis der Stadt Wittlich. Das Publikum war begeistert und ließ die Musiker nicht ohne zwei Zugaben gehen.

Ausverkauft war das Konzert der Reihe „Musik in der Synagoge“ in Wittlich. Nach zwei Jahren ohne Live-Musik freuten sich die Besucher nun auf ein besonderes Konzert. Zum einen, weil sehr erfahrene Musikprofessoren der Buchman-Mehta School of Music aus Israel mit Stipendiaten der Villa Musica zusammengespielt haben. Zum anderen, weil das Programm sehr interessant ausgewählt war. Ein selten gespieltes Klavierquartett von Antonin Dvorak, ein Zusammentreffen zweier Generationen israelischer Musik, für das Yinam Leef eine Würdigung an den Exil-Ungarn Ödön Partos geschrieben hat, und schließlich ein Werk von Michail Glinka, als der noch nicht „Vater der russischen National­musik“ war.

Was vor allem auffiel bei dem hochkarätig besetzten Konzert waren die Konzentration und die Spielfreude der Musiker. Gleich beim ersten Stück, dem „Trio pathétique in d-Moll“ von Glinka, ging es kraftvoll und gleichzeitig virtuos los. Klarinettist Jakob Plag, der mehrfacher erster Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ war, als Solist bei der Staatskapelle Weimar und auch schon in der Berliner Philharmonie sowie der Elbphilharmonie gespielt hat, verzauberte gleich mit einem schönen, vollen Ton. Am Klavier spielte Professor Tomer Lev mit einer Leichtigkeit die faszinierte, während Professor Hillel Zori am Violoncello temperamentvoll zur Stelle war.

 Pianist Tomer Lev, Professor an der Buchman-Mehta School in Tel Aviv, sprach vor den beiden Zugaben zum Publikum. Er war begeistert von der Synagoge, in der er und seine Musikerkollegen zu Gast waren.
Pianist Tomer Lev, Professor an der Buchman-Mehta School in Tel Aviv, sprach vor den beiden Zugaben zum Publikum. Er war begeistert von der Synagoge, in der er und seine Musikerkollegen zu Gast waren. Foto: Bents Christina

Es wurde dann einen Hauch melancholischer. Das Hauptthema in d-Moll wurde durch die verschiedenen Stimmen und Tonarten geführt, und der Satz klang ruhig aus. Das Klavier klang weiter etwas melancholisch und kraftvoll, während die Klarinette frisch und melodisch darüber spielte – ähnlich einem Frühlings­tau. Bis das Cello die Führung übernahm. Schließlich blieben die Zuhörer durch eine Flut an Tönen, Akkorden und Klängen aufmerksam. Durch sehr gut ausgeführte große Sprünge und Bögen, bei denen die Besucher gar nicht mehr wissen konnten, wo sie am besten zuerst hinhören sollten, war es ein faszinierendes Klang­erlebnis.

Yinam Leef würdigte musikalisch Ödön Partos, der aus Ungarn stammt und eine Generation vor ihm israelische Konzertmusik komponierte, mit dem Stück „Triptychon“. Wie drei in sich greifende Klanggebilde ist diese Komposition aufgebaut. Es beginnt energisch mit der Klarinette, dann folgt ein Klagegesang, bei dem laute Triller und hohe Töne zu einer fast schreienden und verzweifelten Stimmung führen. Diese wird später mit einem langen, tiefen Ton der Klarinette aufgelöst, und die musikalische Szene beruhigt sich – auch wegen einzelner, bewusst gesetzter Töne des Klaviers. Zum Ende hin verschwimmen die einzelnen Bilder zu entrückten Klängen.

In Antonin Dvoraks Klavierquartett kommt das Tasteninstrument kraftstrotzend, impulsiv und gleichzeitig tänzerisch daher. Die Streicher stehen ihm in Ausdrucksstärke in nichts nach. Cellist Hillel Zori setzte seine Töne locker und präzise zugleich. Unter den Musiker waren auch Natan Tishin an der Violine, der bereits mit fünf Jahren sein erstes Konzert gab und an der Folkwang-Universität der Künste in Essen studierte, sowie Shira Majoni, Viola, die Stipendiatin der America-Israel Cultural Foundation war und bereits bei den Münchner Philharmonikern gespielt hat. Sie zeigten auch hier eine Spielfreude, die auf das Publikum übersprang. Temperamentvoll strichen sie über ihre Instrumente, bevor sie im nächsten Moment zart und kaum hörbar die folgende Passage spielten. Manchmal hielt es sie – wie die Besucher beim Schlussapplaus – kaum auf ihren Sitzen.

Am Ende war ein neugierig-zufriedenes Lächeln auf ihren Gesichtern zu erkennen, als hätten sie ein musikalisches Abenteuer erlebt.