1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Wohnen: Kritik am Neubaugebiet in Bruch verstummt nicht

Wohnen : Kritik am Neubaugebiet in Bruch verstummt nicht

Das Neubaugebiet in Bruch ist beschlossene Sache. Die Erschließung läuft und die Gemeinde Bruch schafft damit Fakten. doch kritiker finden noch immer mehr Gründe gegen das Neubaugebiet nahe des überschwemmungsgefährdeten Bereichs an der Salm.

Streit um ein Neubaugebiet spaltet das Eifeldorf Bruch in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Bürger im Ort protestieren gegen die Erschließung eines Neubaugebiets, das ihrer Meinung nach zu nah an der Salm geplant wurde. Sie fürchten, dass dort im Hinblick auf Hochwasser, wie es die Region bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 erlebt hat, zu nah am Wasser gebaut wird (wir berichteten). Doch die Gemeinde, welche den Bebauungsplan mit der auf Landesebene für den Hochwasserschutz zuständigen Fachbehörde abgestimmt hat, sieht nach einer Korrektur der Planung keine Gefahr mehr. Aufgrund des Hochwasserereignisses am 14. und 15 Juli 2021 wurden die Festsetzungen des Bebauungsplanes zur vorgeschriebenen Höhenlage der Gebäude angepasst. Der Beschluss zum Neubaugebiet im Ortsgemeinderat fiel einstimmig. Das Neubaugebiet ist mittlerweile aber nicht mehr nur beschlossene Sache, sondern seit Mitte April laufen „In Krummenau“ bereits die Erschließungsarbeiten. Die Kritik an der Erschließung von zwölf Baugrundstücken aus den Reihen der Bürgerschaft ist damit jedoch nicht verstummt. Im Gegenteil: Seit der Berichtetrstattung in unserer Zeitung zieht das Thema immer weitere Kreise. Nicht nur, dass sich auch der Südwestrundfunk des Themas annahm und zur besten Sendezeit im Abendprogramm über das Neubaugebiet in Bruch berichtete. In der Redaktion unserer Zeitung meldeten sich in den vergangenen Wochen noch immer mehr Einwohner, die mit der Erschließung des Neubaugebiets nicht einverstanden sind.

Den Daten und Fakten, welche die Behörden und Planer zu dem Neubaugebiet veröffentlichen, meint ein Bürger aus dem Ort, sei nicht zu trauen. „Alle wesentlichen Tatsachen, die die Ausweisung des Baugebietes zu einem ökologischen und finanziellen Desaster lassen werden“, seien zudem in der bisherigen Berichterstattung gänzlich außer Acht gelassen worden. Wie andere Bürger aus dem Ort hat er unsere Zeitung um weitere Berichterstattung zum Thema gebeten. Bei einem Besuch der Lokalredaktion Wittlich formuliert er weitere Kritikpunkte, die, wie er sagt, gegen das Neubaugebiet sprechen würden.

Zufahrt Er zeigt Luftbilder, die mit einer Drohne während der Überschwemmung am 14. Juli 2021 Im Krummenau aufgenommen wurden. „Bei Hochwasser wird die einzige Zufahrtsstraße zum Neubaugebiet überflutet. Wie sollen da Rettungswagen und Feuerwehr durchkommen, wenn es dort brennt“, fragt er. „Wenn die Zufahrt eineinhalb Meter unter Wasser steht, können Bewohner das Neubaugebiet bei Hochwasser nur nach oben durch die Hecken verlassen. Im Ernstfall gibt es dort nur durch Hubschrauber Rettung, was nicht nachvollziehbar ist.“

Kosten Seiner Meinung nach wäre ein Hausbau auf den unteren fünf Bauplätzen nahe des überschwemmungsgefährdeten Gebiets auch kaum mehr finanzierbar. Durch die neuen Festsetzungen im Bebauungsplan müssen die Fußböden im Erdgeschoss dort je nach Lage zwischen 0,3 und 0,5 Meter angehoben werden. „Da muss zunächst Boden abgefahren und zusätzlicher Schotter aufgetragen werden. Das verursacht bei Häuslebauern Mehrkosten bis zu 20.000 Euro.“ Die Ortsgemeinde werde deshalb auf den unteren Baustellen sitzenbleiben, meint der Kritiker. Zudem sei die erste Baureihe nicht gegen Hochwasser versicherbar, meint der Kritiker.

Interessenten Aus diesen Gründen sei die Zahl der Interessenten für Baugrundstücke „In Krumenau“ sehr niedrig. Wir haben die Verbandsgemeindeverwaltung Wittlich-Land um Auskunft gebeten: „Nach aktuellem Stand wurden bisher zwei Grundstücke verkauft“, erklärt die Behörde. Vier weitere potenzielle Käufer aus der Gemeinde Bruch wie auch aus den Nachbargemeinden hätten ihr Interesse bekundet „und möchten Grundstücke kaufen“.

Kritikpunkte Noch weitere Bürger aus Bruch haben sich zu Wort gemeldet, um ihre Kritik am Neubaugebiet loszuwerden. Einen Bürger stört, dass die Gemeinde zur Anlegung des Neubaugebiets dort den „Sumpf“ mit Drainagerohren trockengelegt und Fröschen damit regelrecht das Wasser abgegraben habe, was mit dem Naturschutz kollidiere. „Die Tiere können dort nun nicht mehr ihren Laich ablegen.“ Auch der „hohe Grundwasserpegel“ Im Krummenau „sei problematisch“, sagt ein anderer Bürger. In Bruch werde deshalb nicht "zu nah", sondern mittlerweile "im Wasser" gebaut. Ein Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hat sich gar entschlossen, „beim Ministerium für Umwelt in Mainz Baustopp zu beantragen“. Das Neubaugebiet sorgt im kleinen Eifelort Bruch also weiterhin für Wallung. Die Gemeinde hält trotz aller Kritk an der Planung und Umsetzung fest.