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Kröver Nacktarsch: Jubiläum 100 Jahre - Eindrücke von der Feier

Jubiläumsfeier : (Fotos) Den Winzern aus Kröv gehen auch nach 100 Jahren nicht die Ideen aus

Der Hundertjährige, der für seinen Namen kämpft: Jubiläum beim Kröver Nacktarsch mit festlicher Weinprobe und vielem mehr.

Er trägt einen derb-unflätigen Namen. Er wirbt mit einem entblößten Hinterteil. Und er macht ein Dorf an der Mosel weltbekannt. Jetzt hat der Kröver Nacktarsch sein 100. Jubiläum, und sein Geburtstag wurde am Wochenende in der Moselgemeinde mit einem Festabend gebührend gefeiert.

 Die künftige Mosella Saskia beim traditionellen Aufwiegen.
Die künftige Mosella Saskia beim traditionellen Aufwiegen. Foto: Susanne Stumm

Die Geschichte der Weinlage und vor allem seiner Namensgebung begann 1922, als das erste Etikett für den Moselwein warb, das bis heute die Weinflaschen ziert: Ein Kellermeister versohlt einem jungen Burschen den blanken Hintern, nachdem er ihn beim Naschen vom für ihn verbotenen Rebensaft erwischt hat.

 Der Musikverein Kröv spielt vor der Weinbunnenhalle.
Der Musikverein Kröv spielt vor der Weinbunnenhalle. Foto: Susanne Stumm

Eine Ausstellung in der Weinbrunnenhalle am Nachmittag zeigte, wie im Lauf der Jahre der Name der Weinmarke als anstößig, gar obszön beurteilt wurde. Dabei ist zu vermuten, dass die prüde Ablehnung eines genialen Werbenamens wohl eher mit Neid auf eine äußerst effektive Werbe­strategie zu tun hat. Schnell kamen deshalb Fälschungen und nach­ge­ahmte Weine auf den Markt. Und was taten die Kröver Winzer? Um die Herkunft des Weines für den Kunden zu garantieren, verschlossen sie die Flaschen mit einem eigens bedruckten Korken. Ewald Kneib zeigte die interessante Technik, wie die eigene Signatur auf die Korken gebracht wird, an der 80 Jahre alten originalen Maschine.

Am Abend hatte der Winzerverein dann zur festlichen Weinprobe eingeladen: 13 erlesene Weine verschiedener Winzer der Großlage Kröver Nacktarsch wurden von den Mitgliedern der Trachten­tanzgruppe in ihren Moselblümchen­trachten ausgeschenkt.

Otto Schnitzius als erster Vorsitzender des Winzervereins begrüßte die Ehrengäste – Bürgermeister Marcus Heintel, Ortsbürgermeister Thomas Martini sowie die Weinmajestäten Saskia und Kirsten. Er ging auf die wechselvolle Geschichte des Kröver Moselweins ein, die aktuell noch nicht beendet ist: Dem Markennamen droht im Jahr 2026 das Aus. Aufgrund der neuen EU-Weinmarktreform soll die Großlage künftig Kröv Region Nacktarsch heißen.

Die Kröver wären aber keine Kröver, wenn sie nicht erfinderisch wären und sich nicht zu wehren wüssten: Schon in der Historie haben sie Mittel und Wege gefunden, ihren Kröver Nacktarsch zu verteidigen. Sei es durch die Übersetzung des anstößigen Namens durch das moselfränkische „Nacktasch“, wo ein fehlender Buchstabe die obszöne Bezeichnung abmilderte, sei es durch die satirisch-wehrhafte Verteidigung des Namens im Kölner Karneval.

Dass das Endspiel Deutschland – Ungarn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 die Geburtsstunde des Kröver Weinfests ist, erfuhren die Gäste in der Moderation von Christina Baayen und Marius Krämer. Sie führten mit heiteren Anekdoten rund um den Nacktarsch durch die Weinprobe. Höhepunkt des Festabends war schließlich das traditionelle Aufwiegen der künftigen Mosella Saskia, die 53 Flaschen auf die Waage brachte. Musikalisch unterhielten am Weinbrunnen der Kröver Musikverein sowie das Duo Elke und Charly, das auch noch nach der Weinprobe bei der Party den Gästen kräftig einheizte.

Es war eine Veranstaltung mit mosel­ländischem Charme, der anzumerken war, wie viel Herzblut der Kröver Winzer in ihren Wein fließt.

Der Wein aus Kröv ist ein kreatives Getränk, und die besten Ideen liegen bekanntlich am Boden der Flasche. Nach diesem Jubiläums­abend ist unzweifelhaft, dass den Kröver Winzern die Ideen nicht ausgehen, um den nächsten runden Geburtstag ihres Kröver Nacktarsches zu feiern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kröver Nacktarsch wird 100 Jahre alt