Kräuter, Wein und die "Apotheke"

TRITTENHEIM. Ein still gelegter Weinberg und die Überlegung, ein bisschen zu gärtnern, haben der Trittenheimerin Jill Bollig zu einem Garten verholfen, der alle Sinne anspricht und in dem auch der Wein etwas anders schmeckt.

Eine Kräuterexpertin ist sie wirklich nicht - doch Jill Bollig ist auf dem besten Weg, eine zu werden. Denn vieles von dem, was in ihrem eigentlich spontan angelegten Kräutergarten wächst, hat die gebürtige Engländerin vor wenigen Monaten selbst kaum gekannt. Doch nun ist sie begeistert von Borretschblüten und Rosmarinnadeln. Die Vielfalt der Blätter und Blüten und die Düfte, die sie bei einem Rundgang durch den ehemaligen Weinberg empfangen, lassen sie aus dem Staunen nicht heraus kommen. "Ich hatte nicht gedacht, dass es so schön wird", gesteht die Mutter von drei Kindern ein. Zumal der Garten ja an und für sich notgedrungen entstand und sich nicht etwa an einer gezielten Planung orientiert. Denn nachdem ihr Mann den alten Weinberg direkt neben dem Weingut gerodet hatte, wollte sie die Fläche nicht brach liegen lassen. Dass ihr Entschluss "Komm, ich mach' ein bisschen Garten" nach nur anderthalb Jahren ein derart beeindruckendes Ergebnis zeitigt, hätte sie nicht gedacht. "Das wächst - das ist ungeheuer, wie das wächst", ist sie immer wieder erstaunt über blühende Muskatellersalbei-Stauden, gelbblühenden Alant, schmackhaften Sauerampfer - "and the Baldrian ist auch so schön". Bei der Heil- und Gewürzpflanze Ysop, den sie zum Verfeinern von Fisch und Lamm schätzt, liebt sie abgesehen von dessen Äußerem auch den ausgefallenen Namen. Und natürlich dürfen in einem echten Kräutergarten auch Exoten wie Curry- oder Lakritzpflanzen nicht fehlen. Jills Lieblingspflanze ist jedoch Thymian, den sie in einer Vielzahl von Varianten hegt und pflegt. Dazu gesellen sich aber auch Pflänzchen, die nicht für den Kochtopf bestimmt sind. Sei es das eine oder andere "Unkraut", das der Hobby-Gärtnerin einfach zu schön zum Auszupfen ist, oder die Staude "für die Bienen", die sie als fleißige Gartengäste zu schätzen gelernt hat. Einige Pflanzen halten Seite an Seite mit anderen Kräutern sogar unliebsame "Pflanzen-Freunde" fern. Nach Schnecken und Blattläusen halten Garten-Liebhaber, die bei Jill jederzeit willkommen sind, jedenfalls vergebens Ausschau. "Die Natur hat immer einen Trick", hat sie die Erfahrung als Kräutergärtnerin mittlerweile gelehrt. Denn anders ließen sich die lauschigen Sitzecken, die sie kürzlich als Ergänzung zur Vinothek nebenan eingerichtet hat, weit weniger ungestört genießen. Was ein Jammer wäre - für die etwas andere Idee, Kräuter und Wein zusammen zu bringen -, aber auch wegen des unverbauten Ausblicks, der sich vom Garten aus auf die Steillagen der Trittenheimer Apotheke bietet.