Kraniche legen Ruhepause ein

Morbach/Bruchweiler · Kraniche, die aus ihren Brutrevieren im Norden kommend auf dem Weg in südliche Winterquartiere sind, überqueren den Hunsrück. So auch in den vergangenen Tagen. TV-Mitarbeiter und Naturfotograf Hans-Martin Braun hat die Vögel beobachtet.

Morbach/Bruchweiler. In diesem Jahr konnten bereits am 14. Oktober große Zugbewegungen der Kraniche (Grus grus) beobachtet werden. Im Volksmund werden sie Hahlgänse oder Schneegänse genannt und sollen den nahenden Winter ankündigen, was in diesem Jahr nicht so ganz stimmte, bedenkt man doch, wie schön das Wetter in den letzten Wochen noch war. In der Nacht zum 8. November gegen 3 Uhr waren laute Kranichrufe zu hören. An den abwechselnd lauter und leiser werdenden Stimmen war deutlich zu erkennen, dass die Vögel nicht nur durchzogen, sondern mehrmals in dem Dreieck zwischen Schauren, Bruchweiler und Kempfeld kreisten.
"Da war ich mir sicher, dass die Vögel des Glücks, wie die Kraniche auch genannt werden, wegen des dichten Nebels ihre Reise nicht fortsetzen konnten und auf der Suche nach einer Rastmöglichkeit waren", sagt TV-Mitarbeiter und Naturfotograf Hans-Martin Braun. Er hoffte, die Tiere am nächsten Morgen noch in der Nähe zu finden. Am nächsten Morgen entdeckte er trotz des sehr starken Nebels schon nach wenigen Minuten die ersten fünf Vögel auf einer leichten Anhöhe zwischen Schauren und Kempfeld. Da diese wenigen Vögel aber nicht die Verursacher des nächtlichen Stimmengewirrs sein konnten, suchte er weiter und fand schließlich auf einem Acker zwischen Bruchweiler und Sensweiler einen Trupp von etwa 200 Tieren. Auch dort hielten sie sich auf dem höchsten Punkt des Feldes auf, um einen guten Überblick zu haben und drohende Gefahren rechtzeitig erkennen zu können.
Wegen der schlechten Sichtverhältnisse und der fehlenden Thermik blieben die Kraniche den ganzen Morgen auf dem Acker stehen.
Gegen 13 Uhr hörte Braun aus der Ferne die Rufe weiterer Kraniche näherkommen. Sofort machten die am Boden stehenden Tiere durch laute Rufe auf sich aufmerksam und veranlassten so ihre Artgenossen zur Landung. Geleitet durch die Stimmen der am Boden stehenden Tiere stieß ein Trupp von etwa 60 Vögeln punktgenau durch den Nebel und gesellte sich zu den Artgenossen. Gegen 14.40 Uhr, als sich der Nebel lichtete und die Sonne rauskam, startete der ganze Schwarm und setzte seinen Flug in Richtung Süden fort. red

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