Küster, Chorleiter, Organist

Ein Leben ohne Musik kann sich Hermann Stein, Kirchenchorleiter und seit 60 Jahren Organist in Heidenburg, nicht vorstellen. Mit einem Akkordeon hat alles angefangen.

Die Musik begleitet den langjährigen Heidenburger Organisten Hermann Stein sein ganzes Leben. TV-Foto: Ursula Schmieder

Heidenburg. (urs) Hermann Stein hat das Instrument von der Mutter eines Cousins, der im Krieg gefallen war. Gelernt, darauf zu spielen, habe er bei Schneidermeister Josef Micheln, dem damaligen Kirchenchorleiter. Doch als er als 16-Jähriger bei der Heidenburger Kirmes zum Tanz aufspielte - er auf dem Schifferklavier, andere mit Trommel und Trompete - gab es erst mal Ärger. "Der Pastor hat geschimpft, dass ich auf dem Tanzboden Musik mache", erinnert sich Stein noch gut an die damals im Freien verlegten Bretter. Doch dann habe er ihn gefragt, ob er nicht als Organist nachzurücken wolle. Seine Eltern seien sofort dafür gewesen - er selbst aber erst weniger: "Man ist ja unter Kollegen raus gefahren und ich musste immer kucken, dass ich pünktlich daheim war." Vor allem sonntags war er gebunden: "Erst die Frühmesse, dann das Hochamt, mittags Christenlehre und abends oft Andacht", nennt Stein die Verpflichtungen. Und der Lohn sei auch nicht üppig gewesen. 50 Pfennig, oder auch Getreide, habe er anfangs für die musikalische Begleitung der Messe erhalten. Und das in einer Kirche, deren Fenster infolge von Bombenschäden zerstört und verbrettert waren: "Da hab ich halt mit Handschuhen gespielt." Die Harmonium-Stunden -in der Kirche gab es noch keine Orgel - bekam er in Schönberg. Nach einem Jahr Privatunterricht besuchte er zwei Jahre die Diözesan-Musikschule in Trier. Einmal die Woche ging es dann zu Fuß nach Trittenheim, von wo aus die Bahn fuhr. Erst den Berg hinunter nach Dhron, dann hoch nach Leiwen-Zummet und wieder hinunter. Mit der C-Prüfung in der Tasche übernahm Stein dann 1949 auch die Leitung des Kirchenchores. Was gar nicht so einfach war, denn es waren uch ältere Männer im Chor "Und wenn man die kommandieren musste, das hatten die ja nicht so gern." Heute hat er es da einfacher. Besorgt, ob sich ein Nachfolger fände, sagten die Sänger - darunter auch Ehefrau Hedwig - immer zu ihm, er dürfe nicht aufhören. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis im Chor - da fehlt keiner aus Bequemlichkeit", freut er sich. Sein erstes Akkordeon, ein zwölfbässiges, hegt und pflegt der frühere Landwirt und spätere Poststellenleiter bis heute. Obwohl er schon bald ein größeres bekam. Sein Vater hatte eine Kuh verkauft und so eines mit 120 Bässen erwerben können. Und auf dem spielt der 75-Jährige noch heute. "Das ist die Kuh", klärt er dann Gäste schon einmal auf. Um 1950 kam sogar ein Klavier ins Haus. "Das hab ich regelrecht gehamstert", erzählt Stein, der seit 1947 auch Küster in Heidenburg ist. Der Vorbesitzer habe dafür Mehl, Äpfel, Kartoffeln und ein Fässchen Schnaps bekommen. Als Multitalent spielt Stein aber auch im Musikverein und bei den Jagdhornbläsern Dhrontal. Kaum vorstellbar, dass der zweifache Vater und Großvater neben der Musik noch ein anderes Hobby pflegt. Es ist leidenschaftlicher Imker. "Wir haben fast 100 Jahren Bienen gezüchtet und hatten zeitweise mehr als 50 Völker", verweist er stolz auf die Familientradition.