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Kreisstraße wird Zufahrtsweg für Windräder

Morbach-Hinzerath/Hellertshausen  : Kreisstraße fällt Windrädern zum Opfer

Bei Hellertshausen im Kreis Birkenfeld werden im Vierherrenwald Windräder errichtet. Das bedeutet das Ende der sogenannten Gerstenmaier-Allee oberhalb von Hinzerath.

Die sogenannte Gerstenmaier-Allee, die Kreisstraße, die oberhalb von Hinzerath in Richtung Hottenbach und Hellertshausen führt, wird in absehbarer Zeit wohl nur noch Geschichte sein. Die rund fünf Kilometer lange Straße, die als Kreisstraße auf der Seite des Landkreises Bernkastel-Wittlich als K125 und auf Birkenfelder Seite als K56 geführt wird, soll eingezogen und künftig als Forstweg oder Wirtschaftsweg weitergeführt werden.

Laut dem Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal empfehlen beide Kreisverwaltungen diese Vorgehensweise, da die Straße lediglich eine geringe Verkehrsbedeutung habe. 2003 sind dort 109 Autos pro Tag gezählt worden, also lediglich vier Autos pro Stunde.

Doch was steckt hinter dieser Entscheidung? Wie kommt diese zustande? Die Kreisstraße selbst hat eine durchschnittliche Fahrbahnbreite von 4,20 Meter und ist lediglich für Fahrzeuge zugelassen, die weniger als 3,5 Tonnen wiegen. Die Geschwindigkeit ist aufgrund des Ausbauzustandes auf 50 Stundenkilometer beschränkt. Auf einem einzelnen Abschnitt auf Bernkastel-Wittlicher Seite, der eine Menge Schlaglöcher und Teerflicken aufweist, ist sogar ein Tempolimit von zehn Stundenkilometer ausgeschildert.

Und doch sollen über die Straße in absehbarer Zeit zahlreiche Schwertransporte unterwegs sein. Denn auf Hellertshausener Gemarkung, im sogenannten Vierherrenwald, hat die Kreisverwaltung Birkenfeld die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt, so dass der Projektierer Gaia für den Betreiber EnBW dort vier Windkraftanlagen errichtet. Der Bau einer fünften Anlage ist derzeit zurückgestellt. Die Transporte, die für den Bau der Windenergieanlagen notwendig sind, führen vom Kreisverkehr am Archäologiepark Belginum über die L159 durch die Ortslage Hinzerath und dann weiter über die Gerstenmaier-Allee zu den Baustellen. Der abfließende LKW-Verkehr wird über Stipshausen wieder zur B50 geführt.

Die notwendigen Schwertransporte zur Beförderung großer Teile, wie die Rotoren der Anlagen mit einem Gesamtgewicht bis zu 135 Tonnen und einer Achslast von zwölf Tonnen, fahren ab der ehemaligen Bahnstation Zolleiche über Forstwege und erreichen oberhalb der Ortslage Hinzerath die L159, von wo aus sie anschließend weiter über die Gerstenmaier-Allee zu den jeweiligen Baustellen fahren.

Pro Windrad sind für die Anlieferung von Bauteilen sowie Stahl für die Türme und Beton für die Fundamente etwa 180 LKW-Fahrten notwendig, sagt eine Sprecherin des Unternehmens EnBW, das die Anlagen betreiben wird. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, sei noch unklar, da noch eine Änderungsgenehmigung eingeholt werden müsse. Die geplanten Windräder haben eine Nabenhöhe von bis zu 160 Metern sowie einen Rotordurchmesser von 70 Metern, können also bis zu 230 Meter hoch werden.

Die Kreisverwaltung Birkenfeld teilt mit, dass die Aufwendungen, die für den Transport der Bauteile einer privatnützigen WEA zur Baustelle entstehen, üblicherweise vom Anlagenbetreiber zu tragen sind. Dazu zähle auch die Herstellung eines Weges, um die erforderliche Tragfähigkeit herzustellen.

 Im Vierherrenwald in der Nähe des Morbacher Ortsbezirks Hinzerath sollen vier Windräder gebaut werden. Weil der Transport der Anlagen über die K56 laufen soll, steht dort eine Veränderung bevor.
Im Vierherrenwald in der Nähe des Morbacher Ortsbezirks Hinzerath sollen vier Windräder gebaut werden. Weil der Transport der Anlagen über die K56 laufen soll, steht dort eine Veränderung bevor. Foto: TV/TV-Grafik

„Im Falle der Aufhebung der Lastbeschränkung für die jetzige Kreisstraße verblieben die Kosten jedoch beim Landkreis. Dementsprechend kann einer Aufhebung der Lastenbeschränkung für die K56 nicht zugestimmt werden“, sagt Jürgen Schlöder, zuständiger Dezernent bei der Kreisverwaltung Birkenfeld. Das heißt: Die Landkreise wollen für die Wiederherstellung der Kreisstraße nach dem regen Baustellenverkehr kein Geld ausgeben. Doch auch die Übernahme der entstandenen Kosten durch den Anlagenbetreiber sei aufgrund rechtlicher Vorgaben aus dem zuständigen Ministerium nicht möglich, sagt Schlöder. Besteht für eine Straße kein öffentliches Verkehrsbedürfnis – kurz: Die Straße wird zu wenig von Autofahrern genutzt - so sei die Straße einzuziehen. Die Gemeinden könnten diese dann als Wirtschaftswege nutzen. Wobei der Morbacher Bürgermeister Hacke­thal davon spricht, dass dieser Verkehrsweg im Eigentum des Landes bleibt. Hackethal: „Eine Übertragung ins Eigentum der Gemeinde Morbach ist nicht vorgesehen.“