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Kreuz aus Birknestämmen erinnert an Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg

Gedenken an den Zweiten Weltkrieg : Der Tag, an dem Heinzerath fast verschwand

Ein neues Kreuz erinnert daran, wie der Ort 1943 knapp einer Katastrophe entgangen ist.

Kreuze am Wegesrand sind Erinnerungen. Oft werden sie im Gedenken an Unglücke oder Verstorbene errichtet. Josef Schmitz und Andreas Bastian haben ein Kreuz aus Birkenstämmen etwas südlich außerhalb der Ortslage von Heinzerath aufgestellt, an einer Stelle, die die Einheimischen „Besch“ nennen.

Das Kreuz erinnert an einen Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg. Ein englischer Bomber mit sieben Mann Besatzung war in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1943 unterwegs in Richtung Mannheim, um dort seine tödliche Fracht abzuwerfen. Doch über der Eifel wurde der Bomber von einem deutschen Jäger angegriffen und in Brand geschossen. Bis Heinzerath ist das Flugzeug noch gekommen, dann stürzte es nahe dem heute rund 320 Einwohner zählenden Dorf ab.

„Das Kreuz steht für Heinzerath“, sagt der Morbacher Heimatforscher Berthold Staudt. „Wäre der Bomber 200 Meter früher abgestürzt, wäre das Dorf heute nicht mehr da.“ Bewusst habe man sich für ein Kreuz aus rohen Birkenstämmen entschieden, sagt Schmitz. „Birke erinnert an Krieg. Viele Soldatengräber haben solche Kreuze bekommen, weil Birke vorhanden war“, sagt er.

Eine Tafel an dem Kreuz klärt Wanderer über die damaligen Geschehnisse auf. So sind von den sieben Personen Besatzung des Bombers sechs ums Leben gekommen. Der Siebte, ein Engländer namens Addington Norman Hobden, überlebte schwer verletzt. Hobden besuchte die Absturzstelle 2004 und schilderte damals dem Trierischen Volksfreund das Geschehen aus seiner Sicht. Etwa fünf Minuten nach dem Angriff des Jägers sei es ihm gelungen, trotz Brandwunden am Arm und im Gesicht mit dem Fallschirm abzuspringen. Er landete in einem Birnbaum. Nachdem er von Bewohnern befreit wurde, kam er in Schutzhaft und wurde im Morbacher Krankenhaus behandelt.

Erst 1945 wurde der damals 24-Jährige aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Augenzeugen erzählten dem Trierischen Volksfreund beim Besuch des Engländers 2004, wie beim Absturz nach einer heftigen Explosion im Habachtal eine Feuersäule 100 Meter in den Himmel stieg. Ein anderer Augenzeuge hatte einen Tag später die Unglücksstelle besucht. Er berichtete von einem grauenvollen Bild mit den Toten im ausgebrannten Rumpf der Maschine, einem qualmenden Waldboden und weit zerstreuten Wrackteilen.

Anlass für Schmitz und Bastian, jetzt ein Kreuz aufzustellen, ist das Buch über Kreuze, Kapellen und Bildstöcke in der Gemeinde Morbach, das Berthold Staudt vor wenigen Wochen herausgebracht hat. Darin erwähnte er auch ein Kreuz, das seinerzeit wegen des Absturzes am Waldrand bei Heinzerath aufgestellt wurde, inzwischen aber nicht mehr vorhanden ist. Grund genug für Schmitz und Bastian, mit einem neuen Kreuz dem Absturz 1943 zu gedenken.

Das Buch ist bei Berthold Staudt unter der Telefonnummer 06533/4451 erhältlich.