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Kriseninterventionsteam soll JVA-Bediensteten in Wittlich helfen

Kriseninterventionsteam soll JVA-Bediensteten helfen : Hilfe für Wittlicher JVA-Mitarbeiter nach Ausnahmesituationen

Vor mehr einem Jahr wurde ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Wittlich von einem Häftling lebensgefährlich verletzt. Nach Vorfällen wie diesen ist auch psychische Hilfe nötig. Das Projekt Wittkitt soll Unterstützung bieten.

Sie sorgen dafür, dass die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wittlich läuft und müssen dabei sowohl mit psychischen als auch physischen Attacken zurechtkommen. Dabei sollen die Bediensteten der JVA aber nicht allein gelassen werden. Das Kriseninterventionsteam „Wittkitt“ bietet seit knapp eineinhalb Jahren Hilfe und Unterstützung an. Im Rahmen der Kampagne „Respekt.Bitte“ besuchte Justizminister Herbert Mertin am  Donnerstag die Vollzugsanstalt in Wittlich und informierte sich über das Projekt.

„Es ist eine erste Hilfe für die Psyche bei besonderen Vorkommnissen.“ So beschreibt Matthias Linden, Leiter der Außenpforte, die Funktion des Kriseninterventionsteams.

Sie wollen Unterstützung bieten, wenn Bedienstete einen Menschen auffinden, der sich selbst getötet hat oder uach, wenn sie physisch attackiert wurden.  In solchen Ausnahmesituationen sollen die Mitarbeiter einen Ansprechpartner haben, um das Geschehene verarbeiten zu können. „Das Ziel ist, das Chaos in der Psyche aufzuräumen, indem man über die Ereignisse redet“, erklärt Linden.

Das Team bestehe aus zwölf Mitgliedern, die den knapp 370 Bediensteten bei Bedarf zur Seite stehen. Das Team setze sich aus allen Fachrichtungen und Dienstgruppen der JVA zusammen. Sie seien keine Profis, sondern Kollegen, die  in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Polizei ausgebildet worden seien. „So begegnen die Helfer den Betroffenen nicht nur auf kollegialer Ebene, sondern bieten auch eine gewisse Grundschulung“, erläutert Jörn Patzak, Leiter der JVA Wittlich.

Viele Häftlinge seien höflich gegenüber der Staatsbediensteten, aber gebe es auch Ausnahmen. Manche würden sich respektlos verhalten.  Das könne sich durch unterschwelligen Druck, Beleidigungen oder körperliche Angriffe gegenüber den Beamten zeigen. „Wir wollen den Kollegen den Druck nehmen“, so Patzak. Ein Werbeflyer zeige, an wen sich die Mitarbeiter bei Bedarf wenden könnten.

Seit Sommer 2019 gibt es „Wittkitt“ in der JVA und wurde auch schon von 70 Beamten genutzt. Zum ersten Mal in Einsatz gekommen sei das Kriseninterventionsteam im Juli vergangenen Jahres. Dort wurde ein Mitarbeiter der JVA von einem Gefangenen mit einer Rasierklinge lebensgefährlich am Hals verletzt worden (der TV berichtete mehrfach).

Linden: „Wir bieten die Hilfe rund um die Uhr an.“ Auch sei das ganze vertraulich und werde nicht in die Personalakte eingetragen. So würde die Hemmschwelle, sich dort zu melden, wesentlich sinken. „Das Darstellen seiner Schwächen zeigt eigentlich eine Stärke“, meint Linden. Ziel des Gespräches sei es, gestärkt wieder herauszugehen.

Justizminister Herbert Mertin beglückwünscht die JVA zu dem Projekt und lobt das herausragende Engagement der Teammitglieder. Am Beispiel der JVA Wittlich sehe man, wie man den Bediensteten zur Seite stehen könne. Dass sich seit Sommer 2019 bereits 70 Beamte an das Team gewandt hätten, zeige schon, dass der Bedarf da sei. „Wir wollen prüfen, wie wir allen Bediensteten unserer Justiz - nicht nur in den Justizvollzugsanstalten - zukünftig in Krisensituationen vergleichbare Angebote machen können“, sagt Mertin. Es sei wichtig, dass die Mitarbeiter bei solchen Vorkommnissen wie im vergangenen Jahr aufgefangen werden und einen Ansprechpartner hätten.