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Kritik an erster Windkraft-Planung

Kritik an erster Windkraft-Planung

Zu den 16 Windrädern in der Verbandsgemeinde Thalfang sollen sich in Zukunft weitere hinzugesellen. Dafür wurde im VG-Rat eine erste Planung vorgestellt. Die Mitglieder sind damit noch nicht zufrieden.

Thalfang. Die Windkraft in der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang bleibt ein heißes Thema. Eines, über das am Montagabend im VG-Rat viel diskutiert wurde, nachdem die Planungsbüros die Ergebnisse ihrer Vorstudie präsentierten. Denn zum ersten Mal liegt für die komplette VG ein Vorschlag für Windenergiestandorte vor.
Dabei wurden landes- und regionalplanerische Ausschlusskriterien wie Naturschutz, Mindestabstände zu Siedlungen sowie Abstände zu Straßen und Stromleitungen in der VG berücksichtigt (siehe Grafik). Auch die historische Kulturlandschaft um das Moseltal wurde miteinbezogen, die der aktualisierte Entwurf des Landesentwicklungsprogramms (Lep) IV vorsieht, der noch diskutiert wird. Davon sind Büdlich, Heidenburg und Horath betroffen.
Die Planungsgemeinschaft empfiehlt darüber hinaus, das Tal der Dhron, kleinen Dhron und das Singende Tal sowie die Gebirgslagen des Erbeskopfs außen vor zulassen. Dies ist laut den Experten mit der Kulisse nicht vereinbar. Zudem plädieren sie dafür, nur Standorte ab einer Windhöffigkeit von 5,8 Kilometern pro Sekunde zu berücksichtigen und kleine Flächen auszunehmen, damit die Windräder auf wenigen großen Flächen konzentriert stehen.
Nach Ausschluss aller Konfliktbereiche ergeben sich mögliche Windkraft-Gebiete vor allem im Norden der VG. Die größten Flächen liegen demnach in den Gemeinden Büdlich, Breit, Heidenburg, Berglicht, Talling, Schönberg, Neunkirchen, Immert sowie Rorodt. Ein weiteres großes Gebiet in der Ortsgemeinde Thalfang ist fraglich, weil es auch Wasserschutzzone ist - dort sind Windanlagen nur im Einzelfall erlaubt, wenn der Schutzzweck nicht gefährdet wird. Bei der Planung nahezu außen vor wären dagegen Horath, Gräfendhron, Malborn und Hilscheid.
Debatte über Kulturlandschaft


Ein Vorschlag, der bei den Ratsmitgliedern auf wenig Gegenliebe stößt. Es sei nicht hinnehmbar, dass ganz Horath zur historischen Kulturlandschaft zähle, sagt Werner Breit, Fraktionssprecher der FDP. Auch Richard Pestemer, Sprecher der FWG-Fraktion, sieht den Ausschluss von Horath problematisch.
Gereon Haumann (CDU), der ein Familienhotel in Horath betreibt, steht der Abgrenzung der Kulturlandschaft dagegen positiv gegenüber. "Es geht um den Einblickwinkel vom Moseltal, deshalb ist es berechtigt, diese Flächen auszunehmen." Wichtiger ist ihm, dass neben den ökologischen Gesichtspunkten auch die touristischen Belange bei der Standortwahl bedacht werden.
Für Siegbert Ott (ebenfalls CDU) ist der Plan misslungen. "Wir als Malborner sollen leer ausgehen, nur weil der Schwarzstorch hier ein Nest hat." Herbert Schu (FWG) sieht das ähnlich. Es könne nicht sein, dass die Thalfanger immer die Naturschutzlasten übernehmen müssten und dafür nichts bekommen würden, sagt er. "Logisch zusammenhängende Strukturen sind sinnvoll, aber die Restriktionen häufen sich ganz schön und das frustriert". Bettina Brück (SPD) geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Planung komme ihr vor "wie eine Verhinderungsplanung".
Von einer Verhinderungstaktik will Planer Thomas Lang von der BKS Ingenieurgesellschaft nichts wissen. "Wir sprechen hier von weit mehr als den vom Land geforderten zwei Prozent der Fläche für Windräder." Trotz aller Empfehlungen könnten theoretisch 120 Rotorriesen aufgestellt werden - auf mehr als zehn Prozent der VG-Fläche. Das Planungsbüro gebe lediglich Empfehlungen, diesen müsse Thalfang aber nicht folgen, stellt er klar.
Entscheidung erst 2013


Einig war sich der VG-Rat bei der Diskussion darin, den Solidarpakt zur Windkraft weiter zu forcieren. So sollen auch die Gemeinden, die für Windräder nicht geeignet sind, einen Ausgleich erhalten.
Mit einer konkreten Standortentscheidung ist laut Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo nicht vor Mitte des kommenden Jahres zu rechnen. "Wir werden alles nach den gesetzlichen Bedingungen prüfen." Der VG-Rat hat einstimmig beschlossen, die Karte mit Potenzialflächen zur Kenntnis zu nehmen und die Ortsgemeinden zu einer Stellungnahme aufzufordern. Dabei sollen auch touristische Belange berücksichtigt werden. Dazu haben sie zwei Monate Zeit. Danach geht das Thema erneut in den Verbandsgemeinderat.Extra

Landesentwicklungsprogramm (Lep) IV: Der VG-Rat Thalfang hat den zweiten Entwurf des Lep IV zur Kenntnis genommen. Im Hinblick auf die Konkretisierung der historischen Kulturlandschaft des Moseltals sprechen laut dem Rat aber einige Gründe dafür, diese Gebiete auf Flächen außerhalb der VG zu begrenzen. Das habe ein Landschaftsbildgutachten ergeben. Dieses weist unter anderem darauf hin, dass es Bereiche gibt, die keine Prägung durch besondere historische Baudenkmäler im Zusammenhang mit dem Moseltal oder dem Steillagen-Weinbau haben. Im Einzelfall sei aber die Wirkung von Windrädern auf das Moseltal zu prüfen. Bei der Fortschreibung des regionalen Raumordnungsplans solle dies berücksichtigt werden. Mehrheitlich hat sich der Rat zudem dafür ausgesprochen, dass im Lep IV auch touristische Belange zu prüfen sind und landwirtschaftliche Flächen als Gebiete für Photovoltaik-Anlagen nicht zur Verfügung stehen sollen. hsc