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Betreiber erhöht Komfortzuschlag
Kritik an steigenden Kosten für Wittlich-Shuttle

 Er bringt die Wittlicher von A nach B – und sorgt nun für Diskussionen im Stadtrat: Der Mercedes-Benz Vito, besser bekannt als Wittlich-Shuttle. Die Kritik bezieht sich auf den erhöhten Fahrpreis.
Er bringt die Wittlicher von A nach B – und sorgt nun für Diskussionen im Stadtrat: Der Mercedes-Benz Vito, besser bekannt als Wittlich-Shuttle. Die Kritik bezieht sich auf den erhöhten Fahrpreis. FOTO: Stadtverwaltung Wittlich
Wittlich. Die Bürger nutzen den Rufbus in der Stadt weiter sehr gut. Eine Preiserhöhung sorgt nun für eine Diskussion im Stadtrat. Doch der ist vorerst machtlos. Von Christian Thome

Es könnte alles so schön sein, wenn man an den Wittlich-Shuttle denkt. Ein Projekt, bei dem die Säubrennerstadt bundesweiter Vorreiter ist, das dazu noch exzellent angenommen wird. Doch ganz so heile ist die Shuttle-Welt nicht. Denn der Komfortzuschlag wurde erhöht, was einigen Stadtratsmitgliedern so gar nicht gefällt. Doch eines nach dem anderen.

Das Projekt Der Wittlicher Rufbus startete am 1. August 2016 und war zunächst auf zwei Jahre festgelegt. Die Kosten für die Stadt lagen bei 135 000 Euro, verteilt auf zwei Jahre. Im Dezember 2017 startete die Stadt dann die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Ioki, einer Tochterfirma der Deutschen Bahn. Ende Mai ging das neue Buskonzept von der Testphase in den Regelbetrieb über. Mit diesem Übergang wurde ein zweiter Bus in Betrieb genommen, und die Fahrtzeiten wurden ausgeweitet. Die Busse verkehren seitdem montags bis freitags von 5 bis 20 Uhr zwischen den 70 Haltestellen. Die Gestaltung der Fahrzeuge hat sich ebenfalls verändert. Sie fahren unter dem Namen „Wittlich Shuttle“.

Die Buchung einer Fahrt ist seitdem nicht nur per Telefon, sondern auch über die von Ioki entwickelte App möglich. Der Start des bundesweit ersten „digitalen Rufbusses“ der Deutschen Bahn hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Modell soll auch in anderen Städten Deutschlands zum Zug kommen, unter anderem nahm Anfang August in Hamburg ein ähnliches, an das Wittlicher Modell angelehntes Projekt den Betrieb auf.

Die Nutzerzahlen Das Pilotprojekt läuft auch weiterhin sehr gut. In den vergangenen Monaten haben sich die Zahlen verbessert, wie Jan Mußweiler von der Stadt Wittlich erklärt. Im November nutzten 903 Menschen den Service. Vergleicht man das mit dem gleichen Monat 2017, dann ist die Steigerung deutlich: damals nutzten 445 Menschen den Bürgerbus. Im Dezember gingen die Zahlen auf 789 Nutzer zurück, was allerdings Gründe hat: „Wir hatten im Dezember aufgrund der Feiertage nur 14 Betriebstage“, erklärt Mußweiler. Besonders erfreulich sei, dass die Zahl im Januar wieder gestiegen sei, auf 850 Nutzer. Insgesamt wurden in 30 Monaten Wittlich-Shuttle 14 144 Fahrgäste transferiert. Der Zuschuss der Stadt liegt momentan bei durchschnittlich 11,93 Euro je Fahrgast.

Die Haltestellen Spitzenreiter bei den Haltestellen ist weiterhin der ZOB mit 2478 Fahrten, was sich Mußweiler damit erklärt, dass dort auch das Verteilzentrum liege. Auf Platz zwei folgt das Krankenhaus (2123) und auf Platz drei der Hauptbahnhof (858).

Problematisch sei das Hinzufügen neuer Haltestellen, dafür brauche man teilweise ein halbes Jahr. Einfacher ist es hingegen, Haltestellen abzuschaffen.

Genau darüber denkt die Stadt nach, denn einige werden nicht oft genutzt: „Wenn man sieht, dass Haltestellen wie die Realschule plus oder die Unterführung Wengerohr nur einmal angefahren wurden, muss man überlegen, ob man diese braucht“, sagt Mußweiler. Bei der Einrichtung neuer Haltestellen wünscht er sich mehr Flexibilität. Außerdem soll das Angebot in Sachen Betriebszeiten und teilnehmender Gemeinden weiter ausgedehnt werden.

Die Kritik Also, alles gut beim Shuttle? Nein. Zumindest, wenn es nach der Grünen-Fraktion geht. Denn der Komfortzuschlag wurde erhöht. Zur Erklärung: Der Fahrpreis errechnet sich aus dem Preis einer Einzelfahrkarte im VRT-Tarif in Höhe von 2,10 Euro plus dem Komfortzuschlag. Dieser beträgt nun 1,90 Euro. Kunden, die beide Fahrpreise im Bus entrichten, zahlen jetzt also maximal vier Euro für eine Fahrt, vor der Erhöhung waren es drei Euro. „Ich habe mit einigen Bürgern gesprochen. Die Erhöhung von drei auf vier Euro ist je nach Fahrt echt hoch“, klagt Harald Fau (Grüne).

Er regt an den Komfortzuschlag für Stadt und Stadtteile verschieden hoch anzusetzen: „Wir sollten darüber nachdenken in den Stadtteilen zwei Euro und in der Stadt einen Euro zu erheben“. Momentan ist der Zuschlag für alle gleich. Auch für seine Fraktionskollegin Stefanie Pützer-Queins sind „vier Euro pro Fahrt und acht Euro für Hin- und Rückfahrt echt viel Geld“. Jan Mußweiler erklärt die Erhöhung dadurch, dass der Projektpartner Ioki testen wolle, wie viel der Kunde bereit sei zu zahlen: „Das ist der Sinn eines Pilotprojektes.“

Erhebungen zufolge seien die Bürger außerdem bereit noch mehr zu zahlen. Grundsätzlich könne die Stadt den Preis während des Projektzeitraumes nicht selber regulieren. Das sei erst nach dem Ablauf dieser Zeit am Ende des Jahres möglich.