Kühle Getränke heiß begehrt

BERNKASTEL-WITTLICH. Nicht nur Hopfen und Malz sind in heißen Sommern am liebsten kalt begehrt. Auch Wasser ist seit Jahren ein Renner – wenn auch in variierender Verpackung.

"Fürs Geschäft ist das ja gut, aber es geht schon an die Substanz." Patrick Martinis Kommentar zum Sommer 2005 unterschreiben derzeit sicher alle seine Kollegen. Denn nicht nur bei dem Gutenthaler Getränkegroßhändler ist momentan Schleppen ohne Ende angesagt. Vor allem Sprudel sei bei seinen Kunden gefragt - mal mit Geschmack, wie Orange, mal als Eistee. "Sprudel ist der Renner Nummer eins", so Martini. Dennoch habe es bisher noch keinen Engpass gegeben, wenn auch längere Wartezeiten beim Lieferanten. Statt einer halben Stunde müssen sich die Fahrer dort nun bis zu fünf Stunden gedulden. Momentan ackerten sie daher von sechs Uhr früh bis abends 22 Uhr. Und das trotz Personalaufstockung um eine Vollzeitkraft und einige Aushilfen. Auch die Trarbacher Getränkegroßhändler Thilo und Rainer Krempel sind in den Sommermonaten auf Hilfe angewiesen. Vor allem zu den Wochenenden hin spitzten sich die Bestell-Intervalle zu, erzählt Thilo, der jüngere der Brüder. Spezielle Sorten könnten zwar immer mal nicht lieferbar sein, doch bisher habe es mit dem Nachschub geklappt. Anders als im heißen Sommer 2003, als Großhändler Ware nur mehr im Tausch gegen entsprechendes Leergut erhielten. Die Brüder Krempel machen etwa 85 Prozent ihres Umsatzes mit der Gastronomie, beliefern aber auch Veranstaltungen und Privatleute. Allerdings müsse die Menge stimmen, betont Thilo. Unabhängig davon falle ein Aufpreis gegenüber Abholung ab Rampe an, obwohl dort direkt ins Auto gepackt wird. Einzelne Kisten liefere der Betrieb lediglich an langjährige Stammkunden wie nicht mobile Rentner. Was die Produktpalette betrifft, ist laut Thilo Krempel Vielfalt gefragt. Ob Inhalt, Glasart oder Flaschengröße - Hauptsache innovativ. So beschränkten sich Mineralbrunnen längst nicht mehr nur auf ein Produkt. Denn während in der Gastronomie auf Outfit und Marke geachtet werde - das Auge trinkt schließlich mit - sei Privatkunden "gut und günstig" wichtig. Abfüller haben daher meist auch ein günstiges Wasser in ihrem Sortiment. Typische alkoholfreie Erfrischungsgetränke müssten aber immer in großen Mengen vorrätig sein. Dennoch ist Bier nicht etwa out. Es wird vor allem gezapft immer beliebter. Und das möglichst in selbstkühlenden Party-Fässern - seit voriger Saison "ein Renner". Gleichzeitig tendierten die Kunden zum milderen Bier, worauf die Brauereien mit breiterem Angebot reagierten. Zielgruppe ist laut Krempel die Jugend: "Um die von den Alkopops weg zu bekommen." Beim Boom der Biermischgetränke, ausgelöst von "Mixery", geht es seiner Einschätzung nach aber allmählich "back to the roots". Davon zeugten Bügelverschlussflaschen oder naturtrübe Biere. Ein großer Umbruch zeichne sich hingegen mit dem Erfolg eines marktführenden Billiganbieters ab. Und dadurch, dass der frühere "klassische" Theken-Biertrinker nun zu Hause bleibe, sei langfristig mit einem Kneipensterben zu rechnen. Zukunft habe allerdings die Erlebnis-Gastronomie.