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Kreuzfahrtschiffe auf der Mosel: Es tut sich was in der Dieselaffäre

Kreuzfahrtschiffe auf der Mosel: Es tut sich was in der Dieselaffäre

Das Problem mit den lärmenden Generatoren der Kreuzfahrtschiffe an der Mosel beschäftigt die Verwaltungen.

Vielen Anrainern der Mosel bleibt eine stille Nacht oft verwehrt. Denn an den Ufern der beliebten Ausflugsziele wie Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach machen über Nacht meist Kreuzfahrtschiffe fest, die neben den gerngesehenen Touristen auch Gestank und Lärm mitbringen. Für die Klimaanlagen und weitere elektronische Anlagen brauchen die Hotelschiffe zu jeder Uhrzeit Strom, weswegen die großen Pötte auch in der Nacht die Dieselgeneratoren brummen lassen . "Das gibt monotone Geräusche im niederfrequenten Bereich", erklärt Wolfgang Port, Bürgermeister von Bernkastel-Kues.

Die Lärmentwicklung sei in den letzten Jahren sehr schwierig gewesen, der Zustand habe sich nur etwas verbessert, sagt Port. So sieht es auch Dieter Kettermann, Inhaber des Hotels Bären. Die Lärmbelästigung sei zwar nicht mehr so eklatant, weil einige Schiffe nachgerüstet hätten, aber mindestens einmal im Monat würden immer noch Gäste vorzeitig abreisen, sagt Kettermann. "Die sagen: ,Ich halte das nicht aus!‘" Deshalb habe man den Hotelgästen Ohrenstöpsel aufs Zimmer gelegt. "Aber die Schiffe haben eine Betriebserlaubnis und dürfen nachts die Generatoren laufen lassen", erklärt Bürgermeister Port. "Man kann sie nicht dazu zwingen, am Festland ans Stromnetz zu gehen.
Außerdem können die ja sonst auch im Grünen vor Anker gehen."

Insbesondere in den Sommermonaten seien es viele Schiffe, sagt Port. "Manchmal liegen hier drei bis vier am Tag. Eines ist meist immer da - auch über die Nacht." Doch die Stadt, die nur im Besitz einer der zwölf Anlieger sei, könne die privaten Betreiber nicht dazu verpflichten, Stromanschlüsse für die Kreuzfahrtschiffe zu installieren, sagt Port. "Dennoch wollen wir da eine Lösung finden. Das steht auf unserer Aufgabenliste und wird beim Wettbewerb zur Neugestaltung des Moselufers mit ausgeschrieben."

Die Stadt wolle endlich eine Lösung dafür finden, dass die Schiffe nachts an das Stromnetz angeschlossen werden müssen, sagt Port.

In Traben-Trarbach sehe die Situation schon besser aus, sagt Hans-Joachim Weinmann, erster Beigeordneter der Stadt. Der große Anleger auf der Trarbacher Seite sei von dem privaten Eigentümer, einer Reederei, fertiggestellt worden und werde nun ans Stromnetz angeschlossen. "Da haben wir mit der Reederei eine Zwangsstromabnahme vereinbart." Die Stadt überlege außerdem, ihren eigenen Steg auf Trabener Seite zu verkaufen, sagt Weinmann. "Dort einen Stromanschluss für größere Schiffe zu installieren würde uns etwa 500.000 Euro kosten", erklärt er. Deshalb sei man mit privaten Interessenten für den Steg im Gespräch.

Derweil sich einige Gastronomen über die großen Schiffe ärgern, haben die Eigentümer des Hotels Weisser Bär in Mülheim selbst ein Hotelschiff angeschafft: den Riverbär. "Unsere Gäste haben das Interesse, mal etwas Neues auszuprobieren", sagt Katrin Heinz, Assistentin der Geschäftsleitung. Jeden Sonntag zum Brunch legt das Schiff, das mit seinen 29 Kabinen sowie drei Suiten der Erweiterung des Hotels dient, ab. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen der Reedereien liegt es jedoch nachts vor dem Hotel in Mülheim still vor Anker.

Doch trotz des Lärms will auch in Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach niemand auf die Schiffe, die dort nachts die Generatoren laufen haben und Lärm machen, verzichten. "Das ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Bürgermeister Port. "Nur manche profitieren davon. Die Schiffspassagiere schlafen nicht hier und essen in der Regel auch nicht in der Stadt, da sie auf den Schiffen Vollpension haben. Die meisten trinken nur einen Kaffee." Doch manche Touristen der Kreuzfahrtschiffe kämen später nochmal ohne Schiff, sagt Port. "Daher muss man die Kreuzfahrten als Akquisition sehen."