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Kreisverwaltung will mobile Einkaufsstraße in Irmenach verbieten

Corona : Mobile Einkaufstraße: Händler dürfen erst nach Gerichtsurteil öffnen

Erst nach einem Gerichtsurteil haben verschiedene Anbieter in Irmenach am Montag ihre Waren verkaufen können. Die Kreisverwaltung wollte das unterbinden.

Als Peter Sauer, Organisator der mobilen Einkaufsstraße in Irmenach, am Montagnachmittag sich telefonisch nochmals beim Verwaltungsgericht Trier vergewissert, dass die Aktion stattfinden kann, ist er erleichtert. „Wir können aufbauen. Ruf die anderen an, sie sollen zurückkommen“, sagt er zu Monika Schmitt, die ihren Einkaufswagen mit Unterwäsche halb geschlossen hält und jetzt zügig verkaufsbereit macht.

Was ist passiert? Sauer, der seinen Unterhalt mit dem Verkauf von Gewürzen auf Märkten bestreitet, hat sich aufgrund der Corona-Einschränkungen und des damit verbundenen Verbots von Spezialmärkten eine mobile Einkaufsstraße einfallen lassen. Händler, die sonst auf Märkten ihre Waren anbieten, stellen sich dort mit Abstand auf private Grundstücke und öffnen für einen Tag ihre rollenden Geschäfte (der TV berichtete). Der Start für eine Reihe von mobilen Einkaufsstraßen war für Montag in Irmenach geplant. Doch am Freitag zuvor verbietet die Kreisverwaltung den Verkauf – für die Händler überraschend. Die Begründung liegt in der 13. Corona-Bekämpfungsverordnung, sagt Monika Scheidt, Sprecherin der Kreisverwaltung. Diese habe den Sinn und Zweck, öffentliche und private Kontakte zu reduzieren. Aus Erfahrung würden die Aha-Regeln wie Abstände halten bei Veranstaltungen, auf denen sich viele Menschen treffen, nicht eingehalten. Da der Initiator keinen Antrag gestellt hat, habe die Kreisverwaltung die mobile Einkaufsstraße erst kurzfristig untersagen können, so Scheidt.

Sauer hatte keinen Antrag gestellt, weil es sich seiner Ansicht nach nicht um eine Veranstaltung handele. „Es sind Einzelhandelsgeschäfte“, sagt er. Sauer legt noch am Freitag über einen Rechtsanwalt Widerspruch ein. Das Verwaltungsgericht Trier gibt diesem statt mit der Auflage, dass Verkaufswagen auf der gleichen Straßenseite 30 Meter entfernt sein müssen und die Aha-Regeln befolgt werden.

Marion Schmitt steht am Montag seit 8 Uhr bereit, kann aber erst um 13.30 Uhr ihren Verkaufswagen öffnen. „Ich finde das furchtbar“, sagt sie. Bereits am Morgen seien viele Kunden da gewesen und enttäuscht, dass nichts verkauft werden durfte.

Insgesamt hat die mobile Einkaufsstraße unter dem Verbot der Kreisverwaltung gelitten. Von den 19 angekündigten Händlern sind nur neun nach Irmenach gekommen. Und davon sind vier bereits wieder auf dem Weg nach Hause, als das Urteil des Verwaltungsgerichts eintrifft, so dass lediglich fünf Händler ihre Waren verkaufen. Morgens seien viele Leute da gewesen, die nachmittags nochmal kommen wollten, sagt Sauer.

„Wir sind enttäuscht“, sagen drei Damen, die aus Enkirch nach Irmenach gekommen sind. Sandra Werner, die mit ihrer Mutter ebenfalls aus Enkirch angereist ist, deckt sich mit Unterwäsche ein. „Hier bekommen wir gute Qualität“, sagt sie. Bei Ingrid Gallenberg aus Koblenz, die mit ihrem Wagen Glückwunschkarten verkauft, bricht sich aufgrund der langen Ungewissheit am Vormittag der Frust über ein verlorenes Jahr Bahn. „Dass die Richter für uns entschieden haben, das freut mich“, sagt sie. Den Händlern seien viele Steine in den Weg gelegt, im Sommer sämtliche Märkte verboten worden. „Aber die Städte waren knüppelvoll“, sagt sie.

Wie die Kreisverwaltung mit dem Gerichtsurteil umgeht ist noch ungewiss, da auch noch keine Begründung vorliegt, sagt Kreis-Pressesprecherin Scheidt. Zudem sei eine mobile Einkaufsstraße mit dem anstehenden Lockdown obsolet geworden. Jedenfalls werde man sich verwaltungsintern besprechen, wie man künftig auf solchen Aktionen reagiert.