KULTUR

Zum Leserbrief von Dieter F. Domes "Kunst-Totengräber-Stadt Wittlich" (TV vom 2./ 3. August) schreibt dieser Leser:

Das hat mich, wie wohl auch alle Wittlicher Bürger doch schwer getroffen. Müssen wir jetzt "für immer" mit dem Makel "Kunst-Totengräber-Stadt der Nation" leben? Lastet auf uns jetzt der Frevel, dass wir unser historisches Rathaus "für das völkische Wir- Gefühl" zerstört haben? Haben wir Kunstbanausen die Nazi-belastete Darstellung von Kranichen (ob das die Lufthansa weiß?) unbedenklich in unseren Mauern zugelassen? Sie, Herr Domes, haben hier Ihr Urteil "für immer", also für die Ewigkeit gefällt. Diesen Anspruch haben noch nicht einmal die Propagandisten der "Entarteten Kunst" erhoben; diese haben sich auf 1000 Jahre beschränkt. Es ist vielleicht mein Fehler, aber die aus meiner Sicht anmaßende, gehässige und diffamierende Diktion dieses Leserbriefes erinnert an die ersten zwölf dieser 1000 Jahre. Die Mitgliedschaft in Naziorganisationen qualifizierte in Deutschland zum Kanzler, zum Ministerpräsidenten und zum Richter, das heißt nicht, dass allein sie zum Künstler disqualifiziert. Dass Ihnen das Werk von Herrn Scherl nicht gefällt…geschenkt. Dass Sie ihm, in Ihrem überheblichen Furor Teutonicus, mit nur angelesenem Wissen, mit der Formulierung "willige Nazi-Führer-Person" implizit Untaten unterstellen, ohne dass dieser sich gegen solche Beschuldigungen wehren kann, zeugt, euphemistisch ausgedrückt, von wenig Fairness. Lieber Herr Domes, nach wie vor beherbergt unser altes Rathaus Werke von Prof. Georg Meistermann in Dauerausstellung; es ist auch noch nicht zerstört. Der Rat der Stadt Wittlich hat in Ermangelung anderer Räumlichkeiten demokratisch entschieden, dass die Räume des Rathauses, den Interessen der Bürger Rechnung tragend, auch zeitweise und teilweise für andere Zwecke genutzt werden. Das alte Rathaus ist auch kein "Prof. Georg Meistermann Memorial", das durch andere, zeitlich begrenzte Teilnutzungen kontaminiert und entweiht werden könnte. Ich bin überzeugt, dass Prof. Georg Meistermann die Souveränität besessen hatte, daran keinen Anstoß zu nehmen. Es kommt vor, dass Meisterschüler diese Souveränität vermissen lassen. Dieter Rass, Wittlich

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