Kreis schlägt Alarm: Straßenbau in Gefahr

Kreis schlägt Alarm: Straßenbau in Gefahr

Der Kreis Bernkastel-Wittlich muss offenbar mit 30 Prozent weniger Fördergeld für den Straßenausbau auskommen. Zusätzliches finanzielles Ungemach droht durch die EU-Forderung nach einem Fluchtstollen im Burgbergtunnel in Bernkastel-Kues. Nicht nur der Landrat befürchtet Stillstand beim Straßenbau.

Bernkastel-Wittlich. Hat der Kreis Bernkastel-Wittlich demnächst kein Geld mehr für die Sanierung von Straßen? Landrat Gregor Eibes (CDU) hat diese Frage in den Raum geworfen und auch schon eine Einschätzung gegeben: "Wenn dieser Trend anhält, brauchen wir in drei, vier Jahren für die freien Strecken nichts mehr zu beschließen." Mit dem Trend meint er die Ankündigung des Landes, die Förderung herunterzufahren. Im laufenden Jahr liegt der Förderbedarf im Kreis bei drei Millionen Euro. Es gibt aber nur 2,1 Millionen Euro. Die Kürzung falle außerdem höher aus (30 Prozent) als im Landesdurchschnitt (zehn Prozent), heißt es von Seiten des Kreises.Vier Projekte liegen auf Eis

Erschwerend kommt hinzu: Über dem Kreis schwebt immer noch ein Damoklesschwert: die Forderung der EU nach einem Fluchtstollen für den Burgbergtunnel in Bernkastel-Kues. Sollte der Bau unumgänglich sein, würde die finanzielle Bredouille noch gravierender. "Einen konkreten Zeitpunkt für die Nachrüstung gibt es derzeit aber noch nicht", heißt es aus der Pressestelle der Verwaltung. Die gleiche Quelle teilt mit: Im Jahr 2011 sind in die Kreisstraßen 3,054 Millionen Euro investiert worden. Der Zuschuss von Bund und Land lag bei 2,055 Millionen Euro. 2012 wurden 3,959 Millionen investiert (Zuschuss 2,586 Millionen Euro). Für das laufende Jahr waren sogar fünf Millionen Euro veranschlagt, um den Investitionsstau bei den freien Strecken und den Brücken zu reduzieren. Vier Projekte liegen aus unterschiedlichen Gründen, die nur zum Teil mit Geld zu tun haben, aber erst einmal auf Eis. Das Kreisstraßennetz umfasst 485 Kilometer. 30 Prozent davon sind mit der Note 4,5 und schlechter bewertet, heißt es aus der Kreisverwaltung. Bei den Politikern gibt es bei diesem Thema eine große Koalition. "Es hat immer an Geld gemangelt", sagt Günter Rösch (SPD). Schon Beate Läsch-Weber (CDU), Vorgängerin von Landrat Eibes, habe auf die Bedeutung der Straßen für den zweitgrößten Flächenkreis im Land hingewiesen. Einen Vorteil hatte der Kreis bisher: "Es konnten Mittel eingesetzt werden, die anderswo nicht gebraucht wurden", sagt Jürgen Jakobs (CDU). Diese flexible Handhabung ist offenbar ebenfalls gefährdet. Auch Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität Trier, ist nicht froh mit der Kürzung der Mittel. "Wir können nicht mehr so ordentlich für die Region arbeiten", sagt sie."Welche Möglichkeiten haben wir, außer einen Bittbrief nach Mainz zu schicken?", fragt Günter Rösch. Einen Brief wird Landrat Eibes auf jeden Fall schreiben. Darin will er unter anderem die Fördermittelsenkung hinterfragen und um eine Beibehaltung der flexiblen Praxis bitten. Meinung

Keine Lobby für ländliche Regionen Es ist ja lobenswert, Geld in die Schiene zu investieren. Vielleicht fährt die Bahn dann auch irgendwann problemlos. Im Kreis Bernkastel-Wittlich nützt das aber nur relativ wenigen Menschen beim Weg zur Arbeit oder zum Einkauf. Ähnlich sieht es bei den Bussen aus. So schön es auch wäre, wenn Bus und Bahn eine größere Rolle spielten: Die Menschen im Kreis sind auf Auto und Straße angewiesen. Niemand verlangt eine Luxusausführung, aber halbwegs gut befahrbar sollten die Straßen schon sein. Ein Verdacht drängt sich immer mehr auf: Das große Geld fließt in die Ballungsgebiete, dorthin, wo viele Menschen wohnen. Die ländlichen Regionen werden abgehängt. Doch auch dort leben Menschen. Nur fehlt ihnen die Lobby. Einen Ausflug sind Mosel, Eifel und Hunsrück wert - mehr offenbar nicht. c.beckmann@volksfreund.de