"Koster-Hermann" setzt sich zur Ruhe

"Koster-Hermann" setzt sich zur Ruhe

Kurz vor seinem 80. Geburtstag hat sich Hermann Stein in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Seit 1947 war er in Heidenburg Organist, Kirchenchorleiter und Küster - das Amt, das er bis 2009 ausgefüllt hat.

Heidenburg. (urs) Das neue Jahr hat für Hermann Stein mit einem tiefen Einschnitt begonnen. Nach mehr als sechzig Jahren als Heidenburger Organist und Kirchenchorleiter hat er sich am Neujahrstag von seinen Ämtern verabschiedet.

Als Sänger bleibt er dem Chor treu



Bewogen dazu haben den 79-Jährigen, bis zu dessen 80. Geburtstag im Mai es nicht mehr lange hin ist, gesundheitliche Gründe. Tröstlich für ihn ist, dass mit Susanne Biwer eine Nachfolgerin gefunden ist, die beide Ämter übernehmen wird. Außerdem wird Stein dem Chor als Sänger die Treue halten: "Das haben die mir zur Bedingung gemacht", begründet er mit unverkennbarer Freude.

Sein musikalisches Engagement wird sich daher auch künftig nicht auf Hausmusik am heimischen Klavier beschränken. Für den zweifachen Vater und Großvater, der früher immer Hochzeitspaaren mit seinem Schifferklavier vorausging, ist das sehr wichtig. Denn seit 2009 ist auch seine 50-jährige aktive Zeit im Musikverein verklungen - und die als Küster. 62 Jahre hatte er das am 17. November 1947 - mit 16 Jahren - übernommene Amt inne, das ihm in Heidenburg den Namen "Koster-Hermann" einbrachte.

Ebenso lange reichen die Anfänge seines Engagements als Kirchenmusiker zurück. Wegbereiter war der damalige Pfarrer, dem es gar nicht gefiel, dass der 16-Jährige mit seinem Schifferklavier bei der Kirmes zum Tanz aufspielte. Doch dann bot er ihm die Stelle des Organisten an, wovon Steins Eltern mehr angetan waren als ihr Sohn. Denn der musste sich fortan vor allem sonntags mehrmals in der Kirche einfinden, um das Harmonium zu spielen. Wenige Jahre nach Kriegsende waren die Rahmenbedingungen nicht die besten. Die von Bomben beschädigten Kirchenfenster waren noch mit Brettern zugenagelt, so dass Stein im Winter oft mit Handschuhen spielen musste.

Das Meistern solcher Hürden lässt das Talent des Dorfjungen erahnen, dessen erstes Akkordeon das eines im Krieg gefallenen Cousins war. Schneidermeister Josef Micheln, damals Kirchenchorleiter, hatte ihm beigebracht, wie er es zum Klingen bringen konnte. Für den Posten des Organisten qualifizierte sich Stein durch den Besuch der Trierer Dommusikschule, wofür er weite Fußwege in Kauf nahm. Er habe sehr gut und schnell gelernt, würdigte ihn Pfarrgemeinderats-Kollegin Christel Haaske im Rahmen einer kleinen Abschiedsfeier. Ein früherer Domkapellmeister habe Stein, der "sein ganzes Leben für die Kirche gelebt" habe, als eine "Kapazität mit großem Fachwissen" bezeichnet.

Auch die Heidenburger Kirchenchorsänger wissen, was sie an ihrem langjährigen Dirigenten haben. Vorsitzende Mathilde Diederich überreichte eine Urkunde, die Stein als Ehren-Dirigent auf Lebenszeit ausweist.

Mehr von Volksfreund