Korrekte Begriffe

Ein Leser machte sich Gedanken über den Gebrauch von Begriffen aus der Zeit des Nationalsozialismus und schrieb an den TV:

Die Traben-Trarbacher Bürger, die anlässlich der "Reichspogromnacht" eine würdige Gedenkveranstaltung vorhaben, sind sicher von guten Absichten geleitet. Aber der Begriff "Reichspogromnacht" hört sich nur auf den ersten Blick wie ein historisch-korrekter Ausdruck an, in Wirklichkeit ist er peinlicher Unfug, von ahnungslosen Journalisten in die Welt gesetzt und seitdem anscheinend nicht mehr zu verhindern. Die jüdischen Opfer bezeichneten in Briefen die Ereignisse vom 9. auf den 10. November sofort als "Kristallnacht", im Spott auch noch deutlicher als "Reichskristallnacht". Es war ja kein Kristall, was die SA-Horden und die Nachbarn zerschlugen, sondern es waren Fensterscheiben und die Auslagenscheiben von Geschäften. Und die Brandstiftungen und Misshandlungen fanden auch nicht im ganzen "Reich" statt, wie die Nazis gern glauben machen wollten. Wenn heute Mitbürger mit durchaus guten Absichten von der "Reichspogromnacht" reden, dann wissen sie nicht, dass sie damit die Ereignisse auf eine Stufe mit der Reichsautobahn, dem Reichsnährstand (=Landwirte), der Reichsärztekammer und so weiter stellen. Alles musste ja nach 1933 "Reichs-" sein, erfunden vom "Reichspropagandaminister" Goebbels. Ahnungslose wie Eva Herman glauben heute, dass das Dritte Reich unter anderem wegen seiner "Reichsautobahn" auch seine guten Seiten gehabt haben muss. Man sollte auf einer würdigen Gedenkveranstaltung überlebende jüdische Mitbürger zu Wort kommen lassen, dann würde man schnell merken, dass "Reichskristallnacht" die Nazis verhöhnen sollte. Göring machte sich als "Reichsjägermeister" selbst lächerlich. Die Schauspielerin Kristina Söderbaum wurde als "Reichswasserleiche" veräppelt. In der historischen Fachliteratur und in Schulgeschichtsbüchern der bekannten Verlage gibt es selbstverständlich den Unsinn-Begriff "Reichspogromacht" nicht, sondern Kristallnacht oder Reichskristallnacht als Begriffe der Zeitgeschichte. Herbert Strazny, Saxler Gedenken